Leonie Joos gibt Mamas Kraft für die Geburt und den Alltag

Leonie Joos gibt Mamas Kraft für die Geburt und den Alltag

Die Geburt als bestärkendes, selbstbestimmtes und glückliches Erlebnis – das ist für Leonie Joos eine Herzensangelegenheit. Die 32-jährige Mama aus Stuttgart-Vaihingen bietet Hypnobirthing zur Geburtsvorbereitung an – eine Methode, die ursprünglich aus den USA stammt. Als studierte Physiotherapeutin mit Masterabschluss kennt sie sich bestens aus mit dem menschlichen Körper und mit Entspannungsmethoden. Neben Hypnobirthing bietet sie auch Rückbildungskurse, physiotherapeutische Beratungsangebote, Verwöhnmassagen für Schwangere und Mamas im Wochenbett und Entspannungscoaching an. Leonie sprüht im SCHWABEN-MOM-Gespräch vor positiver Energie und Begeisterung. Nach der Geburt ihres zweijährigen Sohnes Constantin hat Leonie ihre akademische Karriere beendet und im Sommer 2017 ihr Unternehmen Mamas Kraft gegründet. Wie schön, dass sie jetzt für uns Mamas da ist. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt uns die gebürtige Karlsruherin von ihrer Arbeit, wie man am besten entspannen kann und was das Schönste am Mamasein ist.

SCHWABEN-MOM: Du bietest für werdende Mütter Hypnobirthing an? Was ist das und was können wir bei Dir lernen?

Leonie: Eine natürliche, ungestörte Geburt ist sicherste Weg ein Baby auf die Welt zu bringen. Hypnobirthing ist eine Methode zur Geburtsvorbereitung. Hypnobirthing stammt aus den USA und wurde dort von Marie Mongan in den Achtzigerjahren entwickelt. Sie war davon überzeugt, dass es Frauen möglich ist, Kinder sanft, sicher und aus eigener Kraft auf die Welt zu bringen. Hypnobirthing setzt sich aus den Worten für ‚Hypnose‘ und ‚gebären‘ zusammen und steht für den konzentrierten Zustand der Tiefenentspannung, in dem eine Mama während der Geburt ganz bei sich und ihrem Baby ist. Dieser Zustand ist instinktiv und selbstgesteuert. Leider haben wir modernen Frauen ein bisschen ‚verlernt‘, in diesen intuitiven, überbewussten Zustand zu gelangen. Mit Hypnobirthing lernen die werdenden Mamas, sich selbst in diesen Zustand zu versetzen und sich auf ihre Intuition zu verlassen. So kann eine gebärende Frau – geschützt vor äußeren Einflüssen – genau spüren, was sie und ihr Kind gerade brauchen und hat verschiedene Techniken, um positiv auf Geburt einzuwirken.

Im Hypnobirthing-Kurs erarbeiten wird diese Techniken. Es gibt vier Säule des Hypnobirthing: Das sind die Atemübungen, die für die Geburt ganz zentral sind. Denn sie sorgen dafür, dass Gebärmutter und Kind während der ganzen Geburt gut mit Sauerstoff versorgt sind und entspannt bleiben. Mit der Geburtsatmung unterstützt die Mama dann den Weg ihres Kindes und schiebt es ganz sanft – ohne zu pressen – hinaus in wartende Hände. Mit den Entspannungsübungen sorgen wir schon in der Schwangerschaft aber auch während der Geburt dafür, dass sie in einen konzentrierten Zustand des ‚Flow‘ kommt. Dadurch werden Hormone ausgeschüttet, die die Geburt erleichtern und Schmerzen hemmen können. Ängste werden abgebaut und die werdende Mama entwickelt eine positive, selbstsichere Haltung zur Geburt ihres Kindes.´Mit Visualisierungen werden positive Bilder zur Geburt abgespeichert, die Mama schafft sich damit eine Vorstellung zur Geburt, wie es sein soll. Mit Affirmationen, also positiven Glaubenssätzen sind kurze, einprägsame Leitsätze gemeint, die die Mama während Schwangerschaft und Geburt bestärken, ihr Kraft geben und alte, ängstliche Muster ersetzen. So kann sich die Mama beispielweise unter der Geburt immer wieder sagen: Jede Welle bringt mir mein Baby näher! Dieser Satz hebt das Positive der Situation hervor und durch die Vorfreude werden Glückshormone ausgeschüttet, was wiederum die Geburt erleichtert.

Für mich gehören auch noch einige wichtige Informationen zum Kursinhalt. Diese gebe ich den Eltern mit, damit sie gut vorbereitet und mit eigener Macht aufgrund von Wissen in ihre Geburt gehen können. Das gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Selbstbestimmtheit und trägt maßgeblich zu einem schönen Geburtserlebnis bei.

SCHWABEN-MOM: Du bist eigentlich studierte Physiotherapeutin. Wie kamst Du zum Hypnobirthing?

Leonie: Das stimmt. Ich war lange als Physiotherapeutin praktisch tätig und habe bis vor einem Jahr an einer Hochschule als Dozentin und Studiengangskoordinatorin gearbeitet. Ich war also sehr wissenschaftlich und auch karriereorientiert (Promotion) unterwegs. Durch die Geburt meines Sohnes erlebte ich selbst, was eine gute Vorbereitung ausmachen kann. Ich hatte eine sehr entspannte leichte Geburt. Doch ich musste erkennen, dass es vielen Mamas leider nicht so geht und viele Geburten nicht schön für die Mama und das Baby sind. Das war der Moment, in dem in meinem Herz ein Funke begann zu glühen: Es muss doch möglich sein, dass eine Geburt für alle Frauen und ihre Partner und Babys ein bestärkendes, selbstbestimmtes und glückliches Erlebnis ist!

Seitdem habe ich mich auf den Weg gemacht. Ich habe eine Weiterbildung zur Hypnobirthing-Kursleiterin absolviert, unendlich viel im stillen Kämmerlein studiert, aber auch im Austausch und aus der Erfahrung anderer gelernt. Und durch den Umzug hier in den Süden war dann der richtige Augenblick für die Selbstständigkeit gegeben. Ich gründete mein Unternehmen ‚MamasKraft‘. Mit meinen verschiedenen Angeboten möchte ich Mamas Kraft geben in dieser aufregenden Zeit, die eben auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Auch wenn ich nicht mehr im bisherigen Kontext als Physiotherapeutin, Wissenschaftlerin und Lehrende tätig bin, so kommen mir die Kompetenzen aus der Zeit doch in meiner eigenen Berufung nun zugute: Ich habe schon immer Menschen ‚berührt‘, ihnen Wissen und Körper-Können vermittelt und das tue ich auch jetzt. Nur eben an Menschen (Frauen), in einer ganz besonderen, wertvollen Situation. Ich möchte, dass die Mamas mit meiner Unterstützung Kraft in sich finden, um Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und Wochenbett glücklich, stark und selbstsicher zu erleben.

SCHWABEN-MOM: Hast Du noch weitere Angebote für Mamas?

Leonie: Ja, klar! Abgesehen von den Hypnobirthing-Kursen, die übrigens für die Frauen und ihre Geburtsgefährten konzipiert sind, biete ich auch Rückbildungskurse an. Und es gibt einige professionelle physiotherapeutische Beratungsangebote, beispielweise für die Prävention der typischen Beschwerden während einer Schwangerschaft, zum Stillen und zur Planung des Wochenbetts, sowie für das Berühren, Halten, Bewegen und Tragen des Babys. Ein besonders schönes Geschenk sind Verwöhnmassagen für Schwangere und Mamas im Wochenbett, ganz entspannt bei ihnen Zuhause, damit es wirklich die maximale Entspannung bringt. Oder ein Entspannungscoaching in dem ich mit der werdenden Mama ganz individuelle Kraftinseln für sie im Alltag finde.

SCHWABEN-MOM: Wie kam es zu Deiner Selbstständigkeit? Und was ist für Dich der Vorteil der Freiberuflichkeit?

Leonie: In die Selbstständigkeit bin ich nach der Geburt meines Sohnes langsam hineingewachsen und tue es noch. Im ersten Lebensjahr arbeitete ich zwar weiter an der Hochschule und verfolgte meinen Promotionsweg, doch es wurde für mich zunehmend schwierig ’nebenbei‘ zum Kind diese Karriere zu verfolgen. Dann kam eine Stunde, okay, einige Stunden, der Selbsterkenntnis und ich erinnerte mich, dass ich immer eine Familie und auch für sie da sein wollte. Ich habe immer gewitzelt, dass ich nur Karriere mache, weil ich keinen Mann und keine Kinder hatte. Nun hatte ich sie aber und wollte und will es voll auskosten. Das war für mich mit einer wissenschaftlichen Karriere nicht vereinbar. Gleichzeitig bekam mein Mann ein großartiges Jobangebot hier im Süden und wir entschieden, dies als Chance wahrzunehmen. Ich ließ meinen Vertrag an der Hochschule auslaufen und organisierte den gesamten Familienumzug, während mein Mann schon hier arbeitete. Kaum hier eingezogen gründete ich mein Unternehmen und bin seitdem mit viel Leidenschaft ‚Mompreneur‘!

Die Selbstständigkeit bringt viele Vorteile für mich. Vor allem die Zeiteinteilung nach den Bedürfnissen unserer Familie ist großartig. Wir haben nicht gleich eine Betreuung für unseren Sohn hier in Stuttgart gefunden, und so kann ich für ihn da sein und mich trotzdem mit meiner Arbeit verwirklichen. Ich bin mit viel Liebe Mama, aber eben nicht nur. Meine Arbeit ist ganz meins, da steckt all mein Wissen, mein Können und mein Herzblut drin. Es ist schön, etwas ganz Eigenes zu haben!

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SCHWABEN-MOM: Wie sieht bei Dir ein normaler Tag mit Kind und Job aus?

Leonie: Ein normaler Tag startet bei uns schon sehr früh, da mein Sohn eine richtige kleine Lerche ist. Wir stehen also, nicht alle freiwillig, um sechs Uhr auf. Der Papa macht sich flott für die Arbeit fertig und ist dann weg. Ich ziehe den Kleinen und mich an und mache das Frühstück. Meistens kann ich auch nicht ganz am Haushalt vorbeilaufen, das heißt, wir starten dann um acht Uhr auf unsere Hunderunde. Wir haben nämlich ein fünfjähriges Australian-Shepherd-Mädchen. An zwei Tagen die Woche geht Constantin in eine betreute Spielgruppe. Das ist dann Arbeitszeit für mich: Ich sause heim, setze mich an den PC, telefoniere und ab Januar wird in der Zeit auch ein Kurs stattfinden. Um halb zwölf hole ich ihn wieder ab, koche schnell eine Kleinigkeit und dann ist zu meinem großen Glück schon wieder Mittagsschlafzeit. Da arbeite ich dann meistens noch ein bisschen oder mache was im Haushalt. Nachmittags ist dann Kinderzeit, wir spielen, sind unterwegs und machen natürlich auch noch eine Hunderunde. Zwischen 18 und 19 Uhr kommt der Papa heim, dann spielen die Jungs während ich koche. Dann gibt es Essen, und wenn wir Glück haben geht der Sohn um 20 Uhr ins Bett. Mein Mann und ich arbeiten dann entweder nochmal an meinem Business – mein Mann macht die Homepage und Buchhaltung -, besprechen und planen den Alltag oder genießen einfach die gemeinsame Zeit und entspannen tatsächlich mal.

SCHWABEN-MOM: Du gibst Deinen Müttern auch Tipps, wie sie im getakteten Alltag zur Ruhe finden können. Verrate uns einen Tipp und erzähle uns, wie Du am besten entspannst?

Leonie: Oh, da gibt es viele Möglichkeiten. Zunächst einmal ist es ein bisschen Typ-Frage, ob ich mich ganz in Ruhe durch Atmung und Meditation besser entspanne oder ob ich eher der Typ  für bewegte, aktive Entspannung bin. Mir hilft beides, ich bin ja durch den Hund viel in der Natur, das ist ein Segen.

Aber der erste und einfachste Tipp ist tatsächlich: Atme! Der schnellste Weg, sich körperlich und geistig zu entspannen, ist, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Zunächst einen Moment zu beobachten, wie die Atmung kommt und geht. Und dann langsam zu beginnen, die Atemzüge tiefer und ruhiger werden zu lassen. Es gibt verschiedene Bilder, um das zu unterstützen, beispielweise der Bauchnabel der sich hebt und senkt. Oder der Gedanke, dass mit jedem Atemzug Kraft in den Körper strömt und diese Kraft sich immer weiter ausbreitet.

Ich nutze die Atmung auch, um meinen Sohn beim Einschlafen zu entspannen. Wir passen die Atmung nämlich automatisch aneinander an, wenn wir uns nahe sind. Ich atme zunächst mit ihm und werde dann mit den Atemzügen langsamer. Und es ist wie Magie, er atmet mit mir und kommt schön zur Ruhe. Die erste Entspannungsübung, die schon bei ganz kleinen Kindern funktioniert!

SCHWABEN-MOM: Dein Geheimtipp in Stuttgart und Region für eine Auszeit mit der Familie?

Leonie: Richtige Erholung finde ich am besten in der Natur. Ich bin ein Schwarzwald-Mädel, geboren am nördlichen Rand. Deswegen würde ich immer den Wald und am liebsten auch einen See für die Familie als Entspannungsort suchen. Aber auch in der unmittelbaren Umgebung von Stuttgart gibt es schöne Seen wie den Katzenbachsee und Steinbachsee mit viel Wald drum herum.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am Mamasein?

Leonie: Ich habe gerade meinen Sohn zum Mittagsschlaf hingelegt. Er ist in meinen Arm gekuschelt eingeschlafen, während ich ihm zugesehen habe, wie seine Äuglein langsam zufielen, während ich seinem kindlichen Schnaufen lauschte und seinen Baby-Duft einsog … Das war ein perfekter Moment!

Dieses Vertrauen und die Sicherheit, die er bei mir hat und die er als Basis für seine Selbstständigkeit und sein ‚In-die-Welt‘-Gehen nutzt. Es ist ein Wunder, Kinder haben zu dürfen und zu sehen mit welch einem Willen und welch einer Kraft sie in die Welt kommen und sich einfach so entwickeln! Dabei zuschauen zu dürfen ist schon ein Geschenk und das Vertrauen, mit dem sie sich uns zuwenden und unsere Begleitung suchen, hat einen einzigartigen Zauber … Hach, es gibt so viel Schönes!

Weitere Infos:

www.leoniejoos.com

Foto: Mamas Kraft