Familylab-Coach Susanne Sonnleitner: „Die Trotzphase ist aus Kindersicht eine Revolution“

Familylab-Coach Susanne Sonnleitner: „Die Trotzphase ist aus Kindersicht eine Revolution“

Heute wollen wir uns einmal anschauen, was es eigentlich mit dieser Trotzphase auf sich hat. Das ist auch so ein Phänomen – wie die Pubertät. Bei manchen Kindern könnte man meinen, sie gehen direkt von der Trotzphase in die „Vorpubertät“ und dann in die Pubertät über. Doch worum geht es denn da? Bei einem Kind zwischen zwei und drei Jahren ändert sich die Wahrnehmung seiner selbst. Es beginnt, ein „Ich“ zu entwickeln und es nimmt war, dass es ein „Du“ gibt. Wenn es also ein „Ich“ gibt, kann dieses „Ich“ wirksam werden. Das ist eine sehr spannende Entwicklung für das Kind. Denn gleich nach der Entdeckung des „Ichs“ kommt das „ich will“ und eben auch „ich will nicht, und ich will so oder so, und vor allem alleine“.

Das ist aus Kindersicht eine Revolution! Es kann etwas wollen und die Welt bewegen – das begeistert. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass das Feintuning zwischen körperliche Fähigkeiten, Gedanken und Gefühlen und der Umwelt noch ein wenig holprig daher kommt. Das passt alles noch nicht so zusammen. Der Kopf will, der Körper schafft das nicht oder umgekehrt. Das Kind will hier hin, die Mama oder der Papa woanders – und schon haben wir das Dilemma.

Neben dem „Ich“ taucht plötzlich eine riesige Wut über diese Diskrepanzen auf und die entlädt sich völlig unkontrolliert. Was braucht so ein kleiner Mensch in dieser Überforderung? Einen verlässlichen Partner, der weder das „ich will“ unterdrückt, noch die Wut abwertet, sondern der versteht, wie groß die Not und wie wichtig dieser Entwicklungsschritt ist.

Was geschieht mit uns, wenn uns jemand unser „ich will“ abtrainiert? Wir werden später Mühe haben, das was wir wollen auszudrücken. Wir werden uns vor unserer eigenen Wut fürchten, weil uns gespiegelt wurde, dass daran nichts richtig ist.

Ich bin überzeugt, dass jeder Vater einer 14-jährigen Tochter sehr beruhigt sein wird, wenn ihr ein „ich will nicht“ ganz selbstverständlich und kraftvoll über die Lippen geht. Wenn ein 21-jähriger mehr von ihr will als Händchen halten. Es ist also wichtig zu verstehen, dass in der Trotzphase, wichtige Lebensfähigkeiten entdeckt und geübt werden: Nämlich sich zu wagen, etwas zu wollen und das auch auszudrücken. Wie wohltuend sind Menschen, die wissen was sie wollen. Die das formulieren und sich dann begeistert an die Umsetzung machen.

Was ist Deine Aufgabe als Eltern?

Zu verstehen, zu begleiten, zu übersetzen und helfen, die Wut zu kultivieren. Zu lernen, dass diese Kraft per se nicht destruktiv ist. Im Gegenteil: Das ist die Kraft, die uns voranbringt, die uns motiviert unseren Weg zu gehen. Dazu benötigen wir auch ein gewisses Maß an Aggression.

Dir fällt das schwer auszuhalten?

Dann ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, Dir Deine eigene Wut einmal genauer anzuschauen.  Erforsche welche Bilder, Verknüpfungen, Vorurteile, Ängste in Dir angelegt sind. Und lerne Dich an diesem Punkt selber besser kennen. Bis dahin hat sich Dein kleines Rumpelstilzchen vielleicht auch wieder beruhigt und schon begeistert das nächste „ich will“ entdeckt.

Susanne neu

Susanne Sonnleitner ( 46) lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Vaihingen an der Enz. Sie ist Familienpflegerin, Mediatorin,  und arbeitet als Coach und zertifizierte Family-Lab Seminarleiterin.

Family-Lab eine Familienwerkstatt, die von dem dänischen Bestsellerautor und Familientherapeut Jesper Juul gegründet wurde. Familylab arbeitet mit ausgebildeten Spezialisten, die Seminare und Vorträge halten, mit dem Ziel die bestmögliche Chemie zwischen Kindern und Erwachsenen zu schaffen.  Dabei liegt der Fokus immer auf der Beziehung (statt der Erziehung).

 Susanne gibt regelmäßig für SCHWABEN-MOM Anregungen und Lösungen für den – nicht immer ganz einfachen Alltag – mit den Kindern.

 Susanne kann für Vorträge, Seminare und Coachings gerne angefragt und gebucht werden.

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Mehr Infos:

www.sonnleitner.eu

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Foto Porträt: privat