GEOlino-Chefredakteur Martin Verg: „Wir tun nicht so, als ob diese Welt rosa wäre und nach Erdbeer schmeckt“

GEOlino-Chefredakteur Martin Verg: „Wir tun nicht so, als ob diese Welt rosa wäre und nach Erdbeer schmeckt“

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Tanja war in ihrer Heimat in Hannover unterwegs und traf Martin Verg bei einem Zeitungskongress. Er ist Chefredakteur von GEOlino, GEOlino extra und GEOmini – also von einer ganzen Zeitschriftenfamilie. 1996 startete GEOlino als eine der ersten Kinderzeitschriften Deutschlands. Mit einer Auflage von 180.000 Exemplaren gehört sie zu den erfolgreichsten Kinderzeitschriften. Martin Verg, gebürtiger Hamburger und selber Vater von zwei Kindern, hat uns verraten, warum Lesen so wichtig ist für Kinder, was er seinen Kindern am liebsten vorliest und was er als Chefredakteur den ganzen Tag zu tun hat.

SCHWABEN-MOM: Warum sollten wir unseren Kindern GEOlino oder GEOmini kaufen? Was lernen unsere Kinder – wo ist der Spaß-Faktor?

Martin Verg: Lernen: Jede Menge, Spaß: eigentlich überall. Das ist der Kern dessen, was wir tun: Kindern Wissen über unsere Welt zu vermitteln – vom Pottwal bis zum Zellkern, von Polarforschern bis zu Urwaldbewohnern. Nach Möglichkeit spielerisch und mit Leichtigkeit. Ohne aber dabei so zu tun, als ob diese Welt rosa wäre und nach Erdbeer schmeckt. Beispiel: Seit es GEOlino gibt sind wir Partner von UNICEF, in jeder Ausgabe berichten wir über die Arbeit des Kinderhilfswerks – und schneiden dabei natürlich auch Themen an, die unserer Leser aus eigener Anschauung – zum Glück – nicht kennen.

SCHWABEN-MOM: Wissen unsere Kinder heute schon viel mehr als die Kinder vor 30 Jahren?

Martin Verg: Aber ja! Neulich überraschte mich meine neunjährige Tochter, als sie darum bat, ein Foto aus der Zeitung ausschneiden zu dürfen, das ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer zeigt. „Für unsere Nachrichtenwand im Klassenzimmer“, erklärte sie mir. Nachrichtenwand! Als ich Drittklässler war, gab es so etwas nicht. Wichtig ist dabei natürlich die Einordnung. Dass man die kleinen Leute nicht mit der nackten Information allein lässt. Dazu wollen wir mit GEOlino beitragen.

SCHWABEN-MOM: Warum ist Lesen so wichtig für Kinder?

Martin Verg: Ich halte Sprache für eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Und für ein wertvolles Werkzeug, das mir um so mehr nützt, je besser ich es beherrsche. Sprache in all ihren Nuancen zu entdecken und sich zu eigen zu machen, das geht nun einmal am besten übers Lesen – wenn möglich längerer Texte als Tweets oder WhatsApp-Nachrichten (wobei die natürlich auch ihre Berechtigung haben. Und auch Regeln folgen, die man erst einmal kennen und können muss …)

SCHWABEN-MOM: Was halten Sie von den digitalen Angeboten für Kinder? Viele Grundschulkinder halten am Tag länger ein ipad in der Hand als ein Buch?

Martin Verg: Oh, da gibt es sehr viele, sehr tolle Dinge. Großartige Apps, die Kinder etwa zum Lesen, Schreiben und Rechnen animieren. Natürlich die wunderbaren eMags, also die digitalen Ausgaben, von GEOlino extra. Und vieles, vieles mehr, was sich wirklich anzusehen und auszuprobieren lohnt. Nutzen sollte man es dennoch mit Augenmaß, ist ja klar. Dass Lesen und Schreiben auf Papier andere Hinregionen anspricht und nachhaltiger wirkt, ist ja schon mehrfach nachgewiesen worden. Gilt übrigens auch für uns Erwachsene …

SCHWABEN-MOM: Was macht ein Chefredakteur der größten Kinderzeitschrift in Deutschland den ganzen Tag?

Martin Verg: Interessante Interviewfragen beantworten. Ansonsten sind wir hier in Hamburg eine Redaktion von gut 20 Menschen, mit GEOlino und GEOmini haben wir zwei Monatstitel, das monothematische GEOlino extra erscheint sechsmal im Jahr. Es gibt also ständig neue Themen zu finden, Geschichten zu planen, Texte zu redigieren, Bilder auszuwählen.

SCHWABEN-MOM: Was lesen Sie selbst Ihren Kindern am liebsten vor?

Martin Verg: Es macht mir viel Spaß, die Bücher meiner Kindheit wiederzuentdecken – als Vorleselektüre für meine Tochter. Von Jim Knopf bis Krabat. Sogar durch Asterix habe ich mich gequält (zum Vorlesen eine Zumutung. Man muss sich so viele Stimmlagen überlegen und merken, wie ein halbes Theaterensemble: Wie klingt Obelix, wenn er beleidigt ist? Wie singt der Barde?)

SCHWABEN-MOM: Was erwartet uns in der nächsten GEOlino-Ausgabe, die am 3. Juni erscheint?

Martin Verg: Da ziehen wir mal wieder alle Register – vom Titelthema Wasserschweine (wie Sie sicher wissen, die größten Nagetiere der Welt) über Gletscher bis zu einer Reportage aus Rumänien über ein Mädchen, das sich in ihrer Heimatstadt der Rettung von Straßenhunden verschrieben hat. Ach ja, und wer nicht nur lesen sondern auch selbst etwas machen will, dem empfehle ich die Bau- und Spielanleitung für Kubb, das Schachspiel der Wikinger.

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GEOlino-Titelbild der kommenden Ausgabe am 3. Juni 2015

Weitere Infos:

www.geolino.de

Foto: © Petra Nossek-Bock

Cover: © GEOlino / Gruner + Jahr