Digitaler Wahnsinn in den Kinderzimmern

Digitaler Wahnsinn in den Kinderzimmern

Ich schreibe heute über eines meiner Lieblingsaufregerthemen. Ein Thema, das mich jeden Tag verfolgt: Es geht um Handy, Tablet & Co. Klar, wir alle können uns ein Leben ohne diese wunderbaren digitalen Endgeräte nicht mehr vorstellen. Das geht mir auch so. Und wir müssen uns alle sehr disziplinieren, gute Vorbilder für unsere Kinder zu sein, nicht bei jedem Pieps auf das Handy schauen, nicht immer alles sofort googeln, was einem gerade in den Sinn kommt und nicht jede WhatsApp sofort beantworten. Wir wissen selbst, wie schnell man in den digitalen Sog hineingerät.

Aber ich ärgere mich täglich darüber, von meinen Kindern zu erfahren, wer was schon wieder gucken durfte, wer welche App heruntergeladen hat und wer wie viel Zeit täglich vor der Glotze hängt. Sicher, die Kinder übertreiben, weil sie einfach etwas mehr für sich heraus handeln möchten. Aber ich beobachte zunehmend und mit Schrecken, wie großzügig doch viele Eltern mit dem Medienkonsum ihrer Kinder umgehen.

Da dürfen Neunjährige grausame Filme ab 16 Jahren gucken. Was schauen sie dann mit 16? Da wird permanent auf Mamis Handy gespielt, wenn mal für einen kurzen Moment nichts zu tun ist. Keine ICE-Fahrt ohne Tablet und Beschallung, statt vorzulesen oder einfach nur mal rauszuschauen und sich zu unterhalten. Wir Eltern machen es uns manchmal ganz schön leicht – auf Kosten unserer Kinder und ihrer Entwicklung. Wir nehmen ihnen ihre Fantasie, etwas selber zu gestalten. Wir nehmen ihnen damit die Zeit, draußen zu spielen und mit anderen Kindern die wahre Welt zu erkunden statt die virtuelle. Und wir enthalten ihnen vor, die gute alte Langeweile einmal etwas genauer kennenzulernen.

Bei uns gibt es ein Medienbudget, das recht knapp bemessen ist für die ganze Woche. Die Kinder dürfen selber entschieden, wann und wie sie es einsetzen – ob am Tablet, vor dem TV oder mit dem Handy. Es wird auch nicht nur pädagogisch hoch anspruchsvolles Zeug gespielt und geguckt (sonst können sie nicht mitreden), aber es ist limitiert und altersgerecht. Und wir erklären unseren Kindern, dass sie am Ende davon profitieren werden, dass sie mehr Zeit für die anderen, die wichtigen Dinge haben. Es funktioniert. Aber es ist oft schwer, das durchzuziehen. Vor allem wenn sie hören, dass viele andere Kinder dreimal so viel sehen und spielen dürfen.

Auch als Motivation zum Lernen werden digitale Geräte immer wieder gerne eingesetzt. Neulich erzählt mir ein Erstklässler, dass er von seiner Mutter ein Handy bekomme, wenn er zusätzliche Mathebücher Zuhause büffelt. Geht’s noch?

Wir müssen doch alle zusammen halten – hier herrscht das Solidaritätsprinzip. Wir tun das für unsere Kinder! Ich wünschte mir, wir Eltern ziehen hier alle mehr an einem Strang.

Medienpädagogen empfehlen eine Mediennutzung bei Kindern bis fünf Jahre von bis zu einer halben Stunde am Tag. Bei Kindern zwischen sechs und neun Jahren bis zu einer Stunde am Tag und ab zehn Jahren rund neun Stunden pro Woche. Mal ehrlich: Wer richtet sich danach?

Der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer ist ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Immer wieder warnt er uns in Talkshows und in seinen Büchern vor der digitalen Demenz. Klärt uns auf, dass der übermäßige Konsum digitaler Medien bei unseren Kindern die Lernfähigkeit drastisch vermindert und Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste, Schlafstörungen und Depressionen und Gewaltbereitschaft zur Folge hat.

Genug Gründe, die Geräte öfter einfach mal auszuschalten.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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