Zwischen Weinlese, Management und Familie – Interview mit Stuttgarts erster Weinmacherin Christel Currle

Zwischen Weinlese, Management und Familie – Interview mit Stuttgarts erster Weinmacherin Christel Currle

Ein Leben zwischen Weinproben, Sektherstellung und Familienleben: Christel Currle (44 Jahre) ist die erste, alleinige Weinmacherin in Stuttgart. Sie lebt auf ihrem Weingut mit ihren beiden Kindern (Alexander, acht Jahre und Anna-Sophie, 13 Jahre) und ihrem Mann im idyllischen Stuttgart-Uhlbach – direkt am Fuße des Götzenbergs. Die Anfänge des Weinbaus der Familie Currle reichen bis in das Jahr 1625 zurück – Christel setzt eine lange und erfolgreiche Familientradition fort. Ihre Arbeit ist umfangreich: Vom Weinanbau und der Weinlese, über die Wein- und Sektherstellung, bis zur Vermarktung – all das managt sie in ihrem Alltag mit zwei schulpflichtigen Kindern. Ein besonderer Job einer besonderen Frau. Im Gespräch mit SCHWABEN-MOM erzählt sie von ihrem Berufsalltag, in dem die Kinder immer dabei sind.

SCHWABEN-MOM: Du bist Inhaberin des Wein- und Sektguts Currle in Stuttgart-Uhlbach. Was ist für Dich das Schönste an Deinem Beruf?

Christel: Die Abwechslung. Ich kann mir auch mal „bad-hair-days“ leisten und dann muss ich aber wieder top-gestylt bei einer Weinprobe erscheinen. Es ist immer Bewegung in meinem Job. Ich habe viel Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen und lerne viele verschiedene Persönlichkeiten kennen. Außerdem ist mein Job sehr vielseitig: Vom Traktorfahren bis zu geschäftlichen Meetings und wichtigen Verhandlungen ist alles drin.

SCHWABEN-MOM: Du bist rund um die Uhr mit Weinlese, Wein- und Sektherstellung, Weinproben und Management beschäftigt. Wann ist Zeit für Deine beiden Kinder und wie organisierst Du Job und Familie?

Christel: Zum Glück sind meine Kinder nun schon aus dem Gröbsten raus und selbständig. Wir sind eine moderne Großfamilie, in der jeder seine Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten hat. Meine Eltern nehmen aber auch ihre Oma- und Opa-Rolle gerne wahr und unterstützen mich. Und ich habe noch eine wahre Perle, die mir hilft. Außerdem waren die Weinberge immer auch ein Abenteuerspielplatz für die Kinder. Sie sind mittlerweile auch bei der Weinlese dabei und helfen freiwillig mit. Wichtig sind mir Rituale im Alltag mit den Kindern, wie das gemeinsame Frühstück zum Beispiel.

SCHWABEN-MOM: Du bist die erste weibliche, alleinige Inhaberin eines Weinguts in Stuttgart. Ist das manchmal ein hartes Los in dieser Männerwelt?

Christel: Teilweise ist es echt heftig, aber eigentlich hat frau auch viele Vorteile. Ich bekomme allerdings immer noch anrufe: „Kann ich mal den Chef sprechen?“ Aber dann gibt es auch viele Weinliebhaber, die es toll finden, wenn der Wein einen femininen Touch hat. Das Potential nutze ich auch. Andererseits muss man in der Branche auch seinen Mann stehen. Man darf keine Berührungsängste mit Werkzeugen, Maschinen und Technik haben.

SCHWABEN-MOM: Wie sieht ein normaler Alltag bei Christel Currle aus?

Christel: Ich stehe um sechs Uhr auf, mache Frühstück und Vesper für die Kinder. Dann stehen die Kinder auf und wir frühstücken zusammen. Mein Mann ist dann schon unterwegs. Spätestens um acht Uhr bin ich im Betrieb und – je nach Anfallen der Arbeiten – bist mittags beschäftigt. Meistens koche ich dann Mittag für die Kinder, betreue die Hausaufgaben und arbeite dann wieder weiter. Feierabend ist, wenn die Kinder von ihren Freizeitaktivitäten nach Hause kommen, oder der Weinverkauf geschlossen ist. In manchen Phasen ist der Feierabend sehr spät, wenn beispielsweise Weinproben sind oder Pflanzenschutzsaison.

SCHWABEN-MOM: Wie schaltest Du vom Alltag ab?

Christel: Ich lese sehr gerne, gehe gerne schwimmen, ins Kino oder mit der Familie spazieren.

SCHWABEN-MOM: Was machst Du mit Deinen beiden Kindern und Deinem Mann, wenn Ihr mal Zeit nur für Familie habt?

Christel: Wir sind alle leidenschaftliche Fußballfans und gehen gelegentlich gerne zusammen ins Stadion zum VFB. Manchmal fahren wir auch zum Entspannen in die Pfalz, in die Heimat meines Mannes.

SCHWABEN-MOM: Dein Lieblingsplatz in Stuttgart?

Christel: Die Grabkapelle auf dem Württemberg.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Christel: Wenn mein Sohn auf mich zukommt mit offenen Armen und sagt: „Mama, ich muss Dich kurz drücken.“ Oder meine Tochter sich morgens zum Kuscheln in unser Bett schleicht.

SCHWABEN-MOM: Und ganz zum Schluss ein Tipp für uns Mamas von der Weinexpertin: Mit welchem Wein machen wir es uns nach einem anstrengenden Tag auf dem Sofa gemütlich?

Christel: Mit dem, den Du am liebsten magst. Ich bevorzuge Sekt. Mein Tipp: Kerner Extra Brut von mir.

Sektflasche Currle

Weitere Infos:

www.weingut-currle.de

Fotos: © Wein- und Sektgut Christel Currle