Mütter in der Selbstoptimierungsfalle: Warum machen wir da mit?

Mütter in der Selbstoptimierungsfalle: Warum machen wir da mit?

Wo man hinschaut, alles dreht sich nur noch um Selbstoptimierung: schneller, weiter, höher. Oder besser gesagt: gesünder, schöner, erfolgreicher. Dieser Trend ist auch schon längst bei den Müttern angekommen. Muttersein wird mittlerweile zu einem Wettkampf: Wer hat zuerst nach der Geburt wieder den besten Body? Prinzessin Kate macht es uns vor und strahlt in sämtlichen bunten Blättern nur einige Stunden nach der Geburt top-gestylt und superschlank in die Kameras. Auch Heidi Klum und Victoria Beckham haben schon einige Wochen nach den den Schwangerschaftsstrapazen wieder Size Zero, während die meisten Mamas noch aussehen wie im siebten Monat.

Aber der Wettkampf geht ja weiter: Nicht nur eine Topfigur musst du in kürzester Zeit wieder erreichen. Auch der erfolgreiche Jobeinstieg nach spätestens einem Jahr ist enorm wichtig, um sich als moderne Frau zu positionieren. Was, Du bleibst zwei Jahre Zuhause? Du arbeitest nur zehn Stunden die Woche? Andere Mütter können einfach so gemein sein.

Und auch wenn man das mit der Figur und dem Job vielleicht noch einigermaßen gut hinkriegt, versagt man spätestens in Sachen Erziehung. Gibt es doch auf jedem Spielplatz Mütter, die noch geduldiger, lockerer und entspannter erscheinen – die Betonung liegt auf „erscheinen“. Auch da ist absoluter Ehrgeiz angesagt, permanent einen super guten Job zu machen unter den kritischen Augen der Konkurrenzmamas.

Die Liste der Erwartungen, für die man sich als Mutter verausgaben kann, erscheint endlos. Was ist mit der Babyernährung? Babykost aus dem Gläschen? Auweie, da kochen schon andere Mütter längst nur superbiologische Pastinaken als erste Beikost.

Weiter geht es mit der Frühförderung bis zur Gymnasialempfehlung: von Englisch in der Kita über übertriebene Vorleserituale bis zu überstrapazierten Terminkalender der Kleinen. Hauptsache: Input, Input, Input. Denn aus den Kleinen sollen ja mal ganz Große werden. Und überhaupt: Warum spricht Deiner noch nicht? Ach, konnte Deine noch nicht vor der Schule lesen?

Man fühlt sich manchmal wie in der fünfte Klasse, in der die die beste Freundin immer schöner, klüger und beliebter war.

Aber mal ganz ehrlich: Warum steigen wir nicht einfach aus – aus der Mütter-Selbstoptimierungsfalle? Lassen wir die anderen Mütter mit Kinderwägen durch den Schlosspark joggen, während wie unsere Latte in der Königstraße genießen. Und wenn wir das Gefühl haben, dass es für unsere Kinder und uns besser ist, wenn wir zwei Jahre Zuhause bleiben – dann ist es doch auch richtig so. Außerdem brauchen wir künftig auch gute Handwerker und nicht nur gedrillte Akademiker. Und wir brauchen Mamas mit verschiedenen Kleidergrößen – in Vollzeit, Teilzeit und Zuhause. Aber vor allem brauchen wir fröhliche Mamas und Kinder. Machen wir uns einfach mal locker. Am Ende werden uns die meisten Mütter sogar darum beneiden.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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