Nadia Köhler, Chefin der Kinderzeitungen in Stuttgart: „Mamasein ist der beste Job der Welt“

Nadia Köhler, Chefin der Kinderzeitungen in Stuttgart: „Mamasein ist der beste Job der Welt“

Nadia Köhler hat einen tollen Job – in zweifacher Hinsicht: Sie ist Chefin der Stuttgarter Kinderzeitung und der Stuttgarter Kindernachrichten und sie ist Mama von achtjährigen Zwillingstöchtern. Täglich denkt sie sich spannende Geschichten für Kinder aus, sucht passende Bilder und Grafiken aus, layoutet Zeitungsseiten, schreibt Beiträge und geht mit Kinderreportern auf Tour. Vor einem Jahr startete die Kinderzeitung der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten, die jeden Freitag erscheint. Rund 4000 Kinder haben die Zeitung bereits in Stuttgart abonniert und lesen wöchentlich spannende Geschichten über Kinder in anderen Ländern und Kulturen, Tiere, Sport, bekannte Figuren aus Filmen, Fernsehen und Büchern und jede Menge mehr.

Nadia studierte Geschichte und Germanistik in Passau und München und volontierte bei der Stuttgarter Zeitung. Die 40-jährige, gebürtige Münchenerin lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann im Stuttgarter Westen. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie, warum sie ihren Job so liebt, und dass sie ihre Karriere auch ihren beiden selbstständigen und mutigen Töchtern zu verdanken hat.

SCHWABEN-MOM: Du bist Redakteurin bei der Stuttgarter Zeitung und „Chefin“ der Stuttgarter Kinderzeitung und der Stuttgarter Kindernachrichten. Was ist das Schönste für Dich an Deinem Beruf?

Nadia: Ich liebe es Journalistin zu sein, weil jeder Tag komplett anders verläuft als der vorherige. Ich habe immer mit neuen Themen und neuen Menschen zu tun. Und seit ich die Kinderzeitung/Kindernachrichten leite, kann ich das machen, was mir am meisten Spaß macht: Geschichten spielerisch angehen, ein bisschen herumspinnen und Themen nicht nur in Texten, sondern vor allem auch in Bildern, Grafiken und Zeichnungen denken.

SCHWABEN-MOM: Du bist auch Mutter von Zwillingen. Deine beiden Töchter sind im Grundschulalter. Wie organisierst Du Deinen Job zwischen Schule, Terminen und redaktionellen Deadlines?

Nadia: Ich hatte großes Glück. Wir haben für unsere Töchter einen Platz in einer tollen Einrichtung mit sehr flexiblen Öffnungszeiten bekommen. Sie sind mit 13 Monaten in dieses Kinderhaus gekommen und gehen dort bis heute in den Hort. Da werden sie liebevoll betreut. Die Mädchen fühlen sich dort sehr wohl. Außerdem kommt mir mein Chef sehr entgegen. Er lässt mich meine Arbeitszeiten sehr familienfreundlich, also flexibel gestalten. Es muss jeden Freitag eine 24-seitige Kinderzeitung erscheinen. Wie und zu welchen Zeiten ich das zusammen mit meinem Team hinbekomme, ist meine Sache. Wenn ich mal einen Engpass habe oder zeitlich in die Bedrängnis gerate, helfen mir oft auch andere Mütter aus – Mütter sind untereinander wirklich sehr solidarisch. Und nicht zuletzt ist mein Mann immer zur Stelle, wenn es um die Kinder geht. Doch eigentlich bekomme ich den Spagat zwischen Job und Familie nur deshalb einigermaßen hin, weil unsere Kinder wirklich toll mitmachen. Das sind großartige, selbstständige und mutige Mädchen, die mir das Leben als berufstätige Mutter wirklich oft sehr leicht machen.

SCHWABEN-MOM: Erzähl uns von Deiner Arbeit! Wie sieht bei Dir ein normaler Arbeitstag aus?

Nadia: Meine Tage sind von Montag bis Donnerstag streng durchgetaktet (freitags arbeite ich nicht). Morgens um sechs Uhr klingelt der Wecker, dann mache ich Frühstück, Vesper und treibe die Kinder in die Schule. Gegen acht, halb neun komme ich in die Arbeit und von da an übernimmt mein Outlook die Macht über mich. Um zehn Uhr konferieren wir und danach geht jeder seinen Aufgaben nach. Meine sind: Texte redigieren, Themen mit den unterschiedlichen Autoren besprechen, Seiten mit unserer Layouterin durchgehen, Heftplanungen erstellen, Absprachen mit den Partnerzeitungen treffen, Termine organisieren und Gewinner benachrichtigen. Und zum Glück darf ich auch manchmal noch selbst schreiben! Wenn alles in trockenen Tüchern ist, dann kann ich auch selber mal auf Tour gehen: Geschichten erleben, interessante Kinder und Erwachsene treffen und dann das Erlebte zu spannenden Kinderzeitungsseiten verarbeiten. An manchen Tagen verlasse ich das Büro nicht vor 19 Uhr, an anderen schon nachmittags. Dafür sitze ich dann aber oft abends noch vor dem Computer, wenn die Mädchen schlafen.

SCHWABEN-MOM: Ist dieser Job für Dich einfacher, weil Du selber Kinder hast?

Nadia: Ja, unbedingt! Ich glaube, ich wäre auch gar nicht auf die Idee gekommen, eine Kinderzeitung zu machen, wenn ich selbst keine Kinder gehabt hätte. Meine Mädchen, ihre Freunde und ihre Freundinnen sind die härtesten Kritiker und die zuverlässigsten Ideengeber. Vor kurzem haben wir mal über ein Bild, das die deutschen Handballer nach ihrem WM-Ausscheiden zeigte, „Bitter!“ geschrieben. Da habe ich freitags auf der Fahrt ins Ballett von den vier Mädchen in meinem Auto ganz schön auf die Mütze bekommen. Wie man da „Bitter!“ drüber schreiben könne! Das habe doch so gar nichts Tröstendes! Da sei ja fast schon schadenfroh! „Schade!“ fanden sie, wäre die viel bessere Überschrift gewesen…

Tatsächlich ist es so: Wenn ich ein, zwei Tage nur mit den Kindern und ihren Freunden verbracht habe, weiß ich danach meistens genau, was wir dringend einmal in der Kinderzeitung machen müssen. Inzwischen fragen mich auch tatsächlich viele Kinder, die wissen was ich mache, ob ich nicht mal das oder jenes in die Kinderzeitung schreiben könnte. Viele bewerben sich auch bei mir direkt als Kinderreporter. Das ist echt total klasse.

SCHWABEN-MOM: Welche Themen interessieren Kinder eigentlich am meisten in der Kinderzeitung?

Nadia: Witze und Rätsel! Das lesen alle am liebsten, darüber steigen sie in die Zeitung ein. Wir feiern ja am 15. März unseren ersten Geburtstag, darum haben wir mit einem kleinen Fragebogen unsere Leserinnen und Leser gefragt, was ihnen im vergangenen Jahr am besten gefallen hat in der Kinderzeitung/ den Kindernachrichten. Und da wird klar: Tiere, Sport (vor allem Fußball), bekannte Figuren aus Filmen, Fernsehen oder Büchern, fremde Kulturen, Kinder in anderen Ländern und Ungerechtigkeiten auf der Welt (Armut, Flüchtlinge oder Terroranschläge) – das sind die Themen, die Kinder besonders interessieren.

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SCHWABEN-MOM: Lesen Kinder heute noch Zeitung? Und wie wichtig ist das Zeitungslesen in einer Zeit von Facebook & Whatsapp?

Nadia: Kinder lesen keine Tageszeitung. Aber sie lesen sehr wohl Zeitungen oder Zeitschriften, die speziell für sie gemacht sind. Denn Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren haben viele Fragen, viele Interessen, lieben Geschichten und Rätsel oder wollen wahnsinnig gerne etwas gewinnen. Auf Facebook und bei Whatsapp bekommen sie aber keine Fragen beantwortet, keine Geschichten erzählt, keine Rätsel gestellt und keine Karten für eine Kino-Preview. Auf Facebook und Whatsapp unterhalten sich die Kinder mit ihren Freunden. Von Produkten wie der Kinderzeitung/Kindernachrichten wollen sie erfahren, wie die Welt funktioniert, in der sie und ihre Freunde leben.

SCHWABEN-MOM: Wo kannst Du in Stuttgart am besten entspannen?

Nadia: Beim Joggen im Wald an den Bärenseen.

SCHWABEN-MOM: Was machst Du mit Deinen Zwillingen und Deinem Mann in Stuttgart und Umgebung am liebsten, wenn Zeit für Familie ist? Habt Ihr so etwas wie einen Lieblingsplatz in Stuttgart & Region?

Nadia: Wenn ich an einem lauen Sommerabend frage: „Sollen wir picknicken auf der Solitude?“ bekomme ich auf Anhieb eine Zustimmungsrate von 100 Prozent. Das passiert sonst eigentlich bei keinem anderen Vorschlag.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Nadia: Das Schönste am Mamasein ist es, die Mädchen aufwachsen zu sehen. Erleben zu dürfen, wie aus ihnen kluge, witzige und freundliche junge Menschen werden. Ich liebe es, sie lachen zu hören, all ihre Fragen gestellt zu bekommen und all ihre Ängste und witzigen Geschichten hören zu dürfen. Das ist das Schönste, manchmal aber auch das Anstrengendste am Mamasein. Aber wenn mir die beiden dann am Abend vor dem Einschlafen sagen, dass es irgendwie doch schwer in Ordnung ist, dass ich ihre Mama bin und nicht Taylor Swift, dann finde ich Mamasein den besten Job der Welt.

Nadia Porträt
Nadia Köhler

Weitere Infos:
www.pauls-kinderwelt.de
www.stuttgarter-kinderzeitung.de
www.stuttgarter-kindernachrichten.de

Fotos: © Achim Zweygarth (Porträt Nadia Köhler), © Lichtgut/Achim Zweygarth (Titelfoto)