Von endlosen To-Do-Listen und fehlender Zeit für sich selbst

Von endlosen To-Do-Listen und fehlender Zeit für sich selbst

Heute ist Sonntag. Wir haben heute schon gekocht, gebacken, für Klassenarbeiten gelernt, für den Lehrer gebastelt und Hausaufgaben betreut. Also, schon eine Menge erledigt. Aber jetzt sind alle Kinder beschäftigt. Das eine Kind ist auf einem Geburtstag, das andere Kind mit dem Nachbarsjungen draußen unterwegs. Herrlich, die Pflicht ist geschafft. Endlich mal Zeit für sich. Und was macht man jetzt mit der freien Zeit? Die Wunschliste ist endlos: Ein kleines, feines Mittagsschläfchen, das schöne Buch weiterlesen, Yoga oder ein bisschen auf dem Tablet rumsurfen? Man kann sich kaum entscheiden. Ich entscheide mich für Yoga. Es tut so gut. Der Entspannungsmodus schaltet sich langsam ein. Nach 20 Minuten klingelt es – ich verharre gerade im herabschauenden Hund. Es ist mein kleiner Sohn mit seinem Freund, komplett verdreckt stehen die beiden an der Haustür. „Wir wollen drinnen spielen“, sagen sie. Vorbei mit der Ruhe. Sie waschen sich ihre dreckigen Hände ab – das ganze Waschbecken ist schwarz von Erde und Matsch.

Und schon gehe ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Ich bürste die Winterjacke sauber, befreie die Schuhe von Matsch und Dreck und schrubbe das Bad, während ich die beiden Jungs oben quietschvergnügt in ihrem Zimmer spielen höre, im Hintergrund die Stimme meiner Yoga-App. Das sind die Momente, die mich zum Kochen bringen: Da finde ich das Leben plötzlich wahnsinnig ungerecht. Hat man denn nie seine Ruhe? Nein, hat man nicht! Und wir haben es uns ja auch so ausgesucht. Wir wollten es nicht anders. Es ist immer was zu tun. Und das Schlimme ist, auch wenn nichts zu tun wäre, ist immer was zu tun. Man müsste eigentlich mal wieder die alten Klamotten der Kinder aus dem Schrank aussortieren, die Kinderzimmer ausmisten, das Auto von Brezelkrümeln in tiefen Ritzen befreien, den Keller neu sortieren … Ach, bald ist ja auch Weihnachten: Die Geschenke besorgen, den Adventskalender bestücken, die Weihnachtspost schreiben …

Nein, To-Do-Listen enden nie! Man kann nie einen Haken dahinter machen: done. Und mit Kindern kommt man auch nur schleppend voran mit den Listen, weil immer etwas dazwischenkommt. Das Schöne daran ist, dass wir alle in einem Boot sitzen. Dass es uns Müttern allen so geht. Obwohl: Fast allen. Denn: Es gibt natürlich die Mütter, die nur ein oder zwei statt vier oder fünf Kinder haben. Oder die, die 40 statt 100 Prozent arbeiten, einen Mann haben der schon um drei Uhr Zuhause ist und eine Oma, die den ganzen Dienstag und Donnerstag übernimmt. Und dazu noch eine Putzfrau. Oh ja, das ist auch so ein Thema. Auch andere Mütter können uns furchtbar auf die Palme bringen, wenn sie uns zeigen, dass wir es noch schlimmer haben als sie. Und wenn sie trotzdem meckern.

So, jetzt aber Schluss mit dem Gejammer. Dazu ist jetzt keine Zeit. Ich muss nämlich noch schnell den Hauseingang fegen – der ist noch voll mit Dreck und Schlamm. Schönen Sonntag Euch allen. Und, wie mein großer Sohn sagen würde: Ey, chillt mal Eure Base!

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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