Von spießigen Eltern und einem Aufruf zu mehr Unvernunft

Von spießigen Eltern und einem Aufruf zu mehr Unvernunft

Sobald Frauen (oder auch Männer) Kinder bekommen, werden sie oft so unglaublich vernünftig. Richtig spießig, würde ich sagen. Auch wenn sie es selber nur wenige Monate zuvor noch richtig krachen lassen haben, sind sie mit der Geburt der süßen Kleinen kaum mehr wiederzuerkennen. Sie werden zu Kontrollfreaks, Besserwissern, Gemüsejunkies und Gerechtigkeits-Queens auf den Spielplätzen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich finde das ganz schön unsympathisch – vor allem für ihre Kinder.

Natürlich schaue ich auch, dass meine Kinder genug Gemüse essen, rechtzeitig ins Bett gehen, für Klassenarbeiten lernen. Aber ich habe das Glück, dass ich ein sehr gutes Erinnerungsvermögen habe: Ich kann mich nämlich noch sehr gut daran erinnern, wie es ist Kind zu sein. Und ehrlich gesagt, habe ich mir ein bisschen davon bis heute bewahrt. Mein Mann sagt immer: Du bist das schlimmste Kind von allen hier. Ja, manchmal bin ich das. Und es macht richtig Spaß.

Einfach mal selber auf dem Boden liegen vor Lachen über unanständige Pipi-Kacka-Witze. Einfach mal den spannenden Film zu Ende schauen, auch wenn das TV-Budget für diese Woche längst aufgebraucht ist und gleich eine furchtbar gruselige Szene kommt. Oder: Schokolade in sich hineinstopfen bis einem schlecht wird, weil der Tag so anstrengend war – vor den Augen der Kinder und nicht versteckt in der Speisekammer.

Oh ja, ich bin sehr, sehr gut im unvernünftig sein. Alles andere wäre nicht authentisch. Ich weiß selber noch genau, wie gemein es ist, wenn Eltern immer die Spaßbremse ziehen. Wenn es immer schon zu spät, schon zu viel oder noch zu wenig ist. Ich weiß, wie man sich als Kind fühlt. Unverstanden! Kinder lieben es, wenn Eltern mal für einen Moment die Kontrolle abgeben, loslassen und einfach mitmachen. Wenn sie ihr inneres Kind erwecken. Es stärkt die Beziehung, weil man in diesen ganz wunderbaren Momenten mit ihnen genau auf Augenhöhe ist.

Also, lasst es mal richtig krachen mit Euren Kindern: Lauft barfuß gemeinsam durch den Schnee, esst mit Händen und Füßen oder macht aus Eurem Wohnzimmer eine Disko. Und genießt einfach mal den Moment – Eure Kinder werden es Euch danken.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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