Aktuelle Lehrer-Studie: gestresste Kinder durch Erwartungsdruck der Eltern

Aktuelle Lehrer-Studie: gestresste Kinder durch Erwartungsdruck der Eltern

Konzentrationsschwäche, Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungsdefizite – gesundheitliche Probleme bei Grundschülern haben in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Auch sind die Kinder wesentlich gestresster als vor zehn Jahren. Und dazu tragen vor allem wir Eltern bei: Erwartungsdruck seitens der Eltern ist aus Sicht von 83 Prozent der befragten Lehrer Auslöser für Stress bei den Schülern. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Lehrerbefragung, die das Forsa-Institut für die DAK-Gesundheit durchgeführt hat.

Den Gesundheitszustand der Grundschüler sowie ihrer Lehrer untersucht die Forsa-Analyse „Gesundheitsfalle Schule“, für die 500 Lehrkräfte im gesamten Bundesgebiet befragt wurden. Hauptergebnisse der Studie: Rund 70 Prozent der Lehrer stellten mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre einen Anstieg von Gesundheitsproblemen bei den Schülern fest. So leiden immer mehr Kinder an Konzentrationsproblemen – dieser Meinung sind mehr als 50 Prozent der Lehrkräfte. Außerdem beobachteten die Lehrer einen starken Anstieg von Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten (45 Prozent), motorischen Defiziten (36 Prozent) und psychosomatischen Beschwerden (27 Prozent).

Laut Studie hat auch die Stressbelastung der Kinder in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Die überwiegende Mehrheit der Lehrer (91 Prozent) bezeichnete die mediale Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und Co. als Stressfaktor Nummer eins, gefolgt vom Erwartungsdruck seitens der Eltern. Auffällig ist ebenfalls: Rund 30 Prozent der befragten Lehrer gaben an, dass sich der Gesundheitszustand der Kinder innerhalb der ersten vier beziehungsweise sechs Schuljahre verschlechtert hat.

Aber nicht nur die Kinder auch die Lehrer sind gestresst. Die Studie zeigt, dass die meisten Lehrkräfte (87 Prozent) mit ihrem Beruf zwar zufrieden sind, doch die gesundheitliche Belastung hoch ist: Jeder Vierte macht sich sehr große oder große Sorgen, dass er aufgrund der körperlichen und psychischen Berufsanforderungen schon vor dem Pensionsalter aus dem Beruf ausscheiden muss. Als besonders belastend bezeichneten die befragten Lehrer den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern (64 Prozent), Lärm (61 Prozent) und fehlende Erholungspausen im Schulalltag (54 Prozent).

DAK-Schaubild

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schrieb vor einigen Monaten eine Kolumne über den Leistungssport Kindheit, die über 12.000 Leserinnen über Facebook erreichte. Sie fragt sich in ihrer Kolumne, ob sie heutzutage gerne ein Kind wäre. Und stellt fest: Die Hausaufgaben waren weniger, die freie Zeit mehr, die Schulzeit länger, der Terminkalender leerer – mehr Zeit zum Trödeln und Träumen und zum Spielen. Machen wir Eltern wirklich zu viel Druck? Oder geht es nicht schon los mit dem Einstein-Konzept in der Krippe, den bilingualen Kindergärten und dem Turbo-Abitur namens G8? Also: Wir machen mit, weil es die Angebote gibt und weil andere auch mitmachen, und wir Angst haben, unsere Kinder verpassen den Anschluss. Vielleicht müssen wir einfach mal anfangen den Kreislauf zu durchbrechen. Wir haben nichts von Kindern, die top-ausgebildet, aber seelisch nicht gesund sind.  Der populäre dänische Familientherapeut Jesper Juul sagt, dass das Spielen für Kinder das Allerwichtigste sei. Dort wird alles für das Leben relevante gelernt. Und: Es macht auch noch Spaß. Vielleicht sollten wir unsere Kinder wirklich einfach mehr Kinder sein lassen.

Foto / Grafik: DAK