Unter Müttern: Du oder Sie?

Unter Müttern: Du oder Sie?

Es gibt so ein ungeschriebenes Gesetz unter Mütter: Sie sagen einfach alle DU zueinander. Das ist Ausdruck einer besonderen Solidarität unter uns Mamas und zeigt, dass wir zusammen halten und (manchmal) auch Leidensgenossinnen sind. Aber auch, dass wir alle nicht so alt sein wollen wie wir uns (manchmal) fühlen.

Als ich in Stuttgart in ein neues Stadtviertel zog und eine neue Mama kennenlernte, so um die fünfzig, siezte ich sie ganz brav. Worauf sie mich erstaunt ansah und sagte: „Wir Mütter, wir duzen uns hier alle.“ Ich war baff und dachte: „Okay, wir sitzen alle in einem Boot – egal wie alt.“ Sonst gibt’s das eigentlich nur in Musik- oder Sportvereinen. Wir sind also so etwas wie ein Mütterverein.

Heute bekamen wir bei SCHWABEN-MOM eine freundliche Mail von der Brigitte-Mom – auch in dieser Mail wurden wir geduzt und mit Vornamen angesprochen. Irgendwie schmeichelt es, macht uns gleich zu Freundinnen.

Alle Freunde meiner Kinder duzen mich, alle Eltern meiner Kinder duze ich. Das war früher anders: Meine Eltern wurden von meinen Freunden noch gesiezt und ich siezte die anderen Eltern anständig zurück.

Ich frage mich manchmal: Geht mit dem Du auch ein Stück Respekt und Kultur verloren? Fehlt uns manchmal die Distanz? Wir duzen uns alle und befreunden uns auf Facebook, obwohl wir uns kaum kennen.

Ich frage unsere Expertin zum Thema Umgangsformen Knigge-Coach und selbst Mutter Gudrun Weichselgartner-Nopper aus Backnang, die auch Knigge-Kurse für Kinder gibt (SCHWABEN-MOM berichtete).

Sie klärt uns auf. Die offiziellen Regeln lauten auch heute noch: Im Business bietet der Ranghöhere dem Rangniedrigeren das Du an. Privat der Ältere dem Jüngeren. Und unter Frauen und Männern – der Mann der Frau, damit sie im Falle der Ablehnung nicht das Gesicht verliert.

Gudrun Weichselgartner-Nopper sagt: „Ich bin da eher konservativ. Das Sie schafft immer noch eine Form von Respekt und Distanz. Man sollte erst mal abwarten, sich kennenlernen und Vertrauen finden. Wenn es Streit zwischen den Kindern gibt, ist auch oft schlechte Stimmung zwischen den Eltern. Da kann ein Sie auch manchmal helfen.“

Wie Recht sie doch eigentlich hat. Deshalb sieze ich sie auch – vor lauter Respekt.

Annika Berner schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

Möchtest Du auch aus Deinem Leben als Mutter berichten? Wir freuen uns auf Deine Gast-Kolumne! Schreibe uns einfach an mail@schwaben-mom.de.

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