Von schrecklichen Lehrern und einem guten Bauchgefühl

Von schrecklichen Lehrern und einem guten Bauchgefühl

Wir kennen sie alle noch, oder? Diese Lehrer, die einem so richtig Angst machten. Die mit der besonders lauten Stimme, dem schrecklich strengen Blick oder dieser furchtbar zerstörenden Art. Wie werden sie nie vergessen. Angespannt saßen wir im Unterricht und die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Wir hatten Angst, unaufgefordert drangenommen zu werden und unter dem strengen Blick des Lehrers vor der ganzen Klasse zu versagen. Oder an der Tafel vorne, ganz alleine an den quadratischen Gleichungen zu scheitern, während die Kommentare des Lehrers uns noch kleiner machten. Ja, wir haben alle schon diese Erfahrungen gemacht. Haben Sie uns stärker gemacht, oder haben sie uns geschwächt?

Das habe ich mich in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt. Aus einem ganz aktuellen Anlass: Mein kleiner Sohn bekam eine neue Klassenlehrerin nach den Sommerferien. Eine besonders gefürchtete. Eine, an der sich die Eltern schon seit zehn Jahren die Zähne ausbeißen. Eine Art Borderline-Persönlichkeit: zuckersüß und im nächsten Moment knallhart. Sie schreit, knallt Fenster, zerknüllt Zettel von Schülern, wenn ihr die Antworten nicht passen und tritt Mülleimer durch die Gegend – Letzteres haben wir nicht erlebt, aber diese Geschichte wird seit Jahren in unserem Dorf erzählt. Obwohl sie sich in den ersten Wochen scheinbar Mühe gab, war diese Frau für meinen Sohn nur schwer zu ertragen. Er hatte Angst, wollte nicht mehr in die Schule. Er wollte auf eine andere Schule.

Ich konnte meinen Sohn so gut verstehen. Und deshalb handelte ich blitzschnell. Ganz intuitiv. Ich meldete ihn von einem auf den anderen Tag in einer anderen Schule an. Ich muss zugeben, ich hatte schon immer wieder mit dieser Schule geliebäugelt. Innerhalb zwei Wochen war das ganze Thema erledigt. Mein Sohn hat jetzt einen tollen neuen Klassenlehrer, eine tolle neue Schule und zieht morgens wieder mit großer Freude und entspannt los. Als ich die Geschichte in meinem Freundeskreis erzählte bildeten sich zwei Fraktionen: Die einen meinten, man müsse auch mal was aushalten im Leben, die anderen konnten die Entscheidung verstehen.

Eine Entscheidung, an die wir als Mütter immer wieder geraten – gerade von sensiblen Kindern: Was mutet man seinen Kindern zu? Was erspart man ihnen lieber, wenn man kann. Ja, es ist richtig, Kinder müssen lernen, dass Menschen unterschiedlich sind. Dass es nicht nur nette gibt, die es gut mit uns meinen. Aber das lernen sie ja sowieso. Und wo ist die Grenze zwischen nicht so netten und schädigenden Persönlichkeiten?

Ich hatte auf dem Gymnasium einen Mathelehrer, der war von vielen so gefürchtet, dass sich einige Kinder mit einem Attest vom Arzt von seinem Unterricht befreien ließen. Eines Tages erfuhren wir, dass dieser Lehrer beim Verkehrsunfall ums Leben kam. In unserer Schule wurde eine Party gefeiert. Es war für mich damals erschreckend. Dass es solche Lehrer gibt, und dass der Tod dieses Lehrers für viele Kinder eine große Befreiung war. Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt.

Von daher sollte man doch einfach auf seinen Bauch hören: Was tut meinem Kind gut, was nicht? Und wann kann es lernen, über seinen Schatten zu springen? Ein Schulwechsel in eine feste neue Klassengemeinschaft ist übrigens auch eine große Herausforderung. Und auch hier wird es Höhen und Tiefen geben. Aber ich glaube, dass mein Sohn dabei am Ende viel mehr über das Leben gelernt hat. Vor allem, dass man sich im Leben nicht alles gefallen lassen muss und dass man nicht allen Situationen im Leben hilflos ausgeliefert ist.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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