Krasse Strafe: Japanische Eltern setzen Kind im Wald aus

Krasse Strafe: Japanische Eltern setzen Kind im Wald aus

Eine unfassbare Meldung ging diese Woche weltweit durch die Medien: Japanische Eltern lassen ihren siebenjährigen Sohn bei einem Ausflug allein im Wald zurück, um ihn zu bestrafen. Er hatte, so ihre Schilderung, mit Steinen auf Autos und Menschen geworfen. Sie fahren 500 Meter mit ihrem Wagen davon und kehren dann um, wollen ihn wieder aufsammeln. Doch der Junge ist verschwunden. Verschwunden in einem Wald auf der Insel Hokkaido, in dem noch wilde Bären leben.

Am vergangenen Samstag spielt sich das Drama ab. Immer noch suchen Rettungskräfte nach dem Kind, auch die japanische Armee hat sich eingeschaltet, bisher vergeblich. Die Eltern geben sich zerknirscht. „Es tut mir so leid für mein Kind“, sagte der Vater im japanischen Fernsehen. Er bedaure auch, so vielen Menschen Umstände zu machen. In den sozialen Netzwerken sehen sich die Eltern scharfer Kritik ausgesetzt. „Das ist keine Bestrafung, sondern Kindesmissbrauch“, äußerte ein User bei Twitter.

Vor einigen Wochen gab es großes Aufsehen im Netz zu der Geschichte der „fiesesten Mutter der Welt“, über die SCHWABEN-MOM berichtete. Weil ihre drei Kinder sich in der Eisdiele nicht bei der Verkäuferin bedankten, schnappte sich die Mutter die drei Eisbecher und schmiss sie in die Mülltonne. Die Kinder brachen in hysterisches Gebrüll aus. In einem Video erzählt Bloggerin Jaime, Mutter der drei Kinder, warum sie die fieseste Mutter der Welt sei. Über fünf Millionen Menschen klickten das Video und es entfachte eine große Debatte über das Thema Bestrafung.

Im Vergleich zu dem dramatischen Vorfall in Japan, klingt die Geschichte von Jaime wie ein harmloser Ausrutscher. Aber was macht der Einsatz von Strafen mit unseren Kindern? Sind Strafen ein erfolgreiches Erziehungsmittel? SCHWABEN-MOM hat unsere Expertin, FamilyLab-Coach Susanne Sonnleitner gefragt. FamilyLab ist eine Familienwerkstatt, die von dem bekannten dänischen Bestsellerautor und Familientherapeut Jesper Juul gegründet wurde.

„Strafen werden ja gerne auch in Konsequenz umformuliert, was meines Empfindens eigentlich das Gleiche ist. Strafen verletzen die Würde unserer Kinder und belasten nachhaltig die Beziehung. Das Vertrauen zu den Eltern wird massiv gestört. Es ist ein reines Machtgehabe, und den Eltern geht es selten gut damit.  Denn meistens ist Bestrafung ein Ausdruck von Hilflosigkeit.“

Susanne rät im SCHWABEN-MOM-Gespräch: „Eltern müssen die Verantwortung für die Stimmung innerhalb der Familie übernehmen und ihre Kommunikationsfähigkeiten weiter enwickeln, was natürlich sehr anspruchsvoll ist. Eltern müssen sich so verhalten, dass ihre Kinder verstehen und einsehen, wohin der Weg führen könnte, und dass der Wunsch oder das Bedürfnis des Kindes gerade nicht umsetzbar ist. Aber das sollte weder mit Gewalt noch mit Strafe passieren. Es ist deutlich aufwendiger, aber wer Kinder hat, sollte sich die Mühe machen. Es bereitet unsere Kinder schließlich auf das Leben vor. Wenn sie dort ängstlich und ohne Vertrauen sind, haben sie es schwer in dieser Welt. Außerdem hat Strafe nichts mit Liebe zu tun – nie. Es gibt ein Missverständis in der Erziehungslandschaft, dass man als Eltern immer klar und konsequent sein muss. Man kann aber auch sehr klar Dinge durchsetzen, Bedingungen stellen und die Führung übernehmen und dabei trotzdem sehr liebevoll und verständnisvoll sein. Aber man muss dann auch aushalten, dass es dem Kind nicht gefällt, dass man als Eltern bei seinem Standpunkt bleibt. Wenn das Kind dann weint oder wütend wird, muss ich als Mutter oder Vater dem begegnen. Das ist der unangenehme Part dabei.“