Angela, Leiterin Stadtteilhaus Mitte: „Mütter sind im Beruf oft schneller, konsequenter und arbeiten effizienter“

Angela, Leiterin Stadtteilhaus Mitte: „Mütter sind im Beruf oft schneller, konsequenter und arbeiten effizienter“

Angela gehört auch zu den klassischen Multi-Tasking-Mamas: Sie hat zwei Töchter (und einen Mann), arbeitet als Leiterin des Stadteilhaus Mitte in Stuttgart und studiert nebenbei „Integrierte Gerontologie“. Die Leitung des Stadtteilhauses teilt sich die Diplom-Sozialpädagogin mit einer anderen Mutter – als Jobsharingmodell. Ein schönes Vorbild – vielleicht auch für andere Mütter und für moderne Arbeitgeber. „Eltern sind hochmotiviert bei der Arbeit – gerade nach der Elternzeit“, erzählt sie im SCHWABEN-MOM-Interview auch aus eigener Erfahrung. Die gebürtige Brandenburgerin lebt – nach verschiedenen Stationen in Berlin und Essen – mit ihrer Familie im Stuttgarter Westen. Ihr Lieblingsplatz: ihr wunderschöner Garten im Hinterhof – ein Treffpunkt für Nachbarn und Freunde.

SCHWABEN-MOM: Du leitest das Stadtteilhaus Mitte in Stuttgart. Was ist das Schönste für Dich an Deinem Beruf?

Angela: Etwas in Bewegung zu bringen, mit anderen, positive Entwicklungen herbeizuführen. Zu sehen, wie sich Lebensbedingungen positiv gestalten und Menschen Kraft und Zufriedenheit daraus schöpfen.

SCHWABEN-MOM: Du hast eine Führungsposition, zwei Töchter, (einen Mann) und studierst nebenbei noch „Integrierte Gerontologie“. Wie meisterst Du Deinen Alltag? Was ist für Dich das Wichtigste, um alles unter einen Hut zu bekommen?

Angela: Jeder dieser Teile meines Lebens gibt mir Energie für den jeweils anderen und lässt mich den jeweils anderen oft sogar umso mehr genießen und freudvoller wahrnehmen. Und wenn es mal nicht so ist, habe ich gerlernt mir rechtzeitig eine Pause zu gönnen.

Ich kenne meine jeweiligen Kraftquellen sehr genau und schaue, dass sie einen festen Bestandteil meines Alltags bilden, wie beispielsweise Radfahren und Laufen – zum Gedanken sortieren. Schwimmen und Wandern – um den Kopf frei zu bekommen. Gutes gesundes Essen – um mich fit zu fühlen oder Freunde zu treffen, um mich zu reflektieren, mich auszutauschen und Lebensfreude zu tanken. Außerdem weiß ich einen Partner an meiner Seite, der ebenso gern Vater ist, wie ich Mutter. Und wir leben sehr gleichberechtigt unseren (Familien-) Alltag. Sicher habe ich eine gute Sellbsstrukturierung und Disziplinierung schon in meiner Zeit im Leistungssport verinnerlicht.

SCHWABEN-MOM: Erzähl uns von Deiner Arbeit! Wie sieht bei Dir ein normaler Arbeitstag aus?

Angela: Einen normalen Arbeitstag gibt es in meinem Arbeitsbereich nicht. Auch nicht immer feste Arbeitszeiten. Dafür sind einfach zu viele verschiedene Aufgaben unter einen Hut zu bringen.
Es gibt Tage, die sind gefüllt mit Bewerbungsgesprächen, Mitarbeiterschulungen, Netzwerktreffen, Gremiumsitzungen, Beratungsangeboten an Hilfesuchende oder Haushaltsrunden.

Andere Tage beschäftigen mich mit der Suche nach Vertretungen und guten Lösungen für kurz oder gar langfristig ausgefallene Mitarbeiter, mit der Planung, Vorbereitung und Durchführung von Kursangeboten oder Veranstaltungen, der Homepagepflege oder mit dem Schreiben von Pressemitteilungen.

Meine Lieblingstage sind aber die, an denen ich mich dem eigentlichen Auftrag meiner Arbeit widmen kann: Die Lebensbedingungen und Bedarfslagen im Stadtteil zu analysieren, gemeinsam mit Kooperationspartnern diesbezüglich Lösungsansätze und Projketkonzepte zu entwickeln, auszuarbeiten und die dafür notwendigen Mittel zu aquirieren.
Das nur als winziger Einblick 🙂

SCHWABEN-MOM: Welche Angebote bei Dir im Stadtteilhaus kannst Du Müttern besonders ans Herz legen?

Angela: Das kommt ganz darauf an, was im aktuellen Lebensalltag der jeweiligen Mutter gerade von Bedeutung ist. Hat sie sich für eine längere Elternzeitphase entschieden und sucht nur hier und dort eine kleine Atempause und die Möglichkeit zum Austausch, bietet sich unser Minikindergarten an.
Ist sie neu in Stuttgart und die Kinder sind noch kleiner, kann der Besuch einer unserer Indoor- und Outdoorangebote sehr hilfreich sein, neue Menschen kennenzulernen oder wichtige Informationen zu erhalten.

Für Mütter mit eher geringen Sprachkenntnissen bietet sich ein Besuch unserer Sprachkurse mit Kinderbetreuung an.

Das Stadtteilzentrum bietet aber auch jede Menge Informations- und Beratungsangebote, die dabei unterstützen können ihren Alltag zwischen Beruf und Familie und eigenen Bedürfnissen zu erleichtern.

SCHWABEN-MOM: Du arbeitest als Führungskraft in einem sogenannten Jobsharingmodell. Das heißt, Du teilst Dir die Leitung mit einer anderen Mutter. Erzähl uns, wie das funktioniert?

Angela: Einem Jobsharingmodell auf Leitungsebene begegnete ich das erste Mal 1998, während ich in den Niederlanden für eine Dachorganisation im sozialen Bereich arbeitete. Diese Form bietet nicht nur Frauen in der frühen Elternphase – neben den Herausforderungen des neuen Alltags – die Möglichkeit ihre Fähigkeiten und Kompetenzen beruflich voll einzubringen und sich weiter zu entwickeln. Auch Arbeitgeber profitieren entschieden davon. Sind doch die meisten Eltern beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit hoch motiviert. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass bei vielen Frauen das Muttersein mit sich bringt, auch im Berufsalltag sehr viel schneller und konsequenter Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und effizienter zu arbeiten, bei gleichzeitig größerer Gelassenheit und großer Teamkompetenz.

Wichtig sind aber Bedingungen, die Flexibilität auf beiden Seiten ermöglicht. Dinge, wie gemischte und flexible Team- und Bereichsstrukturen, Telearbeit, Arbeitszeitflexibilität und eine entsprechend positive Unternehmenskultur.

SCHWABEN-MOM: Du bist in Elsterwerda (Brandenburg) geboren, hast lange in Berlin und Essen gelebt. Was schätzt Du an Stuttgart am meisten?

Angela: Stuttgart hat noch die Größe, die es mir als Mutter erlaubt vieles im Alltag gut unter einen Hut zu bringen. Die Wege zwischen zu Hause, Arbeit, Schule, Kita und Freizeitaktivitäten sind alle auch gut mit dem Fahrrad zu bewältigen. Das öffentliche Verkehrsnetz ist ausgesprochen gut und auch für Mütter mit Kindern sehr angenehm. Ich bin sehr gerne in unserem Kiez, einem sehr familiären, lebendigen und gleichzeitig entspannten Wohnquartier.

SCHWABEN-MOM: Was machst Du mit Deiner Familie in Stuttgart und Umgebung am liebsten, wenn Zeit für Familie ist? Was sind Eure Hotspots?

Angela: Die Stuttgarter Umgebung hat für mich und meine Familie generell einen sehr hohen Freizeit- und Erholungswert. Wir nehmen uns für jede Winter- und Sommersaison ein Thema vor und erkunden dieses dann in und um Stuttgart herum. So entdecken wir immer wieder neue Gesichter unserer Stadt.
Obwohl ich eigentlich überhaupt keine Liebhaberin von Freibädern bin, muss ich zugeben, dass mir die Freibäder in Stuttgart und Umgebung sehr gut gefallen.

Am höchsten im Kurs stehen für uns allerdings Fahrrad- und Wanderausflüge. Unsere Lieblingsmuseen sind das Lindenmuseum und die Staatsgalerie. Unsere Lieblingsveranstaltung das Trickfilmfestival. Einer unserer Lieblingsorte ist unser Garten, wo wir uns mit anderen Hausbewohnern und Nachbarn immer wieder spontan treffen – gemeinsam gärtnern, plaudern, spielen oder Kaffee trinken.

Eine weitere kleine Oase im gefüllten Alltag ist der – vor unserer Haustür entstandene – Naturerlebnisgarten. Den können wir auch schnell mal am Abend oder für ein kurzes Stündchen zwischendurch am Wochenende besuchen. Wir bauen zusammen Hütten aus Ästen und Zweigen oder genießen die Aussicht über Stuttgart von der kleinen Aussichtsplattform am höchsten Punkt des verwunschenen Gartens.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?
Angela: Diese positive, freudvolle und inspirierende Lebenseinstellung, die mir meine Kinder jeden Tag aufs Neue vermitteln.

Weitere Infos:
www.stadtteilhaus-mitte.de