Mein Sohn, sein erster Liebesbrief & ich

Mein Sohn, sein erster Liebesbrief & ich

Es ist soweit: Bald muss ich meinen Sohn (8 Jahre) abgeben – an eine andere Frau. Genau vor drei Tagen wurde es mir plötzlich klar. So wie jetzt wird es nicht bleiben: Wird Mutti nicht für immer die Beste sein, die Schönste, die Kuscheligste … Wird er eines Nachts nicht mehr in mein Bettchen steigen, sondern … Ich mag noch gar nicht daran denken.

Es war so: Vor drei Tagen kam mein Sohn plötzlich mit einem roten Briefumschlag aus der Schule zurück. Erst dachte ich: „Oh wei, die blauen Briefe sind heute rot“. Aber auf dem Brief waren Herzen. „Gott sei Dank, eine Geburtstagseinladung“. Mein Sohn öffnete den Brief: Es war keine Geburtstagseinladung, es war ein Liebesbrief! Der erste Liebesbrief in seinem Leben. „Ich liebe Dich“ und „Ich fühle Dich in meinem Herzen“ stand dort geschrieben.

Ich muss zugeben, es war ein rührender Brief von einem ausgesprochen liebenswerten und süßen Mädchen. Ich fragte meinen Sohn: „Und, wie findest Du das Mädchen?“ „Nett“, sagte mein Sohn. Wie gut, dass er noch nicht weiß, dass diese coole Nüchternheit die Mädchen besonders rasend macht.

Ich erinnerte mich plötzlich an meine eigene Grundschulzeit. Ich war auch in der dritten Klasse zum ersten Mal verliebt – in Alexander. Wir haben sogar im Landschulheim geheiratet und uns im Unterricht heimlich Briefe zugesteckt. Wie das wohl mein Vater fand?

Einen Tag später sagte mein Sohn zu mir: „Mama, ich habe ja noch Zeit, mir die richtige Frau auszusuchen, oder?“ „Ja, noch sehr, sehr viel Zeit“, sagte ich erleichtert.

Annika
Berner schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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