Schokoladenmama ist ein schlechtes Vorbild

Schokoladenmama ist ein schlechtes Vorbild

Ich muss gestehen: In Sachen Schokolade & Co. bin ich ein geradezu miserables Vorbild für meine Kinder. Nach jedem Trotzanfall, nach jeder schlaflosen Nacht ist der Schokoriegel mein treuster Freund und Begleiter. Oder besser gesagt: DIE SCHOKORIEGEL! Sie geben mir Kraft für die nächsten Minuten, Stunden, halten mich wach und lassen mich den Tag überstehen.

Bei meinen Söhnen habe ich mittlerweile den Spitznamen „Schokoladenmama“ weg. Wenn mein Mann die Schoko-Schublade in der Küche öffnet und fragt: „Wo ist denn eigentlich die ganze Schokolade geblieben?“ Dann sprechen meine Söhne schon im Chor: „Schokoladenmama“.

In Notzeiten, wenn mal nichts im Hause ist, mache ich mich sogar an die Leckereien meiner Kinder zu schaffen: Tüten von vergangenen Kindergeburtstagen, Osterhasen- und Weihnachtsmannreste – vor mir ist nichts sicher. Nicht mal Blockschokolade!

Mein Mann gehört zu der beneidenswerten Sorte Mensch, die nach einem Riegel, die restliche Tafel wieder in den Schrank legen kann. Zu dieser Sorte Mensch habe ich noch nie gehört, was wahrscheinlich auch etwas mit meiner Kindheit zu tun hat: Bei uns Zuhause gab es Schokolade satt. Da gab es nur: ganz oder gar nicht. Das habe ich von meinem Papa, der wiederum hat es von seiner Mutter …

Okay, das soll jetzt keine Ausrede sein, schließlich bin ich ja auch für die Erziehung und Ernährung meiner Kinder verantwortlich. Ich halt es so – ganz reflektiert, auf der Meta-Ebene sozusagen: Ich sage meinen Kindern, dass ich in dieser Hinsicht nicht maßvoll sein kann, dass ich das auch nie gelernt habe. Dass das aber eigentlich nicht gut ist. Dass ich das noch lernen muss. Und dass es einfacher ist, wenn man es schon als Kind lernt. Vielleicht kann ja auch ein schlechtes Vorbild so zu einem Guten werden. Und außerdem lernen auch die Kinder: Wir haben alle Fehler…

Annika Berner
schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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