Kinderband Deine Freunde im Interview: „Kindern fehlt manchmal die gute, alte Langeweile“

Kinderband Deine Freunde im Interview: „Kindern fehlt manchmal die gute, alte Langeweile“

Wir haben ein Interview mit unserer absoluten Lieblingskinderband Deine Freunde geführt und freuen uns! SCHWABEN-MOM hat bereits über die Band berichtet. Deine Freunde bezeichnet sich selbst als coolste Kinderband der Welt und unsere Kinder würden das sofort unterschreiben. Das Hamburger Hip-Hop-Trio tourt ab Januar 2016 durch Deutschland mit seinem neuen Album „Kindsköpfe“. Der Start der Tour ist am 8. Januar 2016 im Wizemann in Stuttgart. Und: Es gibt noch Karten für das Konzert!

Die drei ewigen Jungs Flo, Lukas und Pauli rappen über die ganz großen Themen im Leben unserer Kinder: über Mut, Freundschaft, groß werden, Angst, liebe und gemeine Eltern, Schokolade und Hausaufgaben. Mit großer Empathie für die Kinder singen sie den Kindern aus dem Herzen und halten uns Eltern den Spiegel vor die Nase. Großartige, orginelle Texte zum Mitsingen und zum gemeinsamem Hören und Tanzen.

Die drei Jungs sind Profis auf ihrem Gebiet: Markus Pauli ist Live-DJ von Fettes Brot, Lukas Nimscheck produziert Songs für Künstler und war bis 2014 Moderator beim Tigerentenclub und Florian Sump ist der ehemalige Schlagzeuger der Band „Echt“ und arbeitet als Erzieher in einem Hamburger Kindergarten.

Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählen uns die drei, wie sie auf ihre Texte kommen, was das Tollste an Kindern ist und wie es ist, plötzlich selber Vater zu werden – so wie Flo vor einigen Wochen.

SCHWABEN-MOM: Eure Liedertexte treffen genau den „Kindernerv“, aber sind auch ein ganz ehrlicher Spiegel für uns Mütter und Väter. Wo findet Ihr diese Themen?

Deine Freunde: Zum allergrößten Teil finden wir unsere Themen in unserer eigenen Kindheit. Die ist bei uns allen noch immer sehr präsent und gut „abrufbar“… Sich in den Kosmos der Kinder zu versetzen, ist für uns eher ein kleiner Schritt als ein Quantensprung. Das funktioniert bei uns ganz spielerisch und unverkopft, mittlerweile ja auch schon seit drei Alben. Und was die Themen angeht: Bis jetzt ist kein Ende in Sicht, da geht noch was!

SCHWABEN-MOM: Woher kommt diese große Empathie für die Kinder? Habt Ihr Euch das Kind in Euch bewahrt, oder seid Ihr einfach gute Beobachter?

Deine Freunde: Gut zu beobachten ist bestimmt eins unserer wichtigsten Werkzeuge. Einmal bei sich selber, aber natürlich auch bei den anderen. Flo muss das in der Kita ja sowieso die ganze Zeit tun … beobachten, einordnen, reflektieren. Das gehört einfach dazu, wenn man mit Kindern arbeitet und seinen Job ernst nimmt. Die Empathie für die Kinder ist letztendlich aber auch der Tatsache geschuldet, dass wir kindliches Benehmen sehr befreit, sympathisch und erfrischend empfinden. Da ist noch nicht viel los mit Eitelkeit, Egogehabe und all den anderen Sachen, die dann später dazu kommen. Einfach geradeheraus zu sein wer man ist, ohne Taktik oder Hintergedanken … Das muss man doch feiern!

SCHWABEN-MOM: Flo, Du bist gerade Vater geworden (herzlichen Glückwunsch!). Wie fühlt sich das an, plötzlich selber in der Elternrolle zu stecken?

Flo: Man macht sich ja vorher so seine Gedanken und wie es sich wohl anfühlt … aber es steht in keinem Verhältnis zu dem, wie es dann wirklich ist. Am krassesten finde ich das Gefühl, selber nochmal neu geboren zu werden und dabei zuzugucken, wie die fleißig aufgebauten Mauern in einem selbst, eine nach der anderen wegbrechen und sich alles verändert.

Deine Freunde 2

SCHWABEN-MOM: Was macht Ihr in Eurer Arbeit mit Kindern für Erfahrungen? In was für einer Welt wachsen unsere Kinder auf? Was fehlt Ihnen? Was haben sie und was brauchen sie?

Deine Freunde: Dadurch, dass wir den Kindern größtenteils in einer Ausnahmesituation also unseren Konzerten begegnen, können wir die Frage gar nicht so genau beantworten. Wir sind auch, obwohl wir eine Band für Kinder sind, nicht plötzlich zu allwissenden Experten geworden in Kinderfragen. Unsere Mission lautet ja, den Kindern eine Auszeit zum anstrengenden Alltag zu geben. Daher befassen wir uns auch gar nicht so viel mit der „anderen Seite“. Wir wollen die Kinder auf jeden Fall immer auf die sonnige Seite holen … ganz simpel. Was ihnen heute vielleicht fehlt und was wir damals hatten (und mit Sicherheit unsere Kreativität beflügelt hat) ist die gute alte Langeweile. 🙂 Ansonsten glauben wir, dass die Welt schon immer wunderschön und gleichzeitig abgefuckt war. Kommt halt drauf an wohin man guckt und wofür man sich selber entscheidet.

SCHWABEN-MOM: Aus all Euren Liedern und Beobachtungen résummiert: Sind wir Eltern manchmal zu unlocker, zu große Spielverderber, zu ehrgeizig?

Deine Freunde: Jeder Mensch macht Fehler, da kann sich niemand rausnehmen. Wenn Eltern mit ihren Kindern zu ehrgeizig sind und möglichst schnell funktionierende Roboter aus ihnen machen wollen, finden wir das schon ein bisschen eklig. Generell haben wir aber mit solchen Menschen kaum Kontakt oder Berührungspunkte. Was wir in unseren Liedern gerne machen ist, vermeintliche Schwächen zu nehmen und ihnen mit Humor zu begegnen. Dadurch wird alles so schön entzerrt und ist auch plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

SCHWABEN-MOM: Was können wir besser machen?

Deine Freunde: Wer wären wir, das zu sagen? Aber allgemein könnte man vielleicht sagen: Hört auf, alles perfekt machen zu wollen. Gut genug reicht auch.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Euch das Tollste an Kindern?

Deine Freunde: Dass sie das Herz auf der Zunge tragen und man dadurch immer weiß, woran man ist.
Und noch ungefähr 1.000 000 andere Dinge …

SCHWABEN-MOM: Wovon soll Euer nächster Liedertext handeln?

Deine Freunde: Das wissen wir vorher nie. Es steht aber fest, dass wir keine Probleme haben, neue Themen zu finden. Die größere Herausforderung liegt darin, sich für eines zu entscheiden. Es gibt einfach noch so viel zu erzählen.

Der neue Song Schatz aus dem neuen Album Kindsköpfe. Kennt Ihr das?

Video: © Universal Music Family Entertainment

Weitere Infos und Tourdaten:

www.deinefreunde.info

Fotos: © Michi Schunck