Unternehmerin Miriam aus Stuttgart: vom vertauschten Schnuller zur großen Geschäftsidee

Unternehmerin Miriam aus Stuttgart: vom vertauschten Schnuller zur großen Geschäftsidee

Miriam Eberhard-Yom gehört zu den Müttern bei denen man sich immer fragt: Wie machen die das eigentlich? Woher haben sie diese Energie für all die Aktivitäten neben dem Muttersein? Miriam ist zweifache Unternehmerin, Marketing-Professorin in Nürtingen und zweifache Mama. Die 44-jährige lebt mit ihren beiden Töchtern (zwei und fünf Jahre) und ihrem Mann in Stuttgart. Sie ist am Niederrhein geboren mit elterlichen Wurzeln aus Seoul, Südkorea. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Unternehmensberaterin. Vor fünf Jahren kam ihr eine weitere Geschäftsidee: In der Kinderbetreuung eines Fitness-Studios stellte sie plötzlich fest, dass die Schnuller unter den Kindern munter getauscht werden. Der Anfang einer neuen Unternehmung: Vor fünf Jahren gründete sie in Stuttgart das Unternehmen und den Onlineshop www.schnullireich.de – eine Plattform für personalisierte Schnuller und Baby-und Kindersachen. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie, wie sie ihr Business im Alltag organisiert, was sie am liebsten mit ihren Töchtern macht, wenn mal Feierabend ist und wie sie am besten auftanken kann.

SCHWABEN-MOM: Wie bist Du auf die Idee gekommen, www.schnullireich.de zu gründen?

Miriam: Es war tatsächlich so, wie es bei uns auf der Webseite steht: Nach der Geburt meiner ersten Tochter Carla 2009, habe ich angefangen wieder Sport im Fitness-Studio zu machen (man muss ja irgendwie wieder in Form kommen) und habe dort Carla in die Kinderbetreuung gegeben. Als ich wieder kam, hatte Carla zwar einen Schnuller im Mund, aber leider nicht ihren eigenen. Das fand ich ziemlich eklig. Der erste Gedanke war, dass ich den Schnuller hätte beschriften müssen. Aber womit? Mit Edding? Nein, der wird ausgekocht und dann habe ich den Edding ja am Nuckel. Also ging ich nach Hause und fing an, im Internet zu recherchieren. Es gab damals ein Unternehmen, das Schnuller mit graviertem Namen anbot, aber das kam aus dem Ausland. Die Webseite war auch nicht besonders ansprechend. Tja, und dann kam mir der Gedanke, so etwas in Deutschland anzubieten.

SCHWABEN-MOM: Erzähl uns, was Du alles anbietest und wie sich Deine erfolgreiche Firma in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat.

Miriam: Wir bieten mittlerweile eine ganze Palette von personalisierten Babyartikeln an. Angefangen haben wir nur mit Namensschnuller. Es sind dann sehr schnell Schnullerketten mit Namen und individualisierte Krabbelschuhe dazu gekommen, sowie Babygeschenke mit Namen. Seit vergangenem Jahr bieten wir auch Babykleidung mit Wunschmotiv und Namen sowie Kindergeschenke (für Kinder ab drei Jahren) an. Gestartet habe ich das Unternehmen von zu Hause aus (unser Gartenzimmer war das Schnuller-Lager). Mittlerweile brauchen meine zehn Mitarbeiterinnen (wir sind ein reiner Frauenbetrieb) über 250 Quadratmeter Bürofläche, um die Bestellungen zu bearbeiten, Kundenanfragen zu beantworten und die Babyprodukte zu personalisieren und zu verpacken.

schnullireich

Über www.schnullireich.de kann man in Miriams Online-Shop personalisierte Schnuller bestellen.

SCHWABEN-MOM: Du bist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Markting-Professorin. Hast Du neben „Schnullireich“ noch weitere Jobs?

Miriam: Ja, ich komme ursprünglich aus der Beratungsbranche und habe fast ein Jahrzehnt lang große Unternehmen dabei beraten, wie sie ihre Online-Shops nutzungsfreundlicher gestalten können. Das Unternehmen eResult, das ich vor 15 Jahren mit gegründet habe, ist mittlerweile „erwachsen“ geworden und betreut an sechs Standorten mit über 40 Mitarbeiter Großunternehmen. Darüber hinaus bin ich eigentlich Marketing-Professorin. Derzeit habe ich eine Stiftungsprofessur für Online-Marketing an der HFWU Nürtigen und bringe Studierende im Hauptstudium die Grundlagen des Online-Marketings bei.

SCHWABEN-MOM: Viele Mütter träumen von einem eigenen Business. Was rätst Du diesen Müttern? Einfach machen?

Miriam: Nein, nicht einfach machen. Sondern sich selbst fragen, ob man wirklich das Zeug zur „Unternehmerin“ hat: Bin ich bereit, hart (auch am Wochenende) für mein Business zu arbeiten? Kann ich es mir finanziell und emotional leisten die ersten ein bis zwei schweren Jahre durchzuhalten? Wer kann mir mit den Kindern und dem Haushalt helfen (Oma, Freundin)? Wie steht mein Mann oder  Partner zu meiner Idee? Ist er bereit mich voll (auch hier emotional und finanziell) zu unterstützen?
Nur wenn Du auf alle diese Fragen eine gute Antwort hast und natürlich eine gute Geschäftsidee hast, solltest Du starten.

SCHWABEN-MOM: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Dir aus? Wie viel Stunden arbeitest Du im Schnitt täglich?

Miriam: Ich stehe um sechs Uhr auf, kümmer mich um die beiden Girls und bringe sie in den Kindergarten. Gegen halb neun sitze ich in der Regel am Schreibtisch. Ich habe keinen nine-to-five-Job. Es gibt lange Bürotage, an denen meine Kinderfrau die Kinder vom Kindi abholt, dann bin ich auch gerne mal bis 19 Uhr im Büro. Es gibt aber auch kurze Tage, an denen ich beispielsweise mit meiner Großen zur Musikschule fahre oder ich einfach auch mal eher Schluß mache. Das ist das Schöne wenn man sein eigener Chef ist – das selbstbestimmte Arbeiten. Leider bin ich aber auch öfter auf Geschäftsreise (dann geht es morgens früh mit dem Flieger sehr früh los und ich komme erst Heim, wenn die Kinder schon schlafen. Im Semester bin ich dann noch einmal in der Woche in Nürtingen und halte Vorlesungen. Die Tage sind also recht voll.

SCHWABEN-MOM: Wie organisierst Du Deine Arbeit mit Deinem Familienleben?

Miriam: Mit viel Hilfe. Ohne das würde es nicht gehen. Ich habe eine Kinderfrau, die an bestimmten Tagen die Kinder abholt und gerade die Große zu Ballett und Klavierunterricht fährt. Die Haushaltshilfe kümmert sich um die Wäscheberge und macht sauber. Ich bin dann noch fürs Kochen zuständig. Mein Mann und ich teilen uns den wöchentlichen Großeinkauf. Aufräumen ist dann Familienarbeit: auch die Kleinen müssen ihren Kram wegräumen und ihr Kinderzimmer in Schuss halten. Letzteres klappt mehr oder minder gut … Und wenn mal ein Kind krank ist oder es gar nicht geht, spring natürlich auch die liebe Oma ein.

SCHWABEN-MOM: Und wie relaxt Du, wenn mal Zeit nur für Dich ist? Was ist Dein Rezept?

Miriam: Sport – Yoga für die Seele, Deep Work zum Auspowern. Das Wochenende ist mittlerweile heilig: no work und der Laptop bleibt in der Firma. Das war in der Aufbauphase des Geschäfts natürlich anders. Aber der Kopf macht dann doch häufig weiter und ich habe dann montags Morgen oft ein oder zwei Ideen parat, wie man bei Schnullireich etwas lösen kann oder besser machen kann. Das kann man einfach nicht abschalten.

SCHWABEN-MOM: Was ist Dein persönlicher Lieblingsplatz in Stuttgart & Region?

Miriam: Unser Garten mit unserer herrlichen Sonnenterrasse. Ich genieße dann einfach die Zeit mit den Kindern zu Hause und wir machen ein Picknick im Garten oder andere vollkommen unspektakuläre Sachen.

SCHWABEN-MOM: Und was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Miriam: Zu sehen, wie die Mädchen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln. In die kleinen Gesichtchen zu schauen, wenn sie schlafen. Mit ihnen gemeinsam zu lachen, wenn sie etwas Lustiges machen oder sagen. Das Gefühl zu haben, jemanden so unendlich und bedingungslos zu lieben, wie man nur als Mutter seine Kinder lieben kann. Das hört sich jetzt sehr pathetisch an, ist aber genau so.

Weitere Infos:

www.schnullireich.de

Titelfoto: privat

Foto Kind: © brand.ding / www.schnullireich.de