Elternzeit als Gründerzeit: Heike Adelsbach gründet Onlineshop für Jungsmode

Elternzeit als Gründerzeit: Heike Adelsbach gründet Onlineshop für Jungsmode

Sie gehört zu diesen Müttern, bei denen sich viele von uns fragen: Wie macht sie das alles? Heike Adelsbach aus Stuttgart-Weilimdorf ist Mutter von Ben (neun Jahre) und Noah (dreieinhalb Jahre) und hat dieses Jahr ein Unternehmen gegründet – einen Onlineshop nur für Jungsmode. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes bemerkte die 38-Jährige schnell, dass es sehr schwer war, farbenfrohe Kleidung für Jungs zu finden. Es gab immer die gleichen Farbtöne: blau, grau, grün. Die Idee für einen Shop für Jungsmode war mit dem ersten Sohn geboren. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes nutzte sie die Elternzeit und begann, die Idee weiterzuentwickeln. Dieses Jahr kündigte sie ihren Job und startete mit ihrem Onlineshop ‚beNoah‘ durch. Sie arbeitet täglich zehn Stunden – häufig auch am Wochenende. Ihr Mann unterstützt sie dabei. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie Euch, warum das eigene Business so viel Spaß macht, wie sie ihre Selbstständigkeit mit ihrem Familienleben vereinbart und was das Schönste am Mamasein ist.

SCHWABEN-MOM: Du hast 2017 einen Onlineshop für Jungsmode gegründet. Wie kamst Du auf diese Idee?

Heike: Ich bin selbst Mama von zwei Söhnen und habe bei meinem ersten Sohn recht schnell gemerkt, dass es schwierig ist, farbenfrohe Kleidung für Jungs zu finden. Für die Jungen gibt es immer die gleichen, teils langweiligen Farbtöne – blau, grau, braun. Wenn ich jetzt ein Mädchen hätte, könnte ich ohne Ende einkaufen, habe ich immer gedacht. Es war mir stets wichtig, Kleidung in anderen Farben zu kaufen, als es ein Standardsortiment für Jungs hergab.

Schon damals habe ich über einen Onlineshop für Jungs nachgedacht, jedoch war ich beruflich zu sehr eingespannt, um die Idee weiter zu verfolgen. Als ich vor drei Jahren für meinen kleinen Sohn die alten Sachen vom Großen aus dem Keller holte, musste ich feststellen, dass trotz meiner Bemühungen der Großteil der Kleidung dunkel war. In der Elternzeit mit meinem Jüngsten habe ich dann angefangen, meine Geschäftsidee langsam umzusetzen. Mein Mann hat mich damals sehr ermutigt, die Zeit zu nutzen, um meine Idee endlich zu verwirklichen. Elternzeit als Gründerzeit sozusagen – das war der perfekte Zeitpunkt für den Start.

SCHWABEN-MOM: Wie hast Du dann losgelegt? Hast Du Deinen Job gekündigt?

Heike: Mein kleiner Sohn Noah wurde mit einem Jahr halbtags von einer Tagesmutter betreut. Etwas später besuchte er ganztags eine Kita. Ich habe bis zum Ende der Elternzeit bei meinem alten Arbeitgeber auf Minijob-Basis weiter gearbeitet. Somit hatte ich nebenberuflich auch noch etwas Zeit, mich mit meiner Gründung auseinander zu setzen. Ich habe Gründer-Veranstaltungen besucht, mich auf Fachmessen im Kindermodenbereich umgesehen, viele Informationen zu den unterschiedlichsten Themen eingeholt, mich intensiv mit der Markenanmeldung beschäftigt, mit Agenturen bezüglich der Shop-Programmierung gesprochen und Unternehmensberatungen hinzugezogen. So kam nach und nach alles ins Rollen. Seit April dieses Jahres arbeite ich Vollzeit in meinem Business.

SCHWABEN-MOM: Was bietet Ihr an, was zeichnen Eure Produkte aus?

Heike: Wir verkaufen ausschließlich Bekleidung für Jungs zwischen einem Jahr und zehn Jahren und haben uns vorerst auf wenige Marken festgelegt. Wir verkaufen Marken, die etwas teurer und dennoch bezahlbar sind und eine sehr gute Qualität haben. Wir setzen auf schöne und besondere Farben, aber es finden sich auch Teile mit dunklen Tönen in unserem Angebot. Liebhaber von Marineblau oder Grau finden bei uns also auch etwas. Wir werden den Shop weiter ausbauen – ein eigenes Angebot speziell für Teenager ist zukünftig auch angedacht.

SCHWABEN-MOM: Ihr seid ein richtiges Familienunternehmen. Wie funktioniert das im Alltag?

Heike: Ich arbeite momentan noch komplett von Zuhause aus. Wenn die Kinder morgens gemeinsam mit meinem Mann aus dem Haus gehen, fange ich an zu arbeiten. Das ist gegen sieben Uhr. Ich bearbeite Bestellungen, Kundenmails, eingehende Ware, formuliere Produktbeschreibungen und stelle sie online, überlege mir Aktionen und arbeite mich ständig in neue Themenbereiche ein. Ich habe vor einigen Jahren in einem Versandhandel gearbeitet. Meine Erfahrungen aus dieser Zeit helfen mir sehr. Es gibt natürlich eine Menge dazu zu lernen, wie beispielsweise den ganzen Apparat des Onlinemarketings. Das macht die ganze Sache sehr spannend und abwechslungsreich.

Mein großer Sohn kommt gegen 16 Uhr von der Schule nach Hause. Dann mache ich einen Cut, und wir besprechen gemeinsam seinen Tag und die anstehenden Hausaufgaben. Um uns im Alltag zu entlasten, haben wir seit einiger Zeit ein Au-pair-Mädchen. Sie wohnt bei uns im Haus und hat sich wunderbar eingelebt. Sie holt meinen kleinen Sohn so vom Kindergarten, dass sie gegen 17 Uhr daheim sind. Dann haben wir mit dem Großen das Wichtigste besprochen und die Kinder haben Spielzeit.

Ich arbeite dann noch ein wenig weiter. Hauptsächlich an Dingen, die nicht meine volle Konzentration benötigen. In Summe komme ich etwa auf zehn Stunden Arbeitszeit am Tag. Meistens arbeite ich auch am Wochenende, wobei wir zusehen, dass der Sonntag weitestgehend arbeitsfrei und dem Familienleben vorbehalten bleibt. Es ist schon viel Arbeit, aber es macht mir sehr viel Spaß, weil es mein eigenes Business ist. Ich sehe es gar nicht als Arbeit. Mein Mann ist oft ab acht Uhr abends auch mit dabei. Dann sind die Kinder im Bett. Er arbeitet hauptberuflich als Einkäufer und kann seine Erfahrung und sein breites Wissen sehr gut mit einbringen.

Es vergehen sicher drei bis vier Jahre, ehe sich das Geschäftsmodell trägt. Das erste Feedback aus dem Markt und von den Kunden ist sehr positiv. Ich verpacke alles ganz sorgfältig und liebevoll, mit einer handgeschriebenen Karte und einer kleinen Aufmerksamkeit. Das kommt bei meinen Kunden gut an. Manche schicken sogar Fotos von ihren Jungs, damit ich sehe, für wen die Artikel bestimmt sind. Das ist dann sehr persönlich, und es freut mich jedes Mal aufs Neue.

Familienfoto

Kleines Familienunternehmen: Heike mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen Ben (links) und Noah

SCHWABEN-MOM: War die Selbstständigkeit auch ein Grund für eine flexiblere und selbstbestimmtere Arbeitsweise?

Heike: Es war eher die Geschäftsidee ausschlaggebend. Die Vorstellung, selber etwas auf die Beine zu stellen. Ich hatte vorher eine super Chefin und konnte immer sehr flexibel arbeiten. Es ging mir viel mehr darum, das eigene kreative Business zu starten, eigene Ideen zu verfolgen und umzusetzen. In der Selbstständigkeit gibt es immer neue Herausforderungen. Routine und Langeweile haben keine Chance.

SCHWABEN-MOM: Wie kannst Du am besten entspannen zwischen Job und Kindern? Was bringt Dich runter?

Heike: Laufen ist meine große Entspannungsquelle. Einmal am Tag muss ich raus zum Joggen oder Walken. Das ist meistens am späten Nachmittag oder am Abend und meist in Begleitung meiner Schwester. Im Sommer starten wir oft schon vor sechs Uhr morgens mit unserer Laufrunde. Wir sind passionierte Frühaufsteherinnen und haben tatsächlich Spaß daran. Ein bis zweimal im Jahr nehme ich mir ein Wochenende ‚familienfrei‘ und gehe mit einer Freundin oder meiner Schwester in ein Wellnesshotel.

SCHWABEN-MOM: Was ist Euer Lieblingsplatz in Stuttgart als Familie?

Heike: Wir gehen alle sehr gerne auf den Killesberg, in die Wilhelma oder schlendern gemütlich durch den Schlossgarten. Ich mag Stuttgart sehr. Die Stadt ist recht übersichtlich und sehr grün – mit viel Wald und tollen Weinbergen.

SCHWABEN-MOM: Bist Du gerne Jungsmama?

Heike: Ich war  immer überzeugt davon, dass ich mal Mädchen haben werde. Jetzt habe ich zwei Jungs, freue mich natürlich darüber und finde es super spannend. Durch die zwei komme ich mit so vielen Themenbereichen in Berührung, die mich vorher nicht ansatzweise interessiert haben. Ich weiß jetzt viel über Autos, Laster und Eisenbahnen. Ich kenne fast jede Baustelle im näheren Umkreis und bin bestens darüber informiert, welche Baufahrzeuge dort im Einsatz sind. Wir spielen Fußball, wir schrauben, hämmern und sägen. Ich habe mir ein Mountainbike gekauft, um mit dem Großen durch den Wald fahren zu können – schließlich will ich ja mithalten. Ab und zu habe ich mich sogar schon bei einem Bundesliga-Fußballspiel dazugesetzt und mitgefiebert. Selbst Autosendungen können sehr informativ sein – nie hätte ich mir freiwillig eine solche Sendung angesehen.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Heike: Das Schönste und Spannendste ist, zu sehen, dass es zwei Individuen sind, die da heranwachsen und wie unterschiedlich die Kinder sein können. Ich genieße die Zeiten, die wir bewusst zusammen erleben. Das gemütliche Vorlesen, vom Tag erzählen, gemeinsam etwas spielen. Und was ich auch schön finde ist, dass man mit seinen Kindern die Welt wieder mit anderen Augen sieht: Hier der Regenwurm, da eine Ameise und dort arbeitet die Spinne an ihrem Netz. Es ist immer wieder sehr faszinierend, wie begeistert Kinder auf einen Regenbogen reagieren. Man nimmt die Welt wieder viel bewusster wahr.

Weitere Infos:

www.benoah-shop.com

Fotos: ©  Sara Catherine White, Stuttgart / www.sara-white.de