Die Landfrau – Stuttgarter Unternehmerin, Bloggerin und Mama: „Essen ist das Schönste!“

Die Landfrau – Stuttgarter Unternehmerin, Bloggerin und Mama: „Essen ist das Schönste!“

Eigentlich fing Birgit Neußer mit dem Einkochen von Lebensmitteln nur an, weil ihre 16-jährige Tochter Marie eine Lebensmittelunverträglichkeit hat. Mittlerweile ist aus dieser Not ihre eigene, erfolgreiche Manufaktur unter ihrem Label „Die Landfrau“ entstanden. „Schon meine Großmutter hatte immer eingekocht, das habe ich von ihr mitgenommen“, erzählt die 47-jährige im SCHWABEN-MOM-Interview. Für die ausgebildete Gastronomin ist Essen das Schönste. Bevor sie ihr eigenes Business im Stuttgarter Norden auf dem Killesberg mit Manufaktur, ihrem eigenen Foodblog „Die Landfrau„, Business-Catering und Einmach- und Kochkursen startete, arbeitete die gelernte Hotelfachfrau und Pâtisseuse in der gehobenen Gastronomie im Schwarzwald und im fünf-Sterne Steigenberger Frankfurter Hof, später als Marketingleiterin in einer Agentur. Sie ist also ein absoluter Profi in ihrem Business.

Parallel baute sie sich in den vergangenen fünf Jahren die Manufaktur auf und begann zu bloggen. Mittlerweile kann die gebürtige Schwäbin von ihrem Unternehmen leben. Vor einigen Monaten erschien ihr erstes Buch im Silberburg Verlag. In „Handgemachtes Glück“ stellt Birgit kulinarische Köstlichkeiten für jede Jahreszeit vor, inspirierende Deko-Träume und kreative Geschenke. Gerne arbeitet sie mit ihrer Tochter zusammen in der Küche. Für ein Stuttgarter Integrationsprojekt engagiert sie sich auch für Flüchtlingskinder – kocht mit ihnen gemeinsam und erklärt ihnen die deutsche Küche – und deutschen Kindern die Küche aus anderen Ländern.

Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt Birgit von ihrem Arbeitsalltag und ihrem Business und warum Essen für sie das Schönste ist.

SCHWABEN-MOM: Du kommst aus der Gastronomie-Branche und hast vor fünf Jahren angefangen zu bloggen. Wie kamst Du auf die Idee?

Birgit: Da meine Familie in Neuseeland lebt und meine Großmutter nicht mehr als Hüterin der Familienrezepte dienen konnte, wollte ich diese Rezepte „sichern“, also niederschreiben. Außerdem wäre es viel zu schade, all meine Reisen und Ideen für mich zu behalten. Ich liebe es, wenn ich Menschen inspirieren kann, wenn sie etwas nachkochen oder anhand meiner Anleitungen basteln.

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SCHWABEN-MOM: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Birgit: Erst mal sehr voll. Momentan renoviere ich eine neue Bleibe. Künftig soll die Produktionsstätte für meine Landfrau-Produkte und die Kochschule an einem Ort vereint werden. Darauf freue ich mich sehr. Ansonsten koche ich ein, beklebe die Produkte, kümmere mich um die Vermarktung der Produkte und wenn dann noch Zeit bleibt, dann poste ich auf meinem Foodblog. Die Prioritäten haben sich verlagert, aber es gibt ja zum Glück genug Rezepte und DIY-Anleitungen, dass man lange genug darin schmökern kann.

SCHWABEN-MOM: Blog, Buchprojekt, eigene Manufaktur, Workshops … Wie erklärst Du Deinen Erfolg mit Landfrau?

Birgit: Es ist inzwischen eine ganze Landfrauen-Welt geworden. Die Menschen entdecken mich über unterschiedlichste Kanäle. Manche über meine Produkte, andere sehen meinen Einkochkurs im Fernsehen und einige stoßen über meinen Foodblog auf mich. Das ist schön, und ich mag diese breitgefächerte Welt. Alles wird von mir wirklich mit sehr viel Liebe und Enthusiasmus betrieben. Dafür wirbel ich viel und ich denke, dass dies auch sichtbar wird nach außen. Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen in meinen Kochkursen wohlfühlen, viel Wissen verabreicht bekommen, mit einem Lächeln nach Hause gehen und wieder kommen wollen.

Meine Produkte aus der Manufaktur haben den gleichen Anspruch. Sie sollen schmecken, aus besten Zutaten und ohne Konservierungsstoffe sein. Ich möchte die Tradition des Einkochens bewahren – und so fließt letztlich alles wieder zusammen. In meinen Einmachkursen, in meinen Produkten und in meinem Kochbuch.

Für das Kochbuch habe ich jede Seite einzeln gestaltet. Jeder Hintergrund wurde farblich passend zum Essen ausgewählt. Das ist für mich Perfektionismus und dieses Ganzheitliche wird eben dann auch von vielen Menschen gesehen.

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SCHWABEN-MOM: Am Anfang war Deine Tochter mit dabei. Wie war es für Dich, mit Deiner Tochter etwas zusammen zu schaffen?

Birgit: Meine Tochter ist nach wie vor gerne kreativ, nur spielt sie inzwischen ausgiebig Basketball, was einfach sehr viel Zeit schluckt. Erst gestern hat sie mit einer Freundin drei wunderbare Sorten Macarons gebacken. Da bin ich dann schon stolz, dass sie alleine auf so eine Idee kommt. Überhaupt ist sie die Macaron-Königin in unserer Familie. Dieses kreative miteinander Schaffen werden wir wohl ein Leben lang bewahren und wenn sie mal Kinder hat, wird das hoffentlich auch noch weitergegeben.

SCHWABEN-MOM: Woher holst Du Dir Deine Ideen? Was inspiriert Dich?

Birgit: Gewiss mein ständiger Blick über den Tellerrand. Ein offener Blick bietet viel Inspiration. Fremde Kulturen, das Internet, Freunde – eigentlich sprudel ich ständig vor Ideen, nur hat der Tag viel zu wenig Stunden.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich persönlich das Schönste am Essen?

Birgit: Essen ist das Schönste! Ich mag es, wenn ein Essen rund ist, harmonisch. Wenn die Zutaten aufeinander abgestimmt sind, miteinander spielen, in Geschmack und Konsistenz. Das ist für mich große Kochkunst. Das fängt bei rustikaler Landküche an und gilt auch für die Nouvelle Cuisine.

In meiner Familie lege ich einfach sehr großen Wert darauf, dass wir miteinander am langen Tisch sitzen und miteinander essen. Jeder erzählt von seinem Tag, man findet wieder zueinander, fühlt sich aufgehoben im Kreis seiner Liebsten. Von daher ist das Abendessen in unserer Familie das Wichtigste. Mal gibt es nur Suppe, ja, auch mal Tiefkühlpizza oder etwas Aufwändiges. Je nach Lust und Zeit.

SCHWABEN-MOM: Du hast viel von Deiner Großmutter gelernt, die für zwei Familien im Haus gekocht, gebacken und eingemacht hat? Wie hast Du Großfamilie erlebt?

Birgit: Genau wie in der obigen Antwort beschrieben. Ich wurde in einem Geschäftshaushalt groß. Meine Mutter sehr viel beschäftigt, meine Großmutter lebte mit in unserem Haus – man traf sie in der Küche, Waschküche oder beim Einkochen. Das hat mich geprägt, da sie einfach immer für uns da war. So schlagen in meiner Brust auch zwei Herzen, das der Geschäftsfrau und das der Landfrau. Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne – eine urbane Landfrau eben.

Auch in meiner Familie wurde viel Wert auf das gemeinsame Essen gelegt, da haben alle zusammen gefunden. Essen war sowieso unglaublich wichtig in unserer Familie. Meine Mutter reiste sehr viel und brachte Gewürze und Zutaten aus allen Herren Ländern mit. Hinzu kam ihre Arbeit mit Asylanten. Auch das hat mich geprägt und ließ mich früh mit Lebensmitteln aus der ganzen Welt in Berührung kommen, was nun auch in meine Manufaktur und in meine Kochprojekte mit Flüchtlingskinder mit einfließt.

SCHWABEN-MOM: Aktuell ist ein Buch von Dir im Silberburg-Verlag erschienen? Was ist das für ein Buch?

Birgit: Das Koch- und Kreativbuch „Handgemachtes Glück“ ist eine Essenz meines ganzen Schaffens, ein Buch zum Wohlfühlen, um andere mit schönen Dingen und gutem, nachhaltigen Essen glücklich zu machen. Es sind gut nachkochbare Gerichte, die mit internationalen Gewürzen und Zutaten kombiniert und neu interpretiert wurden. Bodenständige Küche mit Pep. Dazwischen findet man kreative Anleitungen rund um die Tafel. Ähnlich wie die Vielfalt meines Blogs. Allein für die Hintergründe und Bändel, Etiketten und kleinen Hingucker in dem Buch haben wir tagelang nur eingescannt. Nichts wurde dem Zufall überlassen und ich bin mir sicher, dass das die Leser bemerken werden.

SCHWABEN-MOM: Was liebst Du am Schwabenländle am meisten? Wo ist Dein Lieblingsplatz?

Birgit: Das Schwabenländle ist sehr bodenständig und bescheiden, eigentlich unglaublich für eine Stadt mit so viel großen Industrieunternehmen. Zum Leben und zum Kind aufziehen ist Stuttgart auf jeden Fall ein sicherer und guter Ort. Hier gibt es alles was man für ein angenehmes Leben benötigt, nicht zuletzt unsere tolle Markthalle mitten in der Stadt. Persönlich liebe ich unser Schloss Solitude, die Bärenseen, den Schwarz- und Rotwildpark, die Weinberge rund um Uhlbach aber auch die vielen schönen Prachtstraßen wie zum Beispiel die Mörikestraße, die Alte Weinsteige oder die Hasenbergsteige. Unsere Kunstmuseen sind spitze, das Staatstheater, für das ich ein Abo habe, ist ganz großartig. Und wenn es mir dennoch zu eng wird, steige ich in den Zug oder in den Flieger.

SCHWABEN-MOM: Du bist mittlerweile viel unterwegs. Was unternimmst Du mit Deiner Tochter, wenn mal Zeit für Familie ist?

Birgit: Nach wie vor ist Marie immer gerne dabei, wenn ich etwas Kreatives mache. Letzte Woche haben wir Hocker neu bezogen und selbst bedruckt, eine Tischdecke mit Ohrenstäbchen und Farbe bedruckt und Paper Dolls gemalt. Das Ganze war für das hiesige Stadtmagazin und hat viel Freude gemacht und wird natürlich auch in Kürze auf meinem Blog zu sehen sein.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Birgit: Die gemeinsame Zeit wird seltener bei einer 16-jährigen Tochter. So sauge ich gemeinsame Aktivitäten intensiv auf, genieße sie ausgiebig, da ich weiß, dass sie womöglich in zwei Jahren woanders studieren und leben wird. Mit ihr ist Leben im Haus, Frische, Geselligkeit, Inspiration und sehr viel Wärme und Liebe. Das Schönste am Mamasein – mit so einer Tochter beseelt zu sein. Für mich ist sie vollkommen. An ihr ist alles richtig.

Fotos: © Die Landfrau