Vierfach-Mama und Bloggerin Miriam: „Als Mama arbeite ich zwar unentgeltlich, aber ganz sicher nicht umsonst“

Vierfach-Mama und Bloggerin Miriam: „Als Mama arbeite ich zwar unentgeltlich, aber ganz sicher nicht umsonst“

Vor einigen Tagen bekam SCHWABEN-MOM Post von Miriam Müller aus Großbottwar im Landkreis Ludwigsburg. Miriam lobte uns für unsere Kolumne über den digitalen Wahnsinn in den Kinderzimmern. Sie schrieb uns, dass ihre Familie fast ganz ohne Medien auskommt. Diese Frau interessierte uns. Wir haben sie gleich zu einem Interview eingeladen. Und Spannendes über Miriam erfahren. Miriam ist vierfache Mutter und bloggt regelmäßig auf ihrem sehr inspirierenden Food-Blog leckerleckerliese.de tolle Rezepte, die man sofort nachkochen und -backen möchte.

Sie weckt in uns Städtern die Sehnsucht nach Landromantik, wenn sie auf ihrem Blog berichtet, wie sie alle drei Wochen mit ihren Freundinnen im Backhäusle in ihrem Dorf gemeinsam backt. Sie heizen mit selbst gesammeltem Holz aus dem Weinberg und backen dann leckeres Bauernbrot, große Hefezöpfe, allerlei Kuchen und Kleingebäck.

Die studierte Betriebswirtin hat sich für das Leben auf dem Land und das Leben als Hausfrau und Mama entschieden. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie uns von ihrem Blog und von ihrem zufriedenen Leben auf dem Land mit vier Kindern.

SCHWABEN-MOM: Du bloggst regelmäßig auf leckerleckerliese.de tolle Rezepte, an der sich die ganze Familie erfreut. Wie bist Du auf das Bloggen gekommen? Und was ist für Dich das Schönste daran?

Miriam: Auf das Bloggen hat mich meine Freundin Isa gebracht. Sie zeigte mir einen anderen Blog und sagte: Miri, das kannst Du auch. Und sie ist hartnäckig geblieben. Ich war eher skeptisch am Anfang. Dank meiner familieninternen IT-Profis, sprich mein Schwager und meine Schwester, hat leckerleckerliese.de dann auch schnell Gestalt angenommen.

Das Schönste am Bloggen ist für mich zuerst mal die Möglichkeit, meine beiden Leidenschaften Backen und Kochen zu intensivieren und nicht nur alle guten Rezepte im Ordner verschwinden zu lassen. Und zweitens sind die vielen positiven Rückmeldungen natürlich sehr schön! Ich freue mich über jede einzelne total und hätte nie gedacht, dass ich so viel Resonanz bekomme.

SCHWABEN-MOM: Was ist Dein absolutes Lieblingsrezept?

Miriam: Ich kann mich nicht zwischen den scharfen Linsen und dem Rindersteak in Portweinsoße entscheiden.

SCHWABEN-MOM: Du hast vier Kinder und lebst auf dem Land im Landkreis Ludwigsburg. Wie sieht ein normaler Alltag bei Euch aus?

Miriam: Mein Mann verlässt das Haus meistens schon vor sechs Uhr. Ich frühstücke mit den Kids. Die Großen, dritte und vierte Klasse, gehen um kurz nach sieben zum Schulbus. Danach bringe ich die zwei Kleinen zwischen halb acht und acht in den Kindergarten, der nur zwei Häuser entfernt ist. Anschließend gehe ich nach Möglichkeit an zwei bis drei Tagen pro Woche eine Runde joggen, oft auch mit meiner Freundin zusammen. Ansonsten: Haushalt, waschen, putzen, bügeln, einkaufen – das Übliche eben. Oder ich arbeite am Blog, probiere neue Rezepte aus und fotografiere.

Mein Mann und ich sind ehrenamtlich aktiv und leiten im Sommer eine Familienfreizeit – da ist dann auch jedes Jahr einiges an Vorbereitung. Alle zwei Monate koche ich einen Vormittag mit den Kids im Kindergarten und bin ab und zu auch in den Schulklassen der Großen aktiv für verschiedene Projekte. Spätestens um halb eins sind alle Kinder daheim zum Mittagessen. Nachmittags stehen zuerst Hausaufgaben auf dem Programm, danach ist oft Spielbesuch da. Wir sind draußen oder es steht ein Termin an wie Ballett oder Handball. Da uns eine gemeinsame Mahlzeit am Tag sehr wichtig ist, versuche ich immer schon nachmittags das Abendessen so gut es geht vorzubereiten. Durch die tollen Arbeitszeiten meines Mannes ist er meistens um 16 Uhr daheim und bekommt so noch jede Menge Alltag der Kinder mit. Zwischen sieben und halb acht ist hier Schicht im Schacht.

SCHWABEN-MOM: Du bist studierte Betriebswirtin, hast Dich aber bewusst für das Leben als Mutter, Ehefrau und Hausfrau entschieden. Warum verzichtest Du auf Karriere und berufliche Weiterentwicklung?

Miriam: Zuerst mal: So eine richtig bewusste Entscheidung mit Pro und Contra war das für mich überhaupt nicht. Als mein großer Sohn geboren wurde, war ich 24 und es stand nie etwas Anderes für mich zur Debatte, als zu Hause zu bleiben. Es war einfach völlig klar und natürlich und hat sich total richtig angefühlt. Heute bin ich sehr froh, dass wir damals so unbefangen waren, und ich würde immer wieder diesen Weg wählen.

Ich habe nicht das Gefühl, auf irgendetwas zu verzichten, ganz im Gegenteil. Für mich passen Kinder und Karriere durchaus zusammen, nur eben nicht zum gleichen Zeitpunkt. Auch mit 40 oder 45 Jahren ist das Leben ja noch nicht vorbei (lacht). Im Moment hat die Familie einfach Vorrang. Die Zeit, in der die Kinder klein sind, geht soooooo schnell vorbei. Ich bin mir sicher, dass das eine oder andere, und ich selbst auch, darunter leiden würde, wenn ich alles unter einen Hut bekommen müsste.

SCHWABEN-MOM: Viele Mütter rotieren zwischen Kinder und Karriere – häufig leider bis zur Erschöpfung. Lebst Du mit Deiner Entscheidung entspannter?

Miriam: Für mich persönlich kann ich diese Frage definitiv mit Ja beantworten. Mein Mann hat mal gesagt: Das Beste für uns als Familie ist, wenn Du entspannt bist. Und ich denke, da ist echt was dran. Wenn ich gestresst bin, was selbstverständlich auch vorkommt, wirkt sich das auf die Kinder aus. Morgens kann schon ein falsches Wort am Frühstückstisch wegen umgekippter Milch die gesamte Laune kippen lassen – es sei denn, ich nehme mich zurück, atme einmal tief durch und fange nicht an zu schimpfen, sondern gebe meinem Kind einen Lappen um die Sauerei aufzuwischen. Wenn ich da schon einen Termin im Nacken hätte, weiß ich nicht, wie gelassen ich reagieren könnte. Dabei steht das Beispiel mit der Milch jetzt natürlich nur exemplarisch und lässt sich durch jede denkbare Ich-dreh-gleich-durch-Situation ersetzen.

Es ist schade, dass Mütter sich manchmal freiwillig dem Stress aussetzen, nur weil sie denken, es wird von ihnen erwartet. Und sie schon ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie gern länger als ein Jahr zu Hause bleiben würden. Ich finde, dass es zu der Frage Beruf und Familie kein Richtig oder Falsch gibt. Das sollte vor allem die ganz persönliche Entscheidung jeder Familie sein und keiner hat das Recht, darüber zu urteilen – weder die Politik, noch die Nachbarn oder wer auch immer. Vom Staat sollte beides gleichermaßen unterstützt werden, um eine echte Wahlfreiheit zu gewährleisten. Das ist aktuell nicht der Fall, sondern man bekommt vermittelt, dass man als Frau so schnell wie möglich in den Beruf zurück muss, um seinen Platz in der Gesellschaft zu haben.

SCHWABEN-MOM: Glaubst Du, das alte Rollenmodell hat wieder Zukunft? Wie erlebst Du das in Deinem Freundeskreis? Wie akzeptieren andere Mütter Deine Entscheidung?

Miriam: Das sogenannte alte Rollenmodell war meiner Meinung nach noch nie aus der Mode und ist heute aktueller denn je. Es gab immer schon sehr viele Mütter wie mich, sie haben nur kaum eine Stimme in der Gesellschaft. In meinem Freundeskreis bin ich keine Ausnahme.

Von anderen Müttern habe ich eigentlich noch nie etwas offensichtlich Negatives gehört. Es haben zwar schon viele gefragt, ob ich arbeiten würde. Ich bin dann immer versucht zu sagen: Nein, ich arbeite nicht, wozu habe ich Kinder? (lacht), aber die Meisten sind nach der Antwort auf die Frage: Wie viele Kinder hast Du? entweder so geschockt, dass keine weiteren Fragen mehr kommen oder sie sagen: Ach so, dann ist es ja klar. Wenn ich vier Kinder hätte, würde ich auch nicht arbeiten. Vielleicht wird es manchmal insgeheim etwas belächelt, aber das stört mich überhaupt nicht. Ich arbeite zwar unentgeltlich, aber ganz sicher nicht umsonst.

SCHWABEN-MOM: Wenn man Deinen Blog so durchstöbert, kriegen wir Städter gleich Sehnsucht nach dieser Landromantik. Was ist das Schöne am Leben auf dem Land? Ist es wirklich so romantisch oder hat es auch Nachteile?

Miriam: Wir haben tatsächlich schon fließendes Wasser, Strom und sogar Internet (lacht). Neenee, also das Leben hier auf dem Land ist wirklich toll. Hinter unserem Haus sind Weizen- und Maisfelder, auf der anderen Seite sehen wir die Weinberge. Für die Kinder ist es super! Sie können raus, mit den Rädern unterwegs sein, sich mit den Freunden auf dem Spielplatz oder dem Fußballplatz treffen. Meine Tochter macht auch gern mit ihren Freundinnen einen Spaziergang durch die Weinberge. Unsere Nachmittage am Backhäusle haben durchaus etwas von dieser Landromantik. Wir essen Flammkuchen, die Kinder sind im Wald oder am Bach und spielen. Wir haben allerdings keine Einkaufsmöglichkeit hier am Ort, für größere Einkäufe braucht man immer das Auto – das kann schon ein Nachteil sein, wenn man mal eine Backzutat vergessen oder das Brot nicht rechtzeitig aus der Tiefkühltruhe genommen hat.

Miriam_Kinder (1)

Miriams Kinder lieben das Leben auf dem Land

SCHWABEN-MOM: Du hast viel Zeit für Deine Kinder: Wie erziehst Du Deine Kinder? Was ist Dir wichtig?

Miriam: Ich habe – außer bei meinem ersten Kind – noch nie einen Erziehungsratgeber gelesen. Mein Mann und ich verlassen uns da auf unseren gesunden Menschenverstand.

Wir sind uns in den bedeutenden Themen einig und das ist, denke ich, ein wichtiger Punkt. Wir ergänzen uns gut und wollen unsere Kinder zu selbstbewussten und selbstbeherrschten Menschen erziehen, die fest im Glauben an Jesus Christus stehen. Die wissen, dass sie geliebt sind und dass diese Liebe nicht an Bedingungen geknüpft ist oder von Leistungen abhängt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Job auf der Welt gibt, der mir eine ähnliche Herausforderung bieten könnte (lacht).

Im Alltag ist es uns wichtig, dass die Kinder uns nicht gegenseitig ausspielen. Wenn sie sich streiten, halten wir uns meistens raus und lassen sie es untereinander klären. Eskaliert es beim gemeinsamen Essen, genügt ein Blick zwischen meinem Mann und mir. Da stehen wir dann auch schon mal ohne ein weiteres Wort auf und essen im Wohnzimmer weiter. Du glaubst gar nicht, wie schnell sie aufhören, wenn sie auf ihre Streitereien nicht die gewünschte Aufmerksamkeit von uns bekommen. Und für mich selbst ist mir wichtig, dass ich ruhig bleibe. Meistens lohnt es sich doch überhaupt nicht, sich aufzuregen.

Die Kinder wissen auch, dass wir nicht ständig alles bis ins kleinste Detail ausdiskutieren. Es gibt gewisse Regeln, die den Familienalltag einfacher und stressfreier machen und an die sie sich halten müssen, wie beispielsweise die Mithilfe im Haushalt, das Verhalten während der Mahlzeiten und bei Besuchen.

SCHWABEN-MOM: Du sagst, dass digitale Medien in Eurer Familie keinen Raum haben. Wie schaffst Du das? Fehlt Deinen Kindern nichts, wenn sie sehen, was andere Kinder so treiben?

Miriam: Digitale Medien haben bei uns in der Tat nur einen verschwindend geringen Raum. Wir halten nichts davon, Kleinkindern schon Medienkompetenz vermitteln zu wollen, weil wir uns nicht vorstellen können, wie das funktionieren und warum das für ein kleines Kind wichtig sein sollte. Da bei uns im Wohnzimmer kein Fernseher steht, ist dieses Thema automatisch nicht so präsent im Alltag. Manchmal dürfen sie schon die Sendung mit der Maus anschauen, aber es gibt auch Monate, in denen das überhaupt nicht vorkommt. Nicht weil wir es verbieten – sie fragen einfach nicht danach. Unsere Tage sind auch so gut ausgefüllt. Manchmal wüsste ich überhaupt nicht, wo wir die Zeit noch hernehmen sollten und wir würden nicht zulassen, dass die Medien über unseren Alltag bestimmen. Aber keine Sorge – den Kindern fehlt wirklich nichts. Wenn sie bei ihren heißgeliebten Patentanten und -onkel Urlaub machen dürfen, läuft auch mal ein Film. Ich werde da nicht über die Einzelheiten aufgeklärt (lacht).

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Miriam: Das Gesamtpaket. Die entspannten Zeiten während der Schulferien und unsere Urlaube. Und die vielen lustigen Momente, wenn beispielsweise mein Mann durchs Babyfon ins Kinderzimmer mit tiefer Stimme sagt: Matteo … ich bin Dein Vater.

SCHWABEN-MOM: Wie entspannst Du am besten zwischen Kindern und Bloggen?

Miriam: In der Küche oder beim Joggen. Und bei einem schönen, gemütlichen Abendessen nur mit meinem Mann. Und natürlich auch beim Shoppen mit meiner Freundin.

SCHWABEN-MOM: Was ist Dein absoluter Ausflugsgeheimtipp in Deiner Region?

Miriam: Nicht ganz so geheim aber immer wieder toll: Das Blühende Barock und der Märchengarten im Schloss Ludwigsburg, außerdem die Kürbisausstellung im Herbst. Dann der Wasserspielplatz in Abstatt. Und der Neckar-Radweg Richtung Ludwigsburg/Stuttgart mit Zwischenstopp am Bootshaus in Marbach. Die Experimenta in Heilbronn.

Weitere Infos: 

www.leckerleckerliese.de