Gastkolumne: So relaxing ist Postnatal-Yoga mit einem schreienden Säugling

Gastkolumne: So relaxing ist Postnatal-Yoga mit einem schreienden Säugling

Unsere Gastkolumnistin Aurora ist Mama von einer 14 Wochen alten Tochter, die es vor allem liebt, den ganzen Tag getragen zu werden. Was für die Kleine wunderbar ist, ist für ihre Mama manchmal ganz schön anstrengend. Die 36-jährige Juristin aus Ludwigsburg hat uns in ihrer Kolumne wunderbar geschildert, wie sie versucht hat beim Postnatal-Yoga für eine kleine Weile zu entspannen und wie frustrierend es sein kann, wenn das bei allen anderen klappt nur nicht bei sich selbst.

„Ein Säugling ist ein Tragling und kein Ablegling“. Ich hatte diesen Satz unseres lieben Kinderarztes noch im Ohr, als ich mich morgens motiviert und bei bestem Wetter mit meiner 13 Wochen alten Tochter in der Baby-Trage auf den Weg zum sogenannten „Postnatal-Yoga“ machte. Obwohl man laut Yogastudio den Kurs mit seinem Baby bereits sechs bis acht Wochen nach der Entbindung besuchen kann (welches Baby macht das mit?), hatte ich den ersten Besuch noch einige Wochen hinausgezögert, weil vorher nicht ansatzweise daran zu denken gewesen wäre, meine Maus in fremden Räumlichkeiten auf eine Decke auf den Boden zu legen, während Mama daneben den herabschauenden Hund und andere beckenbodenstärkende Asanas turnt.

Aber heute würde es bestimmt klappen, dachte ich mir. Nicht ohne Betüdeln und Stillen zwischendurch, klar, aber es würde sicher funktionieren. Andere Mamas machen das ja auch, sogar mit viel jüngeren Babys. Auch wenn unser Kinderarzt meint, solche pflegeleichten, ohne Körperkontakt auskommenden Säuglinge seien biologisch gesehen gerade nicht der Normalfall.

Was soll ich sagen: Schön wäre es gewesen … Meine Kleine schien zwar zuerst interessiert zu sein und lag anfänglich ganz ruhig auf ihrem Deckchen neben mir, mit ihrem Spielzeug und ihrem Tüchlein. Wie die anderen völlig entspannten Säuglinge im Raum. Doch schon bei der ersten Übung – blöderweise eine Übung im Stehen – schlug ihre Laune um, offenbar weil ich ihr in dieser aufrechten Position zu weit weg war. Also tröstete ich sie und setzte die Übung aus. Genauso wie nach den vier weiteren Versuchen, sie wieder auf ihrer Decke abzulegen. Insgesamt habe ich dabei eine halbe Yogaübung geschafft. Während ich mich abmühte, meine Tochter zu beruhigen und zu bespaßen, relaxten die anderen Muttis beim Yoga, und deren Babys fühlten sich offenbar gut dabei, ihnen zuzuschauen.

Schnell war klar, dass meine Maus und ich die entspannte Atmosphäre störten. Auch wenn die Kursleiterin mich ständig verständnisvoll dreinblickend anlächelte – yogische Menschenliebe eben. Nach rund 20 Minuten habe ich schließlich die Reißleine gezogen, alles zusammengepackt und bin mit der Kleinen auf dem Arm – dort fühlte sie sich ja wohl – wieder nach Hause gegangen. Adieu stabiler Beckenboden!

Unweigerlich fühlte ich mich als Versagerin. Völlig egal, was der Kinderarzt gesagt hatte. Unterm Strich hatte ich es schließlich nicht hingekriegt, dass mein Baby so ruhig meine Turnübungen verfolgt wie die anderen Säuglinge. Leistungsdruck im Yoga sozusagen – auch wenn es das ja per definitionem eigentlich gar nicht geben dürfte. Ich versuchte mir einzureden, dass es sicher ganz viele andere Mütter in meiner Lage gibt und diese Mütter natürlich alle nicht mit ihren Babys zum Yoga gehen – aber so richtig glaubte ich mir das selbst nicht.

Bevor mich die Enttäuschung zu Hause noch mehr herunterziehen konnte, entschied ich mich für eine hoffentlich entspanntere Spazierrunde durch die Stadt mit dem Kinderwagen. Auf den ersten Metern – mein Schatz war glücklicherweise gerade im Wagen eingeschlafen! – erinnerte ich mich daran, dass in der City eine Kunstinstallation aufgebaut worden war, ein sogenanntes „Raumprojekt“. Wenn ich mangels Rückbildungsgymnastik schon fett und womöglich inkontinent enden würde, dann immerhin kulturell gebildet, dachte ich bei mir und zog mit wieder etwas besserer Laune los.

Dort angekommen musste ich allerdings enttäuscht feststellen, dass ich mit dem Kinderwagen nicht einmal durch die winzige Drehtür des tollen Raumprojekts passen würde. Der junge Mann vor dem Eingang, der Passanten nett fragte, ob sie denn gerne mal eintreten wollten, hat mich dementsprechend zwar gemustert, aber auch gleich davon abgesehen, mich anzusprechen. Das hat mich richtig wütend gemacht. Muttis brauchen wohl in den Augen dieser Künstler keine Kultur (und nebenbei: Rollstuhlfahrer wohl auch nicht, die hätten nämlich auch niemals durch die Drehtür gepasst)! Kurz zog ich in Erwägung, dem Typen die Meinung zu geigen. Da dies aber auch nicht dazu geführt hätte, dass ich mit meinem megateuren Kinderwagen durch die Tür gekommen wäre, habe ich es schlussendlich gelassen und bin mit der zweiten Frustration dieses sonnigen Tages einfach weitergefahren.

Ein paar Straßen weiter – ich war gerade wieder etwas runtergekommen – wurde ich zu allem Übel noch von einem Kerl angesprochen, ob ich bei einem Gewinnspiel mitmachen wolle. Zu gewinnen gebe es: Tataaa! Einen Mini Cooper! Auf meinen wahrscheinlich völlig entgeisterten Blick hin fiel ihm schließlich der Kinderwagen auf und er fügte stammelnd hinzu: „Sie … äh … können sich den Gewinn auch auszahlen lassen … 28.000 Euro.“

Kurz fragte ich mich, ob andere Mütter eigentlich auch manchmal so frustriert sind wie ich heute. Dann wurde mir schlagartig klar, dass ich die schon am Morgen erhoffte Entspannung jedenfalls an diesem Tag wohl nur zu Hause finden würde. Mit einem kurzen „Nein, danke“ ging es also ab nach Hause, wo schließlich eine ganz einfache Tasse Tee meinen Tag rettete.

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