Von Bildungsterror, Freizeitstress und der Schuldfrage

Von Bildungsterror, Freizeitstress und der Schuldfrage

Mal ganz ehrlich? Zu welcher Fraktion Mütter gehört Ihr? Zu den ganz ehrgeizigen, die in puncto Bildung und Förderung das ultimative rausholen wollen? Die Kinder sollen doch schließlich alle Möglichkeiten der Welt später mal haben. Oder gehört Ihr eher zu den gechillten, die es lieber sehen, wenn die Kinder vor allem lange mit Matsch spielen und die Zeit als das wichtigste Gut in unserem Leben betrachten? Okay, sicherlich gibt es da auch noch irgendwas dazwischen.

Ich wundere mich nur immer. Fast alle Mütter sind gestresst – vom G8, von viel zu langen Schultagen, von überambitionierten Bildungskindergärten und Krippen, von Taxifahrten zu den Nachmittagsangeboten, von Ergotherapie und Logopädie und, und, und.

Die Selbstoptimierungsprogramme für unsere Kinder sind endlos. Sehr viele Menschen verdienen sehr viel Geld damit. Und, ich gebe zu, es ist verlockend und auch bedrohlich: Was ist, wenn ich da aussteige? Was ist, wenn mein Kind kein Instrument lernt, das so gut für die Intelligenzentwicklung ist? Wenn ich mein Kind in den stinknormalen Kindergarten anmelde statt in der bilingualen Variante? Es ist ein Wettbewerb. Und es ist schwer, anzuhalten und auszusteigen. Schließlich werden am Ende unsere Kinder mit den anderen gemessen. Ringen sie später mit ihnen um die besten Plätze auf dem Arbeitsmarkt. Oder geht es vielleicht nur darum, dass unsere Leistungsbilanz als Mutter am Ende stimmt.

Gestern unterhielt ich mich wieder mal mit einer Mutter über genau dieses Thema – auf einer Trauerfeier eines Vaters. Ein sehr trauriger Anlass, aber auch ein Anlass, der vieles hinterfragt, den Blick auf das Wesentliche richtet. Was wollen wir eigentlich? Für unsere Kinder? Für uns? Und unser gemeinsames Leben?

Wir wollen doch Kinder, die sich zu Persönlichkeiten entwickeln können. Die dafür auch Zeit haben, sich selber zu entdecken, das Leben zu verstehen und eine Haltung zu entwickeln. Wir wollen Kinder, die seelisch und körperlich gesund bleiben können. Wir möchten eine gute und intensive Zeit mit unseren Kindern erleben. Ja, dazu gehört auch Bildung. Aber wir brauche keine Turboleistungsmaschinen.

Eigentlich sind wir uns da fast alle einige. Die Frage ist nur: Wer ist schuld an dieser Entwicklung? Vielleicht haben wir selber einen großen Anteil daran. Lehrer erzählen mir, dass die Eltern eine riesige Erwartungshaltung haben. Sie wollen den maximalen Input für ihre Kinder. Dabei wissen wir doch alle, weniger ist manchmal mehr.

Also, wir haben es in der Hand. Einfach mal vom Gas gehen – einer muss anfangen. Und dann machen auch andere mit. Das entspannt uns Mütter und vor allem unsere Kinder.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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