Jungsmama versus Mädchenmama

Jungsmama versus Mädchenmama

Ich habe ja immer gedacht, dass ich eine absolute Mädchenmama bin: Ballett, Blümchenkleider und später Klamotten tauschen. Pustekuchen, es war sofort klar: Es wird ein Junge. Ich konnte es gar nicht glauben. Und meine Mutter auch nicht. Aber okay, man wächst mit seinen Aufgaben. Und ich wurde sehr schnell eine überzeugte und leidenschaftliche Jungsmama. So sehr, dass ich mir beim zweiten Mal nichts sehnlicher wünschte, als noch einen Jungen zu bekommen. Und es hat geklappt.

Jetzt bin ich durch und durch eine Jungsmama: Kenne jede Star Wars-Figur mit Namen, habe stundenlang Autos über den Autoteppich geschoben, mir als „Stadionsprecherin“ auf dem Fußballplatz einen Namen gemacht und gelernt, dass Lautsein ganz wichtig ist.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr uns unserer Mutterrolle prägt, wenn wir nur Jungen oder nur Mädchen haben. Wie wir in Rollenklischees verfallen. Unter den Jungsmamas und unter den Mädchenmamas herrscht sofort eine unausgesprochene Solidarität. Ein unausgesprochenes: „Ich verstehe Dich, ich weiß genau was Du meinst.“

Die „Mischmamas“ – also die, die sowohl Mädchen als auch Jungs haben – sind privilegiert. Sie kennen beide Seiten. Häufig gibt es Verständnislosigkeit zwischen Mädchen- und Jungsmamas. Die Jungsmamas denken oft, dass sie viel mehr aushalten müssen – sie haben oft die Kinder, die schlechter schlafen, öfter krank sind, dreckiger vom Spielplatz kommen, sensibler sind, lauter sind, wilder sind, auffälliger sind, einfach viel, viel anstrengender sind. Das klingt jetzt sehr stereotyp, aber oft ist es doch so, oder?

Die Mädchenmamas ärgern sich häufig, dass wir die Jungs nicht mehr zähmen, dass wir zu viel durchgehen lassen, dass wir sie zu sehr verwöhnen, ihre Mädchen manchmal zu wenig vor den wilden Jungs schützen. Und sie haben Recht: Ja, wir verwöhnen sie zu sehr, wir himmeln sie an und lieben es, dass sie uns auch so sehr anhimmeln (das machen die Mädchen natürlich auch!). Die Jungs sind zwar oft furchtbar anstrengend, aber in vielerlei Hinsicht haben Jungsmamas es auch leichter.

Ich beobachte gerade einige Freundinnen, deren Töchter gerade anfangen zu pubertieren. Und ich habe großen Respekt vor Mädchenmamas. Auch wenn ihre Kinder vielleicht manchmal nicht so anstrengend und laut sind, denke ich jetzt: Ihr habt einen viel anspruchsvolleren Job. Ihr seid DIE Rollenvorbilder für Eure Mädchen. Ihr werdet knallhart beobachtet und bewertet, wie Ihr ausseht, Euch schminkt, welche Figur Ihr habt … Eure Mädels sind Eure größten Kritiker. Ihr müsst einen richtig guten Job machen, weil Ihr das Rollenbild Eurer Töchter ein Leben lang prägt.

Das ist bei uns Jungsmamas auch so, aber wir können in der Zeit der Pubertät und auch schon vorher ein bisschen Verantwortung abgeben – da ist der Vater die große und wichtige Leitfigur. Das große Rollenvorbild. Und wenn es gut läuft für uns, werden wir von den Jungs noch weiter ein bisschen angehimmelt. Vielleicht ist das ein gerechter Ausgleich. Und: Na klar, es gibt da natürlich auch ganz viele Ausnahmen.

Und manchmal beneide ich Euch Mädchenmamas doch: Wenn ich für meine Jungs Klamotten kaufe und an den Mädchensachen vorbei komme, dann würde ich am liebsten ein Blümchenkleid mitnehmen. Und ich freue mich über jeden Mädchenbesuch in unserem Haus. Denn es macht so viel Spaß mit ihnen zu reden. Plötzlich ist da jemand, der mich versteht.

Ist doch einfach schön, dass es beides gibt.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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