Eckart von Hirschhausen: „Eltern müssen nicht noch mehr tun – sondern lieber mal was lassen“

Eckart von Hirschhausen: „Eltern müssen nicht noch mehr tun – sondern lieber mal was lassen“

Er ist TV-Moderator, Mediziner, Zauberkünstler, Kabarettist, Comedian und Schriftsteller. Und: Eckart von Hirschausen hat bei allem was er tut, ein besonders großes Herz für Kinder. Mit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“ bringt er mit Clownsbesuchen heilsame Stimmung für Kinder ins Krankenhaus. Jetzt hat er den vierten Teil seiner CD-Reihe „Ist das ein Witz?“ herausgebracht. Zusammen mit dem Fernsehmoderator und „Frag doch mal die Maus“-Kollegen Ralph Caspers bittet Eckart von Hirschhausen Kinder auf die Bühne, um ihre liebsten Witze zu erzählen. Das lustige Witze-Sammelsurium gibt es jetzt als CD. Der Erlös des Hörbuchs „Ist das ein Witz? Kommt ein Kind zum Arzt …“ ist für einen guten Zweck und kommt seiner Stiftungarbeit zugute. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt Eckart von Hirschhausen, warum Lachen so gesund ist, warum Eltern lieber mal was lassen sollten und was sein besonders magischer Moment in seiner Arbeit mit kranken Kindern war.

SCHWABEN-MOM: Haben Sie heute schon gelacht und worüber?

Eckart von Hirschhausen: Na klar. Sie nicht? Ich habe mir angewöhnt: Wenn mich ein freundliches Gesicht morgens aus dem Spiegel anschaut – ich lächle einfach zurück!

SCHWABEN-MOM: Warum lachen Kinder eigentlich mehr als Erwachsene?

Eckart von Hirschhausen: Weil sie den Quatsch vom „Ernst des Lebens“ noch nicht so oft gehört haben.

SCHWABEN-MOM: Über was Lachen Kinder?

Eckart von Hirschhausen: Das ist sehr verschieden, worüber Kinder sich beömmeln können und ein Abbild der jeweiligen geistigen Entwicklung. In der Kindergartenphase muss man nur ‚Pippi‘ und ‚Kacka‘ sagen – und alle schmeißen sich weg. Das ist für Komiker natürlich die dankbarste Phase. Einige Kollegen halten sich ein Leben lang an dieses Erfolgsrezept… (lacht) Wenn man Kinder in der Entwicklung begleitet, merkt man, wie schnell der Sprachhumor zunimmt – etwa, wenn sie mit dem Reimen beginnen oder Wörter vertauschen. Nonsens-Humor ist dann aber eine echte Herausforderung: Ich weiß selbst noch genau, wie ich mit 14 Jahren ‚Das Leben des Brian‘ gesehen habe – und überhaupt nicht komisch fand. Heute ist der Film für mich eine der großartigsten Leistungen von Monty Python. Nicht nur die Leber wächst mit ihren Aufgaben, auch Humor wächst mit dem, was man im Kopf hat.

SCHWABEN-MOM: Warum ist Lachen so gesund? Was passiert in unserem Körper?

Eckart von Hirschhausen: Humor ist die komplexeste Hirnleistung überhaupt. Bei Kindern kann man sehr schön die Entwicklungsphasen beobachten, ab wann sie welche Art von Witzen kapieren und schätzen. Es gibt nicht ein Humorzentrum im Kopf, sondern viele Gebiete müssen reibungslos zusammenarbeiten. In der Evolution hat sich Humor als Überlebensstrategie herausgebildet. Zum einen ist das Lachen für den Körper der schnellste Anti-Stress-Mechanismus. Zum anderen korrigiert Humor Fehlannahmen unseres Gehirns über die Welt und schützt uns so davor, uns und unsere Überzeugungen zu ernst zu nehmen. Deshalb ist Humorlosigkeit auch ein wichtiger diagnostischer Hinweis auf Autismus auf der persönlichen und auf Fundamentalismus auf der gesellschaftlichen Ebene. Sage mir, worüber du lachst, und ich sage dir, wer du bist.

SCHWABEN-MOM: G8-Abitur, Ganztagsschulen, Freizeitstress: Die Kinder sind heutzutage voll durchgetaktet und leiden laut Studien immer mehr unter psychosomatischen Beschwerden. Ist das Familienleben zu ernst geworden? Bleibt der Humor auf der Strecke? Was können wir als Eltern tun?

Eckart von Hirschhausen: Eltern müssen nicht noch mehr tun – sondern lieber mal was lassen. Freiräume lassen, wo Kreativität und Humor entstehen kann. Ich habe ja für meine neue CD ‚Ist das ein Witz? Kommt ein Kind zum Arzt …‘ mich selber auf ein Experiment eingelassen, indem Ralph Kaspers und ich einen ganzen Saal voll Kinder nach ihrem Lieblingswitz gefragt haben. Die Kinder sollten uns die Show stehlen – und das ist gelungen! Für viele Kinder war es das erste Mal, vor so einer großen Menge von Menschen auf einer Bühne zu stehen – und dabei über sich hinauszuwachsen. Die Freude daran ist ansteckend – und mit den Witzen auf der CD lässt sich das Weitererzählen wunderbar üben.

SCHWABEN-MOM: Geben Sie uns eine Kostprobe?

Eckart von Hirschhausen: Gerne vier – für jeden Geschmack etwas.

Ein Junge fährt in Berlin ganz langsam vor einer Straßenbahn her. Der Fahrer hupt und ruft: „Eh Junge, kannst du nicht woanders fahren?“. Da ruft der Junge zurück: „Ich schon – aber du nicht!“

Was ist weiß und rollt den Berg hoch? Eine Lawine mit Heimweh.

„Was sagt der Tausendfüßler, wenn er zu Weihnachten neue Schuhe bekommt? – Tausend Dank!“

Apropos Weihnachten. Ich sollte erwähnen, dass sich die CD wunderbar als Geschenk eignet, so unauffällig wie in dem letzten Witz:

„Moritz betet ganz laut: Lieber Gott, schenk mir zu Weihnachten ein neues Fahrrad! Der Vater kommt ins Zimmer und meint: Gott ist doch nicht schwerhörig! Moritz antwortet: Gott nicht – aber Opa nebenan!“

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Witze für eine guten Zweck – Eckart von Hirschhausen mit Kindern auf der Bühne / Foto: © Ben Knabe

SCHWABEN-MOM: Die Erlöse der neuen CD gehen an Ihre Stiftung ‚Humor hilft heilen‘. Erzählen Sie uns von Ihrer Stiftungsarbeit.

Eckart von Hirschhausen: Die CD ist ein Benefizprojekt von Kindern für Kinder. Meine Stiftung ‚Humor hilft heilen‘ bringt Stationen heilsame Stimmung ins Krankenhaus. Dazu besuchen Clowns kranke Kinder, wir trainieren in Workshops die Pflegekräfte, ihre eigene Persönlichkeit und ihren Humor einzubringen und wir gestalten Wände und Zimmer kindgerecht und fröhlich. Auch wenn der Volksmund lange schon weiß, dass Lachen die beste Medizin ist, zahlt das alles nicht die Kasse. Aktuell unterstützen wir an der  Universität Frankfurt die Kinderschutzambulanz, denn so traurig das Thema ist, so wichtig ist es, Ärzte und Pflegekräfte viel besser darauf zu schulen, Misshandlungen zu erkennen statt sie zu übersehen. Und wir machen ein neues Projekt ‚Singpause‘, das in knackigen 20 Minuten-Einheiten das gemeinsame Singen in die Grundschulen bringt. Musikunterricht fällt oft aus, dabei ist Singen für die Seele so wichtig wie lachen. Und je früher wir das lernen, desto selbstverständlicher gehört es dazu. Im Auto meiner Eltern gab es kein Radio, also haben wir die Mundorgel rauf und runter gesungen. Heute hockt jeder mit seinem eigenen Kopfhörer stumpf nebeneinander. Singt mal wieder!

SCHWABEN-MOM: Sie haben schon vielen Kindern – auch sehr kranken – ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Gab es einen besonders magischen Moment für Sie?

Eckart von Hirschhausen: Vor sehr vielen Jahren habe ich selbst ein kleines Wunder erlebt, bei einer Zaubershow von mir in einer Kinderklinik: Alle Kinder und Jugendlichen kamen in der Turnhalle zusammen, durften mitmachen, pusten und lachen und laut zählen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und sagte, er müsse mir erzählen, was er beobachtet hatte: «In der ersten Reihe saß ein Junge, ich weiß nicht, ob er Ihnen aufgefallen ist. Der ist hier seit Wochen stationär, weil er mit keinem Menschen spricht. Er ist verstummt.» Diese Störung kannte ich, sie nennt sich Mutismus; obwohl neurologisch alles intakt ist, hören die betroffenen Kinder aus innerer Not auf zu kommunizieren. Der Arzt sagte mir: ‚Ich habe den Jungen beobachtet. Er hat in Ihrer Show seine Störung vergessen! Er hat einfach so mit allen anderen gelacht, Quatsch gemacht und erzählt.‘ In diesem Moment war ich kurz sprachlos. Dann wurde mir klar: Nicht ich habe den Jungen geheilt, sondern die Gruppe. Ich habe vielleicht einen Rahmen geschaffen, aber das Miteinander war das eigentlich Wirksame. Die Ansteckungskraft von positiven Gefühlen, von Kunst, von Verzauberung, von Staunen und Lachen ist groß und ich möchte helfen, sie wieder zu entdecken und ernst zu nehmen.

CD „Ist das ein Witz? ? Vol. 4 mit Eckart von Hirschhausen und Ralph Caspers

Packshot_CD-Witze

Weitere Infos zur CD findet Ihr hier.

Weitere Infos:

www.humorhilftheilen.de

Fotos: © Ben Knabe