Von Mütter-Mobbing und Spielplatzanwälten

Von Mütter-Mobbing und Spielplatzanwälten

Kennt Ihr das auch? Ihr sitzt auf dem Spielplatz, könnt endlich mal in Ruhe Eure Latte austrinken und die WhatsApp-Nachrichten checken, weil das Kleine gerade so schön spielt (mit dem Bagger eines anderen Kindes) – schon geht der Spielplatz-Mütterterror los. „Gibst Du ihm bitte seinen Bagger wieder zurück?“, höre ich so nebenher eine Mutter ermahnend mit meinem Kind sprechen. „Nein“, schreit mein Kleiner, der sich gerade auf dem Höhepunkt der Trotzphase befindet. Und ich weiß genau: Jetzt geht gleich gar nichts mehr, und ich werde zum Mobbingopfer auf dem Spielplatz, wenn ich nicht irgendwie einschreite. Politisch korrekt, wie man es von mir erwartet, hocke ich mich zu meinem Sohn herunter und fordere ihn sanft auf, den Bagger bitte an das andere Kind zurückzugeben, das erwartungsvoll mit seiner Mutter neben mir steht. „Nein!“, schreit mein Kind jetzt noch lauter.

Peinlich berührt und sichtlich nervös flehe ich mein Kind an: „Bitte gib den Bagger zurück, schau mal, hier ist Deine rote Schaufel.“ Mein Kind schleudert die Schaufel über den Sandkasten und trifft ein anderes Kind an den Kopf, das natürlich sofort anfangen muss fürchterlich zu weinen. Beide Mütter schütteln den Kopf. Ich fühle mich wie die Mutter eines Kriminellen. Die andere Mutter kommt auf meinen Sohn, der überhaupt nicht ansprechbar ist, zu und sagt im altklugen Ton: „Kannst Du Dich bitte bei Paul entschuldigen?“ Was für ein Jammerlappen dieser Paul, denke ich mir und muss mich beherrschen, weil mich diese politische Korrektheit und Übergriffigkeit der Mütter auf den Spielplätzen schon lange nervt. Die Baggerbesitzerin fordert noch mal meinen Sohn auf, den Bagger zurückzugeben. Geht’s noch? Wartet nur auf die Trotzphase – sie wird auch Euch irgendwann hoffentlich alle überrollen, denke ich mir. Oder wollt Ihr Eure Kinder zu langweiligen Ja-Sagern erziehen? Ich habe jedenfalls die Schanuze voll – klemme mir meinen Sohn unter den Arm, der dabei den Bagger verliert und noch lauter schreit und suche das Weite.

Das sind doch alles nur Kinder! Früher mussten wir uns die Bagger, Schaufeln und Förmchen selber wieder zurückholen und auch mal eine dicke Lippe riskieren. Heute wird alles akademisch gelöst. Heute haben die Kinder immer ihre Anwälte mit im Schlepptau, die mit Argusaugen nach den Ungerechtigkeiten die Spielplätze bewachen. Da sind die Väter übrigens auch kein bisschen besser. Und dann dieser betont korrekte Erziehungston: „Du, die Lina hat Dir auch gerade ihre Puppe gegeben, kannst Du ihr bitte jetzt auch mal Deine Puppe geben?“

Beim Verlassen ruft mir eine Mutter hinterher: „Ich hätte da auch noch einen Bagger …“ Wie schön, dass es doch noch Mütter gibt, die mich verstehen.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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