TV-Moderatorin Evelin König: weniger WLAN, mehr Langeweile für doofe und schlaue Gedanken

TV-Moderatorin Evelin König: weniger WLAN, mehr Langeweile für doofe und schlaue Gedanken

Evelin König ist das Fernsehgesicht der werktäglichen Sendung ARD-Buffet im Ersten und der Sendung Kaffee oder Tee im SWR Fernsehen. Ihre tolle, frische und lockere Art machen sie zu einer sehr beliebten Moderatorin. Die 50-jährige Journalistin ist im oberschwäbischen Bad Saulgau geboren und ist mit dem Moderator der SWR Morningshow Michael Wirbitzky verheiratet. Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen (zwölf und 15 Jahre) leben sie in Baden-Baden. Wir freuen uns, dass wir Evelin für ein echtes Mama-Interview gewinnen konnten. Im SCHWABEN-MOM-Gespräch erzählt sie uns ganz offen, wie man nach durchgemachten Nächten mit kranken Kindern vor der Kamera steht, was sie für eine Mutter ist und wie sie mit ihrem Mann Michael gemeinsam Karriere und Familienleben stemmt.

SCHWABEN-MOM: Evelin, was ist für Dich das Schönste an Deinem Job als Moderatorin?

Evelin: Die große Vielfalt. Menschen, Themen, Inhalte, Herausforderungen. Jeden Tag etwas Neues und meist auch Spannendes. Und es ist ein super Job, um ihn mit Kindern zu vereinbaren. Es gibt Moderationswochen, in denen ich viel und konzentriert arbeite. Aber dann auch Off-Wochen, in denen ich mich viel um meine Familie kümmern kann.

SCHWABEN-MOM: Wie sieht bei Dir ein normaler Arbeitstag aus?

Evelin: Kommt auf die Sendung an.  Für Kaffee oder Tee verlasse ich mit den Kindern um sieben Uhr das Haus und bin um halb acht im SWR am Schreibtisch, um die Sendung des Tages vorzubereiten. Der Vormittag ist dann mit Schreiben, Recherchieren und mit Konferenzen schnell vorbei.

Gegen 13 Uhr gehe ich in Richtung Studio. Dann berate ich mit der Kostümbildnerin die Garderobe des Tages und lasse mich in der Maske „fernsehschön“ machen. 14.30 ist Probenbeginn. Die Probe geht meist bis kurz vor 16 Uhr. Und danach geht es direkt auf Sendung. Live von 16 bis 18 Uhr.

Nach der Sendung muss ich meist noch was für den kommenden Tag tun. Beiträge sichten oder vorbereiten. Um dann gegen 19.30 Uhr wieder zu Hause zu sein. Das ist der lange Tag.

Wenn ich ARD-Buffet sende, dann sind es im Prinzip die selben Punkte nur in anderer Reihenfolge. Denn da ist von 12.15 bis 13 Uhr Sendezeit. Entsprechend der Sendelänge ist dann auch die Vorbereitung weniger umfangreich. Und Mama ist früher daheim. (lacht)

SCHWABEN-MOM: Als Fernsehgesicht musst Du immer total präsent vor der Kamera sein. Wie schaffst Du das? Und wie hast Du das geschafft, als Deine Kinder noch klein und die Nächte manchmal sehr, sehr kurz waren?

Evelin: Das frage ich mich manchmal auch in der Rückschau! Habe schon wenige Wochen nach den Geburten wieder angefangen zu senden. Mit Stillauszeiten in der Garderobe. Das ging ganz gut. Überhaupt war der normale Alltag gut zu organisieren. Aber wehe,  wenn einer der Jungs krank war … Ich kann ja nicht sagen: Sendet noch mal die Wiederholung von gestern. Kann heute leider nicht kommen. Und unsere Omis sind leider beide 300 Kilometer weg. Bis die da sind, das dauert.

Natürlich kamen die Mageninfekte der Kinder und die Windpocken immer in Sendewochen. Und nach einer Nacht zwischen Wadenwickel und Waschmaschine sieht Mama am nächsten Tag nicht wirklich gut aus. Da kann die Maskenbildnerin Gottseidank Wunder bewirken. Und das Adrenalin tut das andere. Die Sendung kriegt man immer durch. Aber danach ist das Loch umso tiefer …

SCHWABEN-MOM: Als Moderatorin wirkst Du sehr erfrischend, locker und jugendlich. Wie bist Du als Mutter?

Evelin: Hmm – muss mal die Jungs fragen. (lacht) Natürlich bin ich als Mutter oft peinlich. Bin leider nicht sehr geduldig und manchmal  ziemlich unter Strom. Ich fordere viel Selbständigkeit von ihnen ein. Weil es oft nicht anders geht. Helikoptermama kann und will ich keine sein. Und weil mein Mann und ich doch etwas mehr in der Öffentlichkeit stehen, heißt das auch für die Kinder, dass sie bestimmte Regeln mehr beachten müssen, als vielleicht andere.

Auf der anderen Seite wird bei uns viel gequatscht, gelacht und auch cooles Zeug gemacht. In unserem Job muss man offen und neugierig sein. Und: Ich versuche sehr, als Mama immer dann präsent zu sein, wenn es wirklich wichtig ist!!!

Evelin König 3

SCHWABEN-MOM: Englisch in der Krippe, Abitur nach acht Jahren und ein total voller Terminkalender. Fordern oder überfordern wir unsere Kinder? Was wünscht Du Dir für die Kinder von heute?

Evelin: Mehr Langeweile! Die sind so durchgetaktet, dass sie gar nicht mehr auf doofe oder auch schlaue Gedanken kommen können. Und weniger Orte mit WLAN. Dass sie die Welt und ihre Freunde nicht nur über einen Screen und per Whatsapp sehen … Dazu eine Schule, die mehr zum eigenen Denken, zum kritischen Hinterfragen animiert (zwei absolute „Zukunftskompetenzen“ wie ich finde) – und die jedem Kind die Möglichkeit gibt, mit irgendetwas zu glänzen, was jenseits von Büffeln und Wiedergeben ist. Das macht stark… Wir haben Glück – unser Kleiner ist auf einem guten Gymi und unser Großer ist auf der Waldorfschule. Da ist auch nicht alles Gold, aber die machen vieles anders und wie ich finde, auch ziemlich gut.

SCHWABEN-MOM: Wie schaffst Du es, Deine Karriere und Dein Familienleben zu vereinbaren? Dein Mann Michael Wirbitzky ist ein erfolgreicher Radiomoderator (SWR Morningshow). Wie organisiert Ihr Euch als Familie? Teilt Ihr Euch den Job?

Evelin: Michael macht seinen Job. Voller Einsatz auf allen Ebenen. Steht nachts um drei Uhr auf, um um fünf Uhr für die Morningshow auf Sendung zu gehen. Da kann und will ich nicht verlangen, dass er um ein Uhr nachts aufsteht, um ein krankes Kind zu versorgen. Andererseits ist er nachmittags dann oft zuhause und kann sich kümmern, wenn ich weg bin. Das ist ein Vorteil! Aber oft ist er auch ganze Wochen weg, zum Beispiel mit seiner Bühnenshow. Und dann muss ich gucken, wie ich es gebacken kriege … Wir sind als Eltern aber sehr hinterher, dass wenigstens einmal am Tag alle gemeinsam am Tisch sitzen. Das ist ein wichtiges Familien-Ritual! Wie überhaupt Rituale bei uns gepflegt werden. Das sind für uns alle geliebte Ankerpunkte in einem doch sehr turbulenten Familienleben!

SCHWABEN-MOM: Wie lässt Du die Seele baumeln, wenn Du mal Zeit nur für Dich hast?

Evelin: Mein Yogaabend ist mir heilig! Und ein totaler Luxus ist, mal 100 Seiten am Stück in einem Buch zu lesen. Herrlich.

Ich genieße es aber auch sehr, mit dem Rad in den Funk fahren zu können. Baden-Baden ist so grün und schön – das ist jeden Tag meine kleine Auszeit.

SCHWABEN-MOM:  Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Evelin: Jedes Kindesalter hat andere Highlights. Im Moment genieße ich es, bei allen pubertären Unruhen, die Persönlichkeiten der Zukunft durchblitzen zu sehen. Und Kinder rücken den Blick aufs Leben zurecht. Was ist wirklich wichtig und wofür lohnt, zu kämpfen und zu leben …

Weitere Infos:

www.evelin-koenig.de

www.ARD-Buffet.de

www.Kaffee-oder-Tee.de

Fotos: © Evelin König / Fotografin: Iris Rothe