Smartphone raubt unseren Kindern ihre Kindheit

Smartphone raubt unseren Kindern ihre Kindheit

Heute muss ich mir eine Sorge von der Seele schreiben – meine Sorge „Smartphone“. Für die meisten von uns geht dieser Kummer, der regelmäßig für Konflikte in der Familie sorgt, verstärkt mit der fünften Klasse los. Aber aktuelle Studien zeigen, dass das Smartphone ja bereits schon Kleinkinder in seinen Bann zieht. Ja, ich habe auch ein Kind Zuhause, das über ein eigenes Smartphone verfügt – wie soll man sich da auch zurückhalten, wenn spätestens alle Kinder ab der weiterführenden Schule eins bekommen. Es ist ein „Solidaritätsprinzip“. Und schlagartig ändert sich alles. Hat sich das Kind doch jetzt mit zehn oder elf Jahren mehr Freiheiten verdient, muss wieder massive Kontrolle ausgeübt werden – über ein elektronisches Gerät, das gnadenlos ist, die ganze Familie beherrscht und von den meisten massiv unterschätzt wird.

Egal ob Clash Royale, WhatsApp, Minecraft oder musical.ly – sie machen alle hochgradig süchtig! Sie arbeiten mit Glücksgefühlen, Belohnungen und permanenten Dopamin-Ausschüttungen. Dagegen haben wir Eltern nichts in der Hand – egal wie groß die Liebe und wie gut der Kontakt zu unseren Kindern ist. Seit fast einem Jahr beobachte ich die jungen Smartphone-Besitzer und alle sind dem Sog erlegen – ausnahmslos. Sie sind bis in die Nacht online, sie schreiben schlechtere Noten, sie haben ihre roten Kinderwangen verloren, sie wirken phlegmatisch, sie träumen von Monstern, die nachts aus dem Handy krabbeln, sie sind Opfer von WhatsApp-Mobbing und sie haben kein anderes Thema mehr in ihrer Peergroup. Wenn wir das alles wenigstens noch mitbekommen, dann sollten wir sofort eingreifen!

Aber: Wie viel Smartphone ist erlaubt? Und: Können wir das Ganze überhaupt noch kontrollieren, wenn unsere Kinder selbstständig werden, morgens eine dreiviertel Stunde mit dem Bus oder der Bahn zur Schule fahren? Wenn sie bei ihren Freunden sind? Nein, können wir nicht. Und eigentlich sollen unsere Kinder ja auch groß und nicht permanent reglementiert werden. Auch Experten streiten über das „gesunde Maß“. Ich glaube mittlerweile nicht mehr an ein „gesundes Maß“. Ich glaube an: je weniger, desto besser. Und am besten auf alles verzichten, so lange es noch geht. So wie der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer aus Ulm es im Gespräch mit SWR1 kommentiert: „Die Smartphonesucht wird bagatellisiert.“ Und: „Smartphones machen süchtig und dumm.“

Ich bin keine Hirnforscherin, aber meine Beobachtungen als junge „Smartphone-Mutter“ zeigen mir, dass viele das Thema massiv unterschätzen und ihre Kinder Schaden nehmen. Aber die Einzigen, die es in der Hand haben, sind wir. Das bedeutet: Wir müssen uns informieren, was unsere Kinder da treiben, wie Clash Royale & musical.ly funktionieren. Was unsere Kinder den ganzen Tag in die WhatsApp-Gruppen verschicken. Wir müssen unsere Kinder davor schützen! Das ist unsere Aufgabe als Eltern. Und vor allem müssen wir unsere eigene Smartphone-Nutzung auf den Prüfstand stellen, das Gerät auch für einige Stunden am Tag einfach liegen lassen.

Lasst uns da alle an einem Strang ziehen, liebe Mamas! Lasst uns die Kindheit unserer Kinder nicht vom Smartphone rauben. Vielleicht fangen wir einfach mal mit einem handyfreien Wochenende an, um gemeinsam zu spüren, was das mit uns macht. Und wie viel Zeit plötzlich wieder da ist für andere Dinge. Das wahre Leben findet draußen statt und wartet mit so vielen Überraschungen auf uns. Was meint Ihr?

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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