Schulauswahl-Hysterie – und ich mittendrin

Schulauswahl-Hysterie – und ich mittendrin

Ich stecke gerade mittendrin in der sogenannten Schulauswahl-Hysterie, einer echten Massenpanik. Falls Ihr noch kleinere Kinder habt: Ihr kennt das sicherlich auch von der Krippe oder dem Kindergarten. Die Eltern ziehen durch die ganze Stadt auf der Suche nach DER richtigen Einrichtung für ihr Kind. Wo wird das Kind am besten gefördert? Lernt es Englisch oder Französisch ab null Jahren? Wo sind Konzept und Portfolio am erfolgsversprechendsten?

Zum Ende der vierten Klasse wird das Ganze noch mal getoppt. Da stellen sich alle Eltern die schwierigste Frage der Welt: Welche Schule ist die beste für mein Kind? Schon kurz nach der Einschulung werden Eltern-Stammtische ins Leben gerufen, um gemeinsam diese Frage zu diskutieren. Und jeder hört irgendwas über irgendeine Schule, die besonders toll oder besonders schlimm sein soll. Und nach den ganzen Schultourneen durch Stadt und Land werden die Irritationen immer größer. Die Ängste, die falsche Wahl zu treffen, und somit den Lebensweg der Kinder negativ zu beeinflussen, werden immer stärker.

Ich kenne Eltern, die melden ihr Kind direkt für den hochbegabten Zug am Elite-Gymnasium der Stadt an – das Kind könnte ja sonst unterfordert sein. Oder Eltern, die ihre Kinder morgens eine Stunde durch die Stadt fahren lassen, weil das Kind so musikalisch ist und irgendwo da draußen, am anderen Ende der Stadt, es eine Schule für alle künftigen Pianisten und Violinisten gibt. Für manche zählt nur ein internationales Abi auf einer bilingualen Schule. Andere lassen ihre Kinder morgens mit der Regionalbahn zum einzigen Gymnasium in Baden-Württemberg mit „ADHS-Zug“ fahren.

Die Schule wird zum Etikett der Eltern. Welches Kind unsere Schule besucht, sagt etwas über unser gesellschaftliches Standing aus, über unseren übertriebenen Bildungseifer. Eine exzellente Schule ersetzt sozusagen die Prada- oder Gucci-Handtasche.

Aber mal ehrlich, was hätten wir früher gesagt? Geschichtsunterricht auf Englisch wäre doch noch schlimmer gewesen. Morgens eine Stunde durch die Stadt fahren statt eine halbe Stunde länger zu schlafen – unvorstellbar. Ein Schule nur mit hochbegabten Kindern – Hilfe!

Ich habe mir früher auch drei verschiedene Gymnasien in unmittelbarer Nähe angeschaut. Meine Eltern haben mir die Entscheidung alleine überlassen. Ich habe mich damals für die Schule entschieden, in der wir den ganzen Abend herum flitzen und laut toben durften. Und: Ja, es war genau die richtige Entscheidung. Es war halt eine reine Bauchentscheidung.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der wöchentlichen SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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