Von Lilly Becker, Nannys und Mütter-Bashing

Von Lilly Becker, Nannys und Mütter-Bashing

Gestern habe ich unseren Nachbarn getroffen. Ein netter Kerl, mit einer netten Frau und zwei netten kleinen Jungs. Ich erkundigte mich nach seiner Familie, und wir kamen ins Plaudern. Er erzählte mir, dass seine Frau in den nächsten Tagen mit den beiden Jungs verreist – mit der Nanny. „Ah, deine Frau arbeitet schon wieder“, sagte ich. „Nein“, erwiderte mein Nachbar. Das saß. Ich konnte es nicht fassen. Plötzlich sah ich mich, damals mit zwei noch ganz kleinen Kindern, mit ganz schweren Trotzphasen, noch schwereren Infekten ganz allein auf weiter Flur. Um 20 Uhr kam die Ablösung – mein Mann. Bis dahin konnte der Tag manchmal sehr lang und sehr, sehr anstrengend sein.

Ich erinnerte mich plötzlich, wie ich eines Abends spät mit den Kindern von einem Kindergeburtstag nach Hause kam. Mein Mann hatte Nachtdienst. Die Kinder waren im Auto eingeschlafen. Im Stuttgarter Westen war mal wieder weit und breit kein Parkplatz in Sicht. Ich stellte mich vor die Tür auf den Parkplatz des Nachbars, mit dem ich ein zehnminütiges Parkrecht aushandelte. Dann nahm ich den Maxi-Cosi, trug ihn drei Stockwerke nach oben und stellte ihn dort ab. Danach nahm ich das zweite, etwa 18 Kilo schwere Kind über die Schulter und trug es die Treppen hoch. Ich klingelte bei den Nachbarn und bat sie, kurz auf die Kinder aufzupassen, während ich den Stuttgarter Westen eine halbe Stunde nach einem Parkplatz umkreiste. Als ich zurückkam waren beide Kinder wach und schrien.

Ich stellte mir eine große, starke und überaus geduldige Nanny vor, die meine Kinder sofort besänftig und sie ins Bett bringt. Während ich mir noch ein Entspannungsbad einlasse …  Oh weh, warum ist das Leben manchmal so ungerecht? Und dann lese ich zeitgleich von Lilly Becker, die aktuell als Kandidatin der ProSieben-Wüstenshow „Global Gladiators“ ordentlich für Stimmung bei den Müttern sorgt. Laut Focus online hatte sie acht Nannys. „Wenn ich allein für Amadeus sorge, dann habe ich absolut keine Zeit für mich selbst, (…) dann bin ich wie ein Kindermädchen!“ Schließlich müsse sie sexy aussehen, wenn ihr Mann nach Hause komme, berichtet Focus.

Oh ja, ich sah auch immer sehr sexy aus, wenn mein Mann nach Hause kam. Häufig hatte ich immer noch den Schlafanzug an, im besten Fall eine Jogginghose.

Das kann uns Mütter so wahnsinnig auf die Palme bringen, wenn wir ackern und ackern, während andere Mütter es sich so richtig gut gehen lassen und trotzdem jammern, oder? Tja, die Mütterbilanzen fallen einfach sehr, sehr unterschiedlich aus. Das kann manchmal ganz schön weh tun. Das nennt man Schicksal. Aber mal im Ernst: Ich hätte nie eine Nanny in unserem Haus gewollt. Ich möchte meine Kinder morgens selber wecken, in den Kindergarten bringen und ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Auch, wenn es manchmal sehr anstrengend ist. Ich liebe den Alltag mit meinen Kindern, und ich werde jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass das alles irgendwann mal zu Ende geht. Deshalb genieße ich jede Minute mit meinen Kindern – ohne Nanny.

Nanny hin oder her: Wir können alle sehr stolz darauf sein, was wir jeden Tag leisten. Und das alles für eine gute Sache – für die Zukunft unserer Kinder.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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