Bio-Bäuerin Anna: „Einfach in die Luft schauen und runterkommen“

Bio-Bäuerin Anna: „Einfach in die Luft schauen und runterkommen“

Als Working-Mom findet man seinen Alltag zwischen Familie und Arbeit doch manchmal ganz schön anstrengend. Als SCHWABEN-MOM-Bloggerin Tanja aber mit ihrer Familie vor ein paar Tagen im Allgäu war, sah sie das plötzlich mit etwas anderen Augen. Gerade mal 200 Kilometer von Stuttgart entfernt in der Nähe von Füssen in einem kleinen Dorf namens Moosreiten traf sie auf Anna-Maria. Anna ist eine junge Bio-Bäuerin. Tanja war so angetan von Annas Ausstrahlung und ihrer Power, dass sie sie gleich für eine kleine Karriere-Geschichte überzeugen konnte – auch wenn sie keine Schwäbin ist.

Anna-Maria vor Hof

Was Anna täglich leistet ist für uns Stadtmamas kaum vorstellbar: Um vier Uhr morgens steht die 28-jährige auf, um die Kühe zu melken. Anna betreibt mit ihrem Mann und ihren Schwiegereltern einen Bioheumilch-Hof in Moosreiten im Allgäu. Dreißig Kühe müssen täglich zwei Mal gemolken werden. Anna kennt jede Kuh und weiß genau, welche Kuh wie viel Milch bringt. Anna hat drei kleine Kinder (drei, fünf und sieben Jahre), die den ganzen Tag auf dem Hof mit den befreundeten Kindern vom Nachbarhof herumstreunern und in einer echten Idylle und Freiheit aufwachsen. „Meine Kinder kommen erst mit vier Jahren in den Kindergarten. Die Zeit ist viel zu kurz und zu kostbar, sie schon so früh abzugeben“, erzählt Anna. Und das nimmt man ihr sofort ab, wenn man sie mit ihren Kindern erlebt. Anna hat eine ganz besonders fröhliche und offene Ausstrahlung. Ganz herzlich empfängt sie Tanja und ihre Familie, zeigt ihren beiden Söhnen wie man die Kühe melkt und wie die kleinen Kälber mit der frischen Milch gefüttert werden. Aber es ist noch mehr zu tun auf dem Hof: Das Heu muss verarbeitet, die Kühe hinausgetrieben werden. Ein Fulltime-Job. „Dabei ist mein Schwiegervater eine große Unterstützung“, verrät Anna.

Kälbchen

Eigentlich ist Anna Krankenschwester. Sie hat eine Zeit in Afrika im Krankenhaus gearbeitet. Doch dann hat sie einen Bauern aus dem Nachbardorf geheiratet und das Fach gewechselt. Der Job macht ihr große Freude, das spürt man. Vor rund drei Jahren haben sie ihren Hof auf Bio umgestellt. Alles wird nach strikten Regeln und Gesetzen kontrolliert. Das war viel Arbeit und kostet Geld. An fünf Tagen im Monat kehrt Anna aber in ihren alten Beruf zurück und kümmert sich um pflegebedürftige Menschen im Altenheim. „Das ist ganz wichtig für mich. Zwischendurch brauche ich einfach die soziale Arbeit und den Kontakt. Sonst fehlt mir etwas“, berichtet Anna.

Wie Anna zwischen Kindern, Hof und Altenheim abschaltet? „Die Kinder gehen um sieben Uhr ins Bett und um acht schlafen alle. Dann setze ich mich eine halbe Stunde auf den Balkon und schaue einfach in die Luft. Da komme ich runter und schließe mit dem Tag ab. Ich gehe auch gerne in die Berge, da kann ich sehr gut entspannen“, erzählt Anna. Einmal im Monat trifft sie sich mit ihren Freundinnen beim Kegeln und zu einem Glas Wein im nächsten Ort.

Das Schönste für sie am Mamasein? „Wenn wir abends alle zusammen im Bett liegen, eine Gute Nacht-Geschichte lesen und dann die Kinder alle friedlich einschlafen. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Da weiß man dann, dass man vieles richtig macht.“

Einige Tage später traf SCHWABEN-MOM-Bloggerin Tanja Anna noch einmal mitten in den Bergen – alleine mit ihren drei Kindern. Sie hatte einen Tag Urlaub und übernachtete mit ihren Kindern auf einer Berghütte. Ihr Sohn streikte bei der Wanderung, aber Anna ermunterte ihn, geduldig weiterzulaufen. Vielleicht ist es die gesunde Bergluft, oder diese Freiheit, oder diese schöne ursprüngliche Arbeit, die Anna so gelassen macht. Vielleicht ist es aber auch nur ihre ganz eigene Art.