Daniela, Unternehmerin im Musik-Business: „Ich achte mehr auf meine innere Stimme und meinen Bio-Rhythmus“

Daniela, Unternehmerin im Musik-Business: „Ich achte mehr auf meine innere Stimme und meinen Bio-Rhythmus“

Daniela Kilb ist Mama von zwei energiegeladenen Jungs und selber eine Power-Mama. Ihr Beruf und ihre Berufung: das Musik-Business. Vor der Geburt ihrer Kinder arbeitete sie als Presse- und DJ Promoterin und Produktmanagerin in der Trance-, Dance-, Techno-Szene. Ihr Alltag bestand aus Parties, Videodrehs und Plattenveröffentlichungen. In dieser, oft wilden Zeit, war sie viel unterwegs, hat die Welt gesehen, interessante Menschen kennengelernt und wichtige Kontakte in der Musikszene geknüpft. Später arbeitete sie als Labelmanagerin bei M1_Recordings – dem Label zum gleichnamigen Kult Club in Stuttgart. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne gründete Daniela im Jahr 2008 ihre eigene Firma. Mit „Vans for Bands“ vermietet sie heute Tourbusse mit dem entsprechenden Equipment für Künstler aus aller Welt. Die 41-jährige lebt mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann in Winterbach im Remstal. SCHWABEN-MOM-Bloggerin Sandra hat mit Daniela gesprochen über ihren Job, die Musikwelt und ihr Familienleben.

SCHWABEN-MOM: Wie sieht ein Arbeitstag bei Dir aus? Und wie oft kommt alles ganz anders als geplant?

Daniela: Ha, wenn ich die Frage höre, krieg ich direkt ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Treffer, versenkt. Es kommt immer anders! Nichts läuft nach Plan! Bei mir heißt es: flexibel sein und bleiben. Das fällt je nach Laune und manchmal auch schlecht geschlafener Nacht (habe einen Schlafwandler, neun Jahre) manchmal schwer. Mein allgemeines Wesen ist eher impulsiv, also raucht es oft in der Bude.

Acht Uhr Kids zur Schule bringen. Acht Uhr 15 ins Büro. Anfragen, Aufträge, Rechnungen, Buchhaltung, E-Mails, Telefon. Ich arbeite als dienstleistendes Unternehmen, da steht Freundlichkeit und Flexibilität an erster Stelle. Hinzu kommen die Wünsche der Künstler, Tourmanager oder Agenturen. Lieferungen und Abholungen der Vans in ganz Deutschland oder Europa werden oft kurzfristig gebucht. Schadensfälle und Werkstätten koordinieren in immer nur kurzen Zeiträumen, an denen die Vans nicht vermietet sind.

SCHWABEN-MOM: Du arbeitest und lebst unter einem Dach. Ist komplettes Abschalten da möglich?

Daniela: Mir fällt das Abschalten extrem schwer. Meinem Mann nicht, der schaltet einfach gar nie ab. Vom Bauchgefühl her würde ich lieber woanders wohnen als arbeiten. Jedoch hat es auch seine praktischen Seiten, wenn die Kinderbetreuung nachmittags mal ausfällt und die Kids zu Hause sind, kann ich blockweise trotzdem arbeiten oder Wichtiges erledigen.

SCHWABEN-MOM: Ständig erreichbar und viel unterwegs zu sein – wie schaffst Du das mit Deinen beiden Kindern?

Daniela: Ich habe zum Glück zwei großartige Omas in unmittelbarer Nähe, ohne die in meinem Beruf überhaupt gar nix gehen würde. Sie sind fit, mobil, haben Zeit und opfern sich immer wieder liebevoll auf, nachmittags meine Jungs zu betreuen. Die ständige Erreichbarkeit wird mir langsam zur Plage. Ich versuche sie (Handy, Anrufe, E-Mails) ab 18 Uhr abzustellen, denn dann kommen meine Kids nach Hause. Dann muss der Hammer fallen, das haben mich die Kleinen gelehrt. Sie sind einfach zu wichtig und ich möchte die Zeit nicht komplett verpassen, in der sie noch klein und schnuckelig sind. Kommt erst die Pubertät ist nix mehr mit Mama kuscheln und auf dem Schoß sitzen. Das machen wir auch im Büro…
Allerdings sitze ich dafür manchmal abends noch im Büro, wenn sie schon schlafen. Aber nur wenn ich genug Energie habe. Ich achte seit ich 40 bin mehr auf meine innere Stimme und meinen Bio Rhythmus.

SCHWABEN-MOM: Was macht Dir an Deinem, nicht ganz alltäglichen Job, am meisten Spaß und was war für Dich die außergewöhnlichste Begegnung mit einem Künstler?

Daniela: Am besten bin ich im Netzwerken – also organisieren und koordinieren. Ich ziehe gerne die Fäden. Ich plane die Abläufe einer Tournee, koordiniere Fahrer, die den Van an einen Flughafen liefern oder ihn dort abholen – beispielsweise in Paris, Amsterdam, Berlin, München oder Frankfurt. Hierbei spielt absolute Pünktlichkeit die entscheidende Rolle – manchmal schwierig mit der Deutschen Bahn oder den Streiks des Bodenpersonals an Flughäfen. Da kann man ins Schwitzen kommen, denn die Künstler müssen ihren Flug kriegen. Das ganze Business haben wir mittlerweile auf internationale Füße gestellt. Wir haben viele britische, finnische oder auch amerikanische Kunden. Das ist die größte Herausforderung, international einen guten Service zu bieten, kompetent zu sein und das Ganze bitte charmy – so liebt es die Musikwelt.

Eine sehr außergewöhnliche Begegnung hatte ich letzte Woche in Stuttgart im Büro eines Musik-Labels. Wir hatten aus Zeitgründen eine Schlüsselübergabe für einen Van dort nachmittags vereinbart. Ich betrete das Büro, begrüße den Chef per Handschlag, um ihn herum stehen ein paar schlaksige Jünglinge mit engen Jeans, schlabberigen Shirts und weißen Sneakers. Ich kenne sie nicht, also gibt’s von mir nur ein laues „Hallo“ und einen Wink mit der Hand. Ich mache meine Schlüsselübergabe mit einer Mitarbeiterin. Da drängelt sich hinter mir einer dieser Jünglinge und kaspert und albert neben mir herum. Ich stehe da und denke: „Oh Mann, die Stimme kommt mir sehr bekannt vor!“ Verdammt, es war Cro.

SCHWABEN-MOM: Du hast eine anspruchsvolle Jobwoche hinter Dich gebracht – wie kommst Du persönlich runter und tankst neue Kraft?

Daniela: Im vergangenen Winter hätte ich gar nicht gewusst, wie ich die Frage beantworten soll. In der Tat drehen meine Kinder auf, wenn ich mich entspannen will. Für den Sommer haben wir als ganze Familie ein Hobby, bei dem meine Jungs genug Auslauf bekommen – Golfen. Wir fahren zum Golfplatz, jeder hat was zu tun, jeder ist beschäftigt. Die Kids können sich frei bewegen, wir genießen die Natur und treffen Freunde. Und: Es gibt keinen Handy-Empfang!

SCHWABEN-MOM: Zeit für Kids und die Familie – wo verbringt Ihr sie gemeinsam in der Region am liebsten?

Daniela: Wir versuchen mit unseren Kindern viel in der Natur zu sein und schicken unsere Kinder auf die Waldorfschule. Einer der Jungs grenzt von der Power her an ADHS. Also: Waldlehrpfad im Remstal. Pilze suchen im Welzheimer Wald. Naturkundemuseum in Stuttgart. Ich habe auf Eurem Blog von dem Baumhaus Hotel gelesen. Das könnte ein heißer Anwärter für einen nächsten Ausflug sein.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Daniela: Zu sehen wie sie heranwachsen, eine immer enger werdende Bindung zu knüpfen und bedingungslos geliebt zu werden.

Weitere Infos:

www.vansforbands.de

Foto: © Kristin Teuber