Paul, Emma, Oskar – warum andere Eltern den gleichen Geschmack haben

Paul, Emma, Oskar – warum andere Eltern den gleichen Geschmack haben

Ich gebe zu, auch ich liebe diese alten Namen. Meine Söhne haben auch sehr alte Namen. Und ich dachte, sie wären etwas ganz besonderes – die Namen. Überhaupt fand ich den Namen Oskar ja schon viel, viel früher toll als alle anderen Eltern.

Betritt man jedoch heute einen Kindergarten, könnte man meinen man sei in einem Altenheim gelandet. Da zankt Emma mit Carl und haut Emil Hugo eine runter. Die alten Namen – sie sind längst wieder in Mode gekommen. Dabei sollten sie doch ganz einzigartig und unkonventionell sein. Die ganz Mutigen unter uns nennen ihr Kind gern auch schon mal Otto oder Fritz. Wenn Kevin eine Diagnose ist, dann ist Oskar heute die Garantie für eine Bildungsbürgerfamilie.

Tja, ich muss mich wohl damit abfinden, dass andere Eltern auch einen guten Geschmack haben. Möchte man sein Kind heute mit einem besonders ungewöhnlichen Namen ausstatten, dann sollte man es vielleicht Stefan oder Susanne nennen. Das wären die Exoten des 21. Jahrhunderts. Aber was soll an Paul und Otto eigentlich schöner sein als an Thomas? Vielleicht, dass man mit einem Otto keine bösen Erinnerungen teilt, keine traumatischen Assoziationen pflegt, weil Ottos einfach schon zu lange tot sind. Während man sich noch genau daran erinnert, dass Kai damals bei der Krankengymnastik mit zwölf unter schweren Schweißausbrüchen litt. Diesen Geruch wird man sein Leben lang nicht los. Dieser Name ist auf immer und ewig verpestet.

Und diese alten Namen, sie sind unbeschriebene Blätter. Sie sehen einfach schön aus auf den von Moos befallenen Grabsteinen auf den alten Stadtfriedhöfen – so romantisch, so nostalgisch. Ich frage mich nur manchmal, wie werden die Kinder unserer Kinder heißen? Sicher nicht Emil, denn der hat Hugo damals im Kindergarten eine runtergehauen. Das wird Hugo nie vergessen.

Annika Berner schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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 Foto: © athomass / Fotolia