Innenarchitektin Jeanette über das perfekte Kinderzimmer: „Werbegeschenke und Staubfänger brauchen Kinder in ihrem Zimmer nicht“

Innenarchitektin Jeanette über das perfekte Kinderzimmer: „Werbegeschenke und Staubfänger brauchen Kinder in ihrem Zimmer nicht“

Wie sieht eigentlich das perfekte Kinderzimmer aus? Wie viel Unordnung ist erlaubt? Und wo stehen idealerweise Bett und Schreibtisch? Die Stuttgarterin Jeanette Neidhardt-Rosenberger ist Mutter von zwei Kindern, Innenarchitektin und Feng-Shui-Beraterin und hat mit ihrem Mann Michael Rosenberger ein Architekturbüro in Stuttgart-Uhlbach. Seit mehr als 20 Jahren ist ihre Welt das Einrichten und Gestalten von Räumen. Sie ist ein Einrichtungsprofi mit Leidenschaft. Seit einigen Wochen bloggt sie auf Raumgeschichten über ihre Projekte, schöne Möbel und Inneneinrichtungen. SCHWABEN-MOM hat mir ihr gesprochen und sie hat uns verraten, was das Geheimnis eines schönen Kinderzimmers ist.

SCHWABEN-MOM: Wie sieht aus Deiner Sicht das perfekte Kinderzimmer aus?

Jeanette: So groß wie möglich. Das Kinderzimmer hat die Herausforderung, dass es drei Bereiche hat – den Schlafbereich, den Spielebereich und den Lern- und Arbeitsbereich. Das ist fast wie eine kleine Wohnung. Deshalb sind Kinderzimmer besonders spannend. Wir gehen mal von einem Grundschulkind aus: Ideal ist eine große Bodenfläche zum freien Spielen für Lego, Playmobil und Puppen, sowie ein Spieltisch mit Stühlen und gerne auch eine Rückzugsecke. Der Schlafbereich sollte am besten ein bisschen abgetrennt und ruhig gestaltet sein, um einen Ruhebereich zu schaffen. Und der Arbeitsbereich sollte so eingerichtet sein, dass das Kind konzentriert arbeiten kann. Und natürlich darf auch das richtige Licht nicht vergessen werden.

SCHWABEN-MOM: Wie viel Unordnung ist erlaubt? Und wie schafft man Ordnung?

Jeanette: Man sollte Möglichkeiten anbieten, wie Kinder einfach Ordnung schaffen können. Es darf nicht kompliziert sein, sonst funktioniert das nicht. Der Klassiker sind Boxen, die man beschriften und mit Fotos bekleben kann, damit die Kinder wissen, was wo hinein kommt. Das hat sich bewährt. Und: Die Boxen müssen für Kinder gut erreichbar sein. Ideal ist es, wenn man die Boxen hinter einer Schranktür verschließen kann – das gibt eine gewisse Ruhe in den Raum. Mein Sohn ist ein großer Lego-Fan. Für die ganzen kleinen Legoteile haben wir im Baumarkt Sortierkisten für Schrauben & Co. gekauft, in der man prima alle Legoteile einsortieren kann. Kaputtes Spielzeug sollte am besten sofort aussortiert werden, damit sich nicht zu viel ansammelt. Kinder haben ein ganz anderes Ordnungssystem. Wenn ich meinem Sohn sage: „Räum mal auf.“ Dann legt er die Legos von einer Seite zur anderen. Man muss den Kindern schon genau sagen, was wo hinkommt und das auch mit ihnen zusammen üben bis sie das Ordnungssystem verstanden haben.

SCHWABEN-MOM: Du arbeitest auch als Feng Shui-Beraterin. Was sind die No-Goes im Kinderzimmer?

Jeanette: Grenzwertig sind diese ganzen Gimmicks, die es überall gibt: wie kleine Plastikfiguren, Plüschtiere, Werbegeschenke. Sie verstopfen viele Kinderzimmer und haben gar keinen Nutzen und keinen Bezug zu den Kindern. Kinder sollen von den Dingen umgeben sein, die sie wirklich gerne mögen. Werbegeschenke und Staubfänger brauchen Kinder in ihrem Zimmer nicht. Das Kinderzimmer sollte keine Abstellfläche sein.

SCHWABEN-MOM: Wo sollte am besten das Kinderbett stehen?

Jeanette: Der ideale Platz ist an der Wand mit Blick zum Fenster und zur Tür. Kinder brauchen einen Rückzugsbereich, wo sie geerdet sind, loslassen und gut schlafen können. Der Blick zur Tür ist wichtig, um zu sehen wer reinkommt, und um sich sicher zu fühlen.

SCHWABEN-MOM: Und der Schreibtisch?

Jeanette: Beim Schreibtisch ist es ähnlich. Am besten stellt man den Schreibtisch mit Blick zur Tür – und nicht wie oft mit dem Rücken zur Tür. Sonst sind Kinder schnell abgelenkt, weil sie sich unbewusst von hinten beobachtet fühlen und wissen wollen, was um sie herum passiert. Ebenfalls positiv ist eine geschlossene Wand im Rücken beim Sitzen am Schreibtisch. Diese Regel gilt übrigens für jeden der am Schreibtisch arbeitet – auch für die Eltern!

SCHWABEN-MOM: Teppich oder Parkett – was ist aus Deiner Sicht besser?

Jeanette: Das ist eine persönliche Entscheidung. Parkett ist natürlich pflegeleichter. Allerdings ist ein Teppich gemütlicher, wenn man mit den Kindern auf dem Boden sitzt und spielt. Entweder Du kommst mit den Kratzern auf dem Parkett klar oder mit dem Flecken auf dem Teppich. Auch die weitverbreitete Meinung, dass bei Hausstauballergikern nur Parkett eingesetzt werden darf, ist so nicht mehr ganz richtig. Im Teppich wird der Staub gebunden und Du kannst ihn aufsaugen, beim Parkett wird der Staub bei jeder Bewegung aufgewirbelt. Das ist also ein Glaubenskrieg – auch unter den Experten. Allerdings sollte der Teppich dann ein Schlingenteppich oder ein Kurzfloorteppich sein.

SCHWABEN-MOM: Welche Farben haben eine positive Wirkung auf Kinder?

Jeanette: Helle, freundliche Pastelltöne – keine knalligen Farben! Bunte Wände in Kinderzimmern sind grenzwertig, weil in den Zimmern ohnehin schon sehr viel passiert. Deshalb wäre es gut, wenn die Räume in abgetönten Farben gestrichen werden und mit Farbe lassen sich auch gut die Bereiche Spielen, Arbeiten und Schlafen gestalten. Im Zweifelsfall auch weiß lassen – bunt wird es im Kinderzimmer von alleine.

SCHWABEN-MOM: Viele Kinder bekommen das Zimmer zur Straße, weil sie angeblich nicht so lärmempfindlich sind wie die Eltern. Stimmt das?

Jeanette: Viele wohnen in der Stadt und da ist es einfach lauter. Man darf das Thema nicht überstrapazieren. Idealerweise ist es natürlich, wenn das Kind das Zimmer zur ruhigen Seite hat. Es gibt aber auch Akkustik-Vorhänge oder Lärmschutzfenster mit Dreifachverglasungen, die den Lärm reduzieren können.

Jeanette

Innenarchitektin und Mutter – Jeanette Neidhardt-Rosenberger

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