Kinderbuchautorin, Mama und Weltreisende Julia Heier verwirklicht ihre eigenen Träume

Kinderbuchautorin, Mama und Weltreisende Julia Heier verwirklicht ihre eigenen Träume

Wer träumt nicht davon, ein eigenes Kinderbuch zu schreiben, und das Buch in seinem eigenen Verlag zu veröffentlichen? Julia Heier aus Konstanz hat sich ihren Traum erfüllt. Die 34-jährige Mutter einer fast vierjährigen Tochter hat ihr Kinderbuch „Pablos Reise“ in ihrem eigenen Lene Verlag herausgegeben. Ein rührendes und Mut machendes Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren, das von einem kleinen Hund erzählt, der seine Mutter im Gemenge der italienischen Großstadt verliert und das Herz eines Mädchens erobert, mit der er heimlich an den Bodensee reist. Julia arbeitet neben ihrem Verlagsgeschäft als Lehrerin und Dozentin. Beide Jobs betreibt sie mit Herzblut. Sie möchte aber weiterschreiben. Aktuell arbeitet sie an einer weiteren Folge von Pablo und an einem Buch für Erwachsene. Ende Oktober nimmt sie sich eine Auszeit und reist mit ihrer Familie durch Südostasien und Neuseeland. Dann hat sie genug Zeit zum Schreiben. Eine tolle Mama, die sich ihre Träume einfach erfüllt. Im SCHWABEN-MOM-Interview verrät sie Euch, wie das geht.

SCHWABEN-MOM: Du hast Dein erstes Kinderbuch geschrieben mit dem Titel ‚Pablos Reise‘. Erzähl uns von Deinem Buch. Worum geht es?

Julia: ‚Pablo Reise‘ handelt von der Geschichte eines kleinen italienischen Straßenhundes, der das Herz eines Mädchens erobert und heimlich mit ihr an den Bodensee reist. Dabei stehen Themen wie Freundschaft und Mut, die Suche nach Heimat und Geborgenheit im Vordergrund.

SCHWABEN-MOM: Es ist auch eine Flüchtlingsgeschichte. Wie kamst Du zu dem Thema?

Julia: Sehr viele Leser haben mich nach der Veröffentlichung auf dieses Thema angesprochen, dabei war es nicht meine erste Intention, ein Flüchtlingsschicksal darzustellen. Und doch steht Pablo stellvertretend für all jene, die durch unglückliche Umstände ihr Zuhause verlieren und unter nicht ganz einfachen Startbedingungen neu anfangen müssen. Dabei spielt der Ort nicht die entscheidende Rolle – vielmehr geht es um die Menschen, die einem das Gefühl geben, angekommen zu sein und sich beschützt und sicher zu fühlen. Dass dieses Gefühl nicht immer von rein familiären Bindungen ausgehen muss und alle Menschen Gutes in sich tragen, zeigt auch ‚Pablos Reise‘.

SCHWABEN-MOM: Das Buch hat ein offenes Ende. Es wird nicht klar, was mit Pablos Mama passiert. Ist es ein trauriges Buch?

Julia: Dass Pablo schon auf der dritten Doppelseite seine Mutter im Gemenge der italienischen Großstadt verliert, macht viele Kinder betroffen. Auch später erfährt man nicht, ob Hundemama Lina jemals zu ihren Kindern zurückfindet und ob es auch für sie ein Happy-End gibt. Das Buch spricht ein wichtiges Thema bei Kindern an: der Umgang mit Trennungen und die damit einhergehende Trauer um den Verlust einer geliebten Person. Dass der kleine Streuner es schafft, diese zu überwinden und zusammen mit dem Mädchen Karla ein neues Leben zu beginnen, trägt allerdings eine rundum positive Botschaft in sich.

SCHWABEN-MOM: Du hast auch einen eigenen Verlag gegründet, in dem das Buch veröffentlicht wird. Wie kamst Du auf die Idee? Hast Du Dir einen persönlichen Traum verwirklicht?

Julia: Ja! Mir war es einerseits wichtig, dass ‚Pablos Reise‘ genau so gedruckt wird, wie es nun Anfang September erschienen ist: mit 18 handgemalten, großflächigen Zeichnungen, dem ungekürzten Text mit 15-minütiger Lesezeit auf dickem Öko-Papier mit einem hochwertigen Offset-Druck-Verfahren sowie einer Fadenheftung im Sonderformat DIN A 4 quer – dieses wird in Deutschland aufgrund der höheren Kosten nur noch sehr selten hergestellt.

Ich habe nach meinem Studium bei zwei größeren Verlagen als Lektorin und Autorin gearbeitet und daher einen guten Einblick in die Verlagsarbeit erhalten. Trotzdem war ich vor der Veröffentlichung auf die Hilfe und Arbeit einer passenden Illustratorin, die Unterstützung durch eine sehr gute Gestaltungsagentur und Druckerei sowie auf ein professionelles Kinderbuch-Lektorat angewiesen. Bei der Verlagsgründung und beim Vermarkten des Buches habe ich aber mindestens ebenso viel Herausforderndes und Spannendes erlebt wie bei der Konzeption und dem Verfassen von ‚Pablos Reise‘.

SCHWABEN-MOM: Wird es weitere Bücher geben?

Julia: Ja, hoffentlich! Gerade befinde ich mich in einer beruflichen Auszeit von sechs Monaten und schreibe an ‚Pablos Abenteuer am Bodensee‘ und einem Roman für Erwachsene.

SCHWABEN-MOM: Viele Mütter träumen davon, einmal ein Kinderbuch zu schreiben. Was rätst Du ihnen?

Julia: Hab Geduld! Eine gute Geschichte braucht ihre Zeit, sie ist nicht plötzlich da, sondern entwickelt sich mit dem Schreiben immer wieder neu.

Rechne mit dem Schlimmsten! So kannst du besser mit kleineren Niederlagen (die zweite Illustratorin ist nach Monaten des Wartens abgesprungen, der erste Druck war miserabel, deine Lieblingsverlage antworten nicht auf dein Manuskriptangebot und so weiter …) umgehen.

Bleib dir und deinem Stil treu! Es ist egal, dass gerade Einhornzuckerwatten auf neonfarbigen Buchcovern in sind, du aber auf Rudolf-Steiner-Buntstifte stehst. Nur wenn du dein Buch voll und ganz magst, werden es auch andere mögen.

Lass dir zuhören und reinreden! Lies dein Buch noch vor der Veröffentlichung einem möglichst breiten Publikum – also möglichst vielen Kindern vor – und bitte um Ratschläge und konstruktive Kritik.

SCHWABEN-MOM: Du hast nicht nur einen Verlag, sondern arbeitest auch als Lehrerin. Wirst Du Dich irgendwann komplett der Selbstständigkeit widmden?

Julia: Ich arbeite zu 60 Prozent als Gymnasiallehrerin und gebe zudem noch jeweils ein Seminar pro Semester an der Universität. Die Selbständigkeit als Autorin und Verlegerin ist für mich eine tolle Alternative zu der Vollzeitbeschäftigung, die meinen Beruf auch inhaltlich optimal ergänzt. Ich bin allerdings viel zu gerne Lehrerin an einer tollen Schule, als dass ich vollkommen selbständig sein möchte.

SCHWABEN-MOM: Wie schaltest Du ab – neben Deinem kreativen Arbeiten?

Julia: Ich habe einen Hund und ein Pferd – und bin mit meiner Tochter am liebsten im Wald oder am See. Außerdem gehe ich sehr gerne ins Theater.

SCHWABEN-MOM: Und bitte noch einen echten Geheimtipp für die Stuttgarter Mütter vom Bodensee!

Julia: Die Reichenauer „Sandseeele“ – hier gibt es den romantischsten Blick bei Sonnenuntergang auf die Hegauer Vulkane und das Schweizer Seeufer, einen tollen Spielplatz mit unendlich viel Wasser für die Kids und frisch gegrillten Bodenseefisch. Wenn es zu spät wird, kann man im mitgebrachten Zelt oder im Fahrradbungalow auf der Wiese nebenan übernachten.

SCHWABEN-MOM: Du gehst jetzt bald auf Weltreise. Erzähl uns davon.

Julia: Wir reisen ab Ende Oktober als Familie für mehrere Monate durch Südostasien und Neuseeland. Mein Mann wird von dort aus arbeiten – und ich werde einmal voll und ganz Mama sein und mich dem Schreiben widmen. Das ist für mich eine besondere Erfahrung, weil mein Mann nach der Geburt ein Jahr Elternzeit genommen hat und ich nach dem Mutterschutz sofort wieder meinen Beruf aufgenommen habe.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Julia: Alles! Ich bin unheimlich gerne Mutter. Vielleicht ist es die unendliche, bedingungslose Liebe, die ich jeden Tag aufs Neue für diesen kleinen Menschen fühle.

Pablos Welt

Infos zum Buch „Pablos Reise“:
Autorin: Julia Heier
Illustration: Helena Haslach
ab vier Jahre
40 Seiten / 18 Illustrationen
Format: DIN A4 Querformat, Hardcover
ISBN: 978-3-00-057405-4
Preis: 17,95 Euro (inkl. Versand)
erhältlich über die Verlagswebseite www.lene-verlag.de (inkl. digitaler Version) und im Buchhandel

Weite Infos:

www.lene-verlag.de

Foto Julia: © Christian Fitze

Cover: © Lene Verlag