Julia Emer: „Mein eigener Kinderladen ist ein lang ersehnter Traum“

Julia Emer: „Mein eigener Kinderladen ist ein lang ersehnter Traum“

Im Stadtkern von Backnang findet man einen kleinen Juwel namens ‚Pünktchen und Anton‘. Ein kleiner, feiner Kinderladen mit wunderschönen Produkten für das Kinderzimmer, zum Spielen und für das Baby. Vom feinen Kindertee-Service über niedliche Elefanten-Nuckeltücher bis zum Holzlaufrad im Retrostil. Julia Emer hat ihren Laden im Sommer eröffnet. Zuvor arbeitete sie als Assistentin bei einem amerikanischen Automobilzulieferer. Von einem eigenen Kinderladen hat die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin schon immer geträumt. Die 35-jährige Stuttgarterin ist Mutter von zwei Söhnen – fünf und sieben Jahre alt. Um trotz Ladenbesitz auch viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, hat sie sich Hilfe von zwei Müttern für ihr Geschäft geholt – so können sie sich die Arbeitszeiten teilen. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie, wie sie ihren Laden im Familienalltag stemmt, warum sich die Selbstständigkeit lohnt und welche Energiequellen sie dafür nutzt.

SCHWABEN-MOM: Dir gehört in Backnang der Kinderladen „Pünktchen & Anton“. Was kann man bei Dir kaufen?

Julia: Bei mir kann man wunderschöne Holzspielwaren aus Frankreich und Skandinavien finden. Ebenfalls Produkte aus der Region wie zum Beispiel unsere Kinderküche, die direkt in Backnang mit Handarbeit gefertigt wird. In die Kuschelhasen von Maileg haben wir uns total verliebt, wie auch in die Mäuse-Geldbeutel aus reinem Leder von Easy Peasy, ebenfalls aus Frankreich. Kinderbekleidung, die Tonies und die tierischen Rucksäcke von Affenzahn und noch vieles mehr.

SCHWABEN-MOM: Wie kamst Du auf die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen? War das ein lang ersehnter Traum?

Julia: Ja, die Sache mit dem eigenen Laden war tatsächlich schon ein lang ersehnter Traum. Seit meiner Schwangerschaft wollte ich einen Kinderladen eröffnen, der wie ein Kinderzimmer gestaltet ist. Ich habe schon als Jugendliche in einem Kinderbekleidungsladen mein Taschengeld aufgebessert und war später eine Zeit lang im Einzelhandel tätig. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Da meine Jungs jetzt soweit sind, dass ich vormittags nicht zwingend zu Hause sein muss, haben mein Mann und ich beschlossen, dieses Projekt jetzt anzugehen.

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Wie ein Kinderzimmer – so soll Julias Laden sein

SCHWABEN-MOM: Wie sieht Dein Alltag aus? Wie organisierst Du den Laden mit Deinem Familienleben?

Julia: Es war doch eine ziemliche Umstellung von null auf 100 zu gehen. Vormittags bin ich bis auf einen Tag immer im Laden. Vorher bringe ich meine Jungs zur Schule und in den Kindergarten. Manchmal reicht die Zeit noch, vorher kurz einkaufen zu gehen. Jetzt wird zum Teil eben vorgekocht und was möglich ist schon am Abend zuvor hergerichtet. Meine Schwiegermutter kocht zweimal in der Woche. Das hilft mir sehr. Mittags, nach Ladenschluss, sammle ich die Jungs ein und dann wird gegessen, danach werden Hausaufgaben gemacht und dann der übliche ‚Wahnsinn‘: Kinder zu Freunden oder zum Klavierunterricht fahren … Welche Mutter kennt das nicht? Der Haushalt muss nebenherlaufen, jedoch versucht mir mein Mann überall zu helfen wo er kann. Da wir drei Mamas im Laden sind, können wir uns die Nachmittage aufteilen, sodass ich nur einen Nachmittag arbeite. Auch die Samstage teilen wir uns auf. Ohne die Hilfe dieser Mütter würde ich das alleine nicht bewältigen können.

SCHWABEN-MOM: War die Selbstständigkeit auch ein Grund für eine flexiblere und selbstbestimmtere Arbeitsweise?

Julia: Einerseits ja, andererseits war es für mich klar, nicht wieder in das Angestelltenverhältnis zurückzukehren, wenn es nicht sein muss. Mein Mann ist beruflich sehr stark eingespannt, und ich muss zu Hause fast alles unter der Woche alleine meistern. Am Wochenende, wenn ich arbeite, ist Papa-Zeit. Das genießen meine Jungs sehr. Ich bin selbst in einer Großfamilie mit vier Kindern aufgewachsen und meine Mutter war immer zu Hause. Das habe ich sehr geschätzt und wollte das, wenn nicht anders nötig, meinen Kindern auch ermöglichen.

SCHWABEN-MOM: Was ist das Schönste an Deinem Job?

Julia: Ich liebe meinen Laden und die Selbstständigkeit. Es ist gut zu wissen, dass man die Kinder auch mal mitnehmen kann, wenn etwas ist. So geht es auch den anderen beiden Müttern in meinem Laden. Wenn gerade etwas anbrennt oder ein Kind krank wird, ist es klar, dass ein anderer einspringt. Ich bin sehr gerne im Verkauf. Der Umgang mit anderen Menschen, den liebe ich. Ich bin kein Büromensch. Meine Kreativität und die Liebe zum Detail im Laden umzusetzen, das macht mir Spaß. Und das ist auch das, was viele Kunden schon gesagt haben, was sie im Laden spüren: meine volle Leidenschaft.

Kuscheltiere

Julia verkauft nur Produkte, die sie selber begeistern

SCHWABEN-MOM: Was ist Deine Energiequelle? Was bringt Dich zwischen Kindertrubel und Unternehmertum runter?

Julia: Meine Energiequelle ist ganz klar meine Familie. Zu Hause bin ich kopftechnisch natürlich auch immer im Laden, aber die Unterstützung und den Glauben an mich – das gibt mir meine Familie. Die Kuschelstunden mit meinen Jungs, Zeit mit meinem Mann zu verbringen, mal schön Essen gehen – das ist sehr erholsam. Und wenn es die Zeit zulässt lese ich sehr gerne.

SCHWABEN-MOM: Wo findet man Euch als Familie an einem freien Wochenende in der Region?

Julia: Wir haben einen großen Garten, wo wir sehr viel sind. Wenn wir dann doch mal weggehen, dann laufen wir gerne bei uns in Backnang im Wald, auf den Feldern oder in den Weinbergen zwei Orte weiter. Ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist jedoch die Wilhelma oder der Wildpark in Tripsdrill.

SCHWABEN-MOM: Dein Geheimtipp für Familien in Backnang?

Julia: Oh, ob ich als ‚Zugezogene‘ da die Richtige bin? Ich finde unseren Plattenwald wunderschön, der sehr viel Abwechslung bietet: Spielplatz, Wildgehege, Trimm-dich-Pfad.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Julia: Das schönste am Mamasein ist, wenn mich meine Jungs anstrahlen und mir sagen, dass ich die beste Mama der ganzen Welt bin. Das geht runter wie Öl. Das Kuscheln und einfach Liebhaben. Es gibt nichts Schöneres als Kinder. Natürlich bringen sie einen auch mal auf die Palme, aber man lernt so viele neue Seiten an sich selbst kennen und entwickelt sich weiter. Weihnachten, Ostern, Geburtstage – egal welche Feste, sie bekommen eine ganz andere Bedeutung. Die strahlend leuchtenden Augen zu sehen, wenn die Kerzen brennen, das ist einfach nur herzerwärmend und unbeschreiblich schön.

Weitere Infos:

www.puenktchenanton.de

Fotos: © Kerstin Baumann