Innenarchitektin Jeanette: „Alltag, Office und Familienleben sind nicht getrennt – für mich aber perfekt“

Innenarchitektin Jeanette: „Alltag, Office und Familienleben sind nicht getrennt – für mich aber perfekt“

Jeanette Neidhardt-Rosenberger ist Innenarchitektin, Interior Designerin und Feng Shui Beraterin. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie ein Archtitekurbüro in Stuttgart-Uhlbach. Ihr Job ist sehr vielseitig: Sie berät Kunden beim Umbau, bei der Inneneinrichtung und macht Küchen- und Badplanungen, Lichtplanungen und Farbgestaltungen. Die 48-jährige ist in dem wunderschönen Weindorf Stuttgart-Uhlbach groß geworden und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (15 und 17 Jahre) hier. Neben ihrem Job bloggt sie regelmäßig auf Raumgeschichten über ihre Projekte, schöne Möbel und Inneneinrichtungen. Vor einigen Wochen hat sie SCHWABEN-MOM verraten, was das Geheimnis eines schönen Kinderzimmers ist (Beitrag hier). Im SCHWABEN-MOM-Interview verrät sie uns, wie Wohnen und Arbeiten unter einem Dach funktionieren, was einen schönen Raum ausmacht und wie sie am besten entspannen kann.

SCHWABEN-MOM: Du bist Innenarchitektin, Interior Designerin und Feng Shui Beraterin. Erzähl uns von Deiner Arbeit! Wie können wir uns Deinen Job vorstellen?

Jeanette: Als Innenarchitektin brauche ich ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und auch Einfühlungsvermögen. Kunden die zu mir kommen sind oftmals unsicher, wie sie ihre Wohnung einrichten sollen. Hier entwickle ich mit ihnen zusammen einen Einrichtungsplan, wo was am besten steht und welche Größe das Sofa oder der Tisch haben soll, welche Farben und Materialien am besten passen. Darüber hinaus empfehle ich auch, wo man was kaufen kann und was zum Budget passt.

Aber auch komplexere Umbauaufgaben werden von mir bearbeitet, wie der komplette Umbau einer Wohnung oder eines Hauses. Hier muss auch grundsätzlich über die Raumaufteilung nachgedacht werden, ob es sich lohnt Wände herauszureißen oder gar anzubauen. Das ist oft ein Thema für Familien, die sich ein altes Haus kaufen und dann überlegen wie es für die ganze Familie passend umgebaut werden kann. Solche Umbaukonzepte erstelle ich mit meinen Kunden. Das muss dann ganz persönlich auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden und es ist sehr spannend, was gemeinsam entwickelt wird. Mein Wissen als Feng Shui Beraterin fließt auch in alle Entwürfe mit ein – von der individuellen Küchen- und Badplanung, Lichtplanung, Farbgestaltung bis zur Farbe des Teppichbodens und der Vorhänge.

Wenn der Entwurf dann steht, wird auch die Umsetzung von mir geplant. Es ist auch meine Aufgabe alle Kosten der verschiedenen Handwerker anzufragen, auszuwerten, die Umbauarbeiten zu koordinieren und zu kontrollieren, so dass am Ende auch das herauskommt, was gewünscht ist – im vorher abgesteckten Budgetrahmen. Neben dem privaten Wohnen werden auch Arztpraxen und Läden geplant – hier geht es mehr um die Raumwirkung auf Kunden und Patienten, im Wohnbereich geht es mehr um die persönlichen Bedürfnisse.

In manchen Zeiten sitze ich mehr am Computer und zeichne, schreibe und rechne. Wenn dann die Bauphase beginnt bin ich viel vor Ort und es ist wunderbar zu sehen, wie Entwürfe Wirklichkeit werden und die Bauherren sich von Tag zu Tag mehr freuen, dass hier ein schönes Zuhause entsteht. Das ist für mich nach wie vor ein wunderbarer Moment und mit das Schönste an meinem Beruf!

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SCHWABEN-MOM: Du hast mit Deinem Mann gemeinsam ein Architekturbüro in Stuttgart. Das bedeutet, Ihr arbeitet und lebt den ganzen Tag zusammen unter einem Dach. Wie funktioniert das?

Jeanette: Das funktioniert bei uns sehr gut und das schon seit mehr als 22 Jahren, wie ich gerade nachgerechnet habe. Wir hatten uns damals in der Ausbildung kennen gelernt und hier schon von einem gemeinsamen Büro geträumt in dem wir von der Architektur bis zur Innenarchitektur alles komplett für unsere Kunden anbieten. Ich empfinde es als sehr positiv, dass wir beide vom gleichen Fach sind, so kann man sich doch immer gut austauschen und über Entwürfe und Ideen diskutieren und so gemeinsam zu guten Lösungen kommen. Und diese fachliche Ergänzung ist perfekt und wird von unseren Bauherren auch immer positiv aufgenommen.

Natürlich spricht man auch öfter mal beim Essen von der Arbeit, das lässt sich nicht vermeiden – unsere Kinder haben sich aber auch noch nicht darüber beschwert. In der Freizeit sucht sich dann jeder so seinen Bereich, bei dem er gut abschalten kann und auch mal für sich sein kann. Ich gehe dann gerne Laufen oder in meinen Garten. Das ist sicher bei anderen Paaren anders, die sich nur abends und am Wochenende sehen.

SCHWABEN-MOM: Du bist Mama von zwei Kindern. Wie trennt man im Alltag Home-Office und Familienleben?

Jeanette: Seit fünf Jahren wohnen und arbeiten wir jetzt unter einem Dach, was für mich eine große Erleichterung bedeutet. Unsere Kinder sind inzwischen so groß, dass sie mich nicht mehr ständig um sich haben müssen, es aber doch gut ist, dass ich in der Nähe bin. Wobei mein Alltag schon sehr organisiert ist. Morgens, nachdem die Kinder in die Schule gegangen sind, mache ich noch meine „Haushaltsrunde“ in der Wohnung und ab spätestens 8.30 Uhr bin ich am Schreibtisch bis 13 Uhr. In dieser Zeit wird konzentriert gearbeitet. Die Nachmittage organisiere ich meine Arbeit um die verschiedenen Taxidienste für die Kinder herum. Da wechsel ich mich aber auch immer mit meinem Mann ab. Natürlich habe ich auch manchmal Abendtermine, aber da in der Regel immer jemand von uns da ist, läuft das prima. Ich genieße es sehr, so zu arbeiten. Man ist zwar nie wirklich fertig (manchmal sitzt man auch am Wochenende am Schreibtisch), aber man bekommt auch viel von seinen Kindern mit. Zusammengefasst kann man sagen: Alltag, Office und Familienleben sind nicht wirklich getrennt – für mich aber perfekt.

SCHWABEN-MOM: Seit kurzer Zeit betreibst Du den Blog Raumgeschichten. Welche Geschichten erzählst Du?

Jeanette: Wie der Name Raumgeschichten schon sagt, geht es um Räume und ihre Bewohner und ihre Geschichten dazu. Was machen Räume mit uns und wie wirken Räume auf uns? Jeder hat das sicher schon mal erlebt, dass er sich in Räumen total wohl aber auch unwohl fühlt. Warum das so ist, das möchte ich gerne erklären.

Auch warum manche Räume für die Bewohner so sind wie sie sind – das möchte ich erzählen. Es gibt beim Einrichten eigentlich kein Richtig und Falsch – nur ein passend und unpassend. Ich möchte auf dem Blog meine Erfahrungen und Einrichtungstipps gerne weitergeben, sodass jeder für sich Anregungen bekommt, wie er sein Büro oder seine Wohnung besser einrichten kann und worauf er achten muss. Auch konkrete Planungstipps für Umbauten wird es immer mal wieder geben und natürlich auch verschiedene Vorher-Nachher-Geschichten. Natürlich freue ich mich auch über Fragen, die ich gerne beantworte.

SCHWABEN-MOM: Was macht für Dich einen schönen Raum aus?

Jeanette: Ein schöner Raum ist, wenn sich die Bewohner ganz darin wohlfühlen, wenn er einfach zu ihnen passt, wenn man den Raum betritt und das Gefühl hat: Ja hier bin ich richtig! Das kann das puristische Wohnzimmer sein und auch das französische Landhaus. Wichtig ist natürlich, dass eine gewisse Ordnung vorhanden ist, Licht und harmonische Farben und Materialien gehören dazu und persönliche Dinge mit denen Positives verbunden wird.

SCHWABEN-MOM: Du bist gebürtige Stuttgarterin. Was ist Dein Lieblingsplatz in Stuttgart?

Jeanette: Ich bin immer wieder gerne an der Grabkapelle auf dem Württemberg, das ist für mich ein wunderschöner Platz und zwar zu jeder Jahreszeit.

SCHWABEN-MOM: Du hast einen Tag frei und verbringst ihn mit Deiner Familie hier in Stuttgart & Region. Was macht Ihr?

Jeanette: Wenn wir Zeit haben, dann gehen wir gerne nach Stuttgart, meist samstags und dann steht der Flohmarkt auf dem Karlsplatz, sowie ein Besuch in der Markthalle auf dem Programm und natürlich einen Kaffee trinken – am liebsten in der Sonne sitzend!

SCHWABEN-MOM: Was ist Dein persönlicher Relax-Tipp?

Jeanette: Sonne – Garten – und ein gutes Buch, alternativ das Mineralbad in Bad Cannstatt – immer wieder sehr zu empfehlen!

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mama sein?

Jeanette: Mitzubekommen wie meine Kinder erwachsen und eigene Persönlichkeiten werden

Weitere Infos:

www.rosenberger-neidhardt.de
www.raumgeschichten.wordpress.com

Foto: privat