Designerin & Mama Maya aus Benningen: „Ich möchte mit meiner Kreativität etwas bewegen“

Designerin & Mama Maya aus Benningen: „Ich möchte mit meiner Kreativität etwas bewegen“

Wenn wir von Karriere sprechen, meinen wir nicht unbedingt die klassische Management-Karriere. In unseren Interviews und Porträts mit und über Mütter geht es uns mehr um Lebenswege. Wie verändert das Mamasein auch die berufliche Laufbahn? Bringt es neue Ideen in unser Leben? Ist es eine Chance, noch mal etwas ganz Neues auszuprobieren – manchmal auch aus der Not heraus, weil ein Nine-to-five-Job für viele Mütter nicht mehr möglich ist. Oder: Weil die Karriere mit Kind leider oft doch nicht so einfach fortgesetzt werden kann.

Wir haben eine ganz besondere und tolle Mama aus Benningen bei Marbach am Neckar kennengelernt, die das Mamasein auf ganz neue Wege gebracht hat. Maya Esch ist 34 Jahre und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn Raphael (bald zwei Jahre) auf dem Land. Das zweite Kind ist auf dem Weg und wird voller Vorfreude im Juli erwartet.

Maya ist in Ulm geboren und hat dort Kommunikationsdesign studiert. Vor ihrer Elternzeit hat sie für ein Softwareunternehmen gearbeitet, das Apps entwickelt. Aktuell befindet sie sich in der Elternzeit. Sie genießt das Mamasein sehr, aber manchmal fehlt ihr etwas. Nicht dass sie sich als Mama über Langeweile beklagen könnte – aber etwas zu bewegen, sich zu engagieren, das ist ihr wichtig. „Mit der Geburt meines Sohnes habe ich einen richtigen, kreativen Schub bekommen. Mein Alltag ist jetzt ganz anders als vorher. Ich betrachte das Leben aus einer neuen Perspektive und möchte neue Wege gehen. Ich möchte meine Kreativität mit etwas Sozialem verbinden, etwas bewegen“, erzählt uns Maya im SCHWABEN-MOM-Gespräch.

Im vergangenen Jahr startete sie ihr erstes soziales Projekt. In der kleinen, idyllischen Gemeinde Benningen am Neckar mietete sie für ein paar Monate einen Laden an – die Schatzkiste. Hier hat sie alle Hebel in Bewegung gesetzt, Menschen zu mobilisieren hübsche Sachen für die Schatzkiste zu basteln, zeichnen, stricken, häkeln, upcyceln, werkeln. Auch Secondhand-Kleider und andere Spenden konnten abgegeben werden. Ziel war neben der Spendensammelaktion, auch einen Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs zu schaffen.

Die Selfmade-Waren wurden dann gegen Spenden verkauft – also alles für einen guten Zweck. „Ich habe über das Projekt ein großes Netzwerk an interessanten Menschen und Künstlern aufbauen können. Wir haben eine Menge Geld zusammen bekommen“, so Maya. Das Geld spendete die Designerin an den Arbeitskreis Asyl in Benningen und an Ärzte ohne Grenzen. Einen Teil des Geldes bekam auch die Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg e.V. sowie eine Familie im Ort, deren Sohn an einer schweren Erkrankung litt. „Leider ist der Junge gestorben. Die Familie hat sich von dem gespendeten Geld einen Hund gekauft, der vielleicht ein bisschen Trost spendet“, berichtet Maya.

Das nächste Projekt ist schon in der Planung: In Marbach ist sie aktiv mit dem Familienzentrum des Elternforums Marbach bei der Gründung eines Repair-Cafés beteiligt. Ein neuer Trend in vielen deutschen Großstädten, den sie auch gerne nach Benningen bringen möchte: Hier kann man vom kaputten Stuhl, Toaster bis zur gerissenen Jacke alles reparieren lassen – kostenlos, sozusagen als Nachbarschaftshilfe. Und das in aller Ruhe bei Café und Stadtgeplauder. „Dabei geht es um die Nachhaltigkeit und die Wertschätzung von Gegenständen und Produkten sowie den sozialen Austausch, denn wer repariert anstatt gedankenlos zu konsumieren, der trägt aktiv zu mehr Umweltschutz und Ressourcenschonung bei“, erklärt uns Maya.

Ihr größter Traum: Dauerhaft Projekte zu betreiben, bei denen Sie ihre Kreativität mit ihrem sozialen Engagement verbinden kann. Wir werden das weiter beobachten und sind uns sicher, dass sie das schaffen wird.

Foto: © www.andrea-seitz.de