Was ist eigentlich normal?

Was ist eigentlich normal?

War „normal“ früher eine Art Diskriminierung (wer wollte schon „normal“ sein?), ist es heute so etwas wie die Benchmark – vor allem unter Eltern. Wie oft höre ich besorgte Mütter und Freundinnen fragen: Ist das normal? Ist mein Kind normal, wenn es noch nicht sprechen kann, mit drei noch Windeln hat, den eigenen Namen noch nicht schreiben kann, manchmal keine Lust hat, mit anderen Kindern zu spielen, nachts noch ins Bett pinkelt, Angst vor Monstern hat, kein Gemüse mag oder manchmal einfach zu schüchtern oder zu wild ist?

Der Druck „normal“ zu sein, scheint groß. Denn welches Kind heute nicht „normal“ ist, gilt schnell als verhaltensauffällig – als zu wild, zu wenig aufmerksam, nicht sozial kompatibel. Dann lieber normal als auffällig.

Aber: Was ist eigentlich normal? Im Duden sind die Synonyme für normal: durchschnittlich, üblich, gängig. Aber mal ehrlich: Wollt Ihr alle wirklich durchschnittliche Kinder haben? Nein, unsere Kinder sind doch alle überdurchschnittlich! Überdurchschnittlich liebenswert – so wie sie sind. Mit all ihren Besonderheiten, Vorlieben, Macken und Gaben.

Wir brauchen sie doch alle – die etwas Verrückten, die Sensiblen, die Unkonventionellen, die Ruhigen, die Starken, die Wilden, die Ausgleichenden, die Kreativen – sie machen das Leben so bunt und einzigartig. Lassen wir sie doch so wie sie sind.

Also, ich persönlich bin für weniger normal und für mehr Toleranz. Und das fängt bei uns selber an und ist manchmal – ich gebe es zu – nicht ganz einfach. Lernen, die eigenen Vorstellungen loszulassen, Fremdes zuzulassen und vor allem – voll und ganz hinter dem eigenen Kind zu stehen – egal, was die anderen sagen. Egal wie „normal“ oder nicht. Das stärkt nicht nur unsere Kinder, sondern auch uns selbst.

Annika Berner schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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