Isabella über ihre Geburt: „Mein Mann war mitschwanger“

Isabella über ihre Geburt: „Mein Mann war mitschwanger“

Soll der Mann bei der Geburt dabei sein, oder lieber nicht? Die Frage diskutieren die meisten Paare vor diesem großen Ereignis. Und sie diskutierten vor einigen Tagen auch viele Mamas intensiv auf der SCHWABEN-MOM-Facebookseite. Darunter auch Isabella Meyer aus Essingen bei Aalen. Die 31-jährige Mama von drei Kindern beschrieb, wie schön bei allen ihrer Kinder der Moment der Geburt war. Seit 2009 ist sie mit ihrem Mann Mathias verheiratet und gemeinsam haben sie zwei Töchter (sechs Jahre und fast sechs Monate) und einen vierjährigen Sohn. Isabella begann ein Lehramtsstudium, das sie in der Schwangerschaft ihrer ersten Tochter auf Eis legen musste. Jetzt arbeitet sie begeistert als Tagesmama und kann Beruf und Familie kombinieren. Ihre Zukunftspläne: Ein Fernstudium in Psychologie. SCHWABEN-MOM war neugierig und wollte mehr über Isabella und ihre Geburtserfahrungen mit ihrem Mann wissen. Im SCHWABEN-MOM-Interview erzählt sie Euch, dass sie ihrem Mann während der Geburt fast in den Arm gebissen hätte, und dass es trotzdem das schönste gemeinsame Erlebnis war.

SCHWABEN-MOM: Du hast drei Kinder auf die Welt gebracht? Waren es auch drei ganz unterschiedliche Geburten?

Isabella: Ja definitiv. Die erste Geburt war anstrengend und lang. Ich denke aber nun rückblickend nach drei Geburten, dass sich da auch enorm viel im Kopf entscheidet. Beim zweiten Kind wusste ich was auf mich zukommt und konnte einfach loslassen. Peinlich war mir da nichts mehr, und ich wollte es einfach hinter mich bringen. Mein Sohn wohl auch. Wir haben es in nur 40 Minuten vom Blasensprung und der ersten Wehe geschafft. (lacht) Die dritte Geburt habe ich sogar irgendwie total genossen. Das war die erste Geburt die ich wirklich komplett selbstbestimmt erlebt habe und die ganze Zeit einfach nur bei mir und meinem Baby war. Alle drei Kinder kamen natürlich zur Welt und ohne Medikation und die letzte Geburt war sogar ambulant, und wir sind direkt mit dem Baby nach Hause gegangen.

SCHWABEN-MOM: Dein Mann war bei allen drei Geburten dabei. Habt Ihr das von Anfang an so geplant, oder gab es vorher Zweifel?

Isabella: Nein, er war von Anfang an und ganz freiwillig dabei. Schon in der Schwangerschaft hat er mich zu jedem Termin begleitet. Die Sprechstundenhilfen haben die Termine sogar direkt mit ihm abgestimmt statt mit mir. Er war also definitiv mitschwanger.

SCHWABEN-MOM: Wie habt Ihr Euch vorbereitet?

Ich habe bei allen Kindern einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Ich hatte eine wunderbare Hebamme die mich durch alle drei Schwangerschaften, und auch nach einer Fehlgeburt zwischen dem zweiten und dritten Kind, begleitet hat. Mit ihr konnte ich gelassen auf den großen Tag hinarbeiten. Mein Mann war beim ersten Kurs dabei, da es ein Partnerkurs war. Beim zweiten und dritten Kurs war es lediglich ein Auffrischungskurs, und die Männer durften dann an einem Abend dazukommen und Fragen stellen. Survivaltraining in Kurzform.

SCHWABEN-MOM: Wie wichtig war es für Dich, dass er dabei war?

Isabella: Ich bin sicher meine Kinder wären auch ohne ihn zur Welt gekommen. Ich bin grundsätzlich kein Mensch der betüddelt werden muss und will. Wichtig war es mir, weil ich auch ihm dieses Wunder nicht vorenthalten wollte. Diese Wesen haben wir geschaffen und dieser erste Moment ist einfach magisch. Und ich fand es toll, wie er sich nach den Geburten um die Kinder kümmern durfte. Sauber machen, anziehen und kuscheln während die Mama noch nachversorgt wurde. So wusste ich, die Mäuse sind gut aufgehoben.

SCHWABEN-MOM: Wie konnte er Dich unterstützen?

Isabella: Beim ersten Kind war seine Unterstützung, dass er neben mir Schokolade aß und vor Müdigkeit einschlief. Und er musste mir in den Wehenpausen Globuli verabreichen. Dass ich ihm irgendwann – weil es mich nervte, dass er ständig mit diesen Bonbons ankam – in den stärker werdenden Wehen den Arm abbeißen wollte, hat er mir verziehen. Beim zweiten Kind hat er es fast verpasst, weil er noch fix mit der Tante – Babysitterin der Großen – telefonieren musste. Beim dritten Mal hat er nebenbei tatsächlich und ernsthaft noch eine Mail vom Handy verschickt an den Kollegen. Ich glaube sogar mit ihm telefoniert. Klingt nun alles wenig unterstützend, oder? Aber für mich war er einfach nur die beste Ablenkung, die ich mir vorstellen konnte. Schon alleine, dass da jemand ist, dem ich vertraue wie keinem sonst, hat mir Kraft gegeben.

SCHWABEN-MOM: Welche Erfahrungen hat Dein Mann mitgenommen?

Isabella: Ich habe ihm eben diese Frage gestellt. Er sagt, er hat gesehen wozu Frauen fähig sind. Ich glaube, er hat seither Angst vor unserer Kraft, und was wir mit ihr anstellen könnten. (lacht) Aber ernsthaft: Für ihn selbst war das Tollste, dass er bei allen dreien die Nabelschnur durchschneiden durfte. Er war es also, der diese Kinder zum ersten eigenen Atemzug verhalf. Ach, und er hat gelernt, dass Babys bei einer Wassergeburt nicht ertrinken. Kurze Panik bei ihm und Erheiterung bei der Hebamme.

SCHWABEN-MOM: Hast Du das Gefühl, dass dieses gemeinsame Erlebnis Euch als Paar und Eltern noch mehr zusammenschweißt?

Isabella: Absolut. Bei unserer ersten Tochter hat mein Mann so geweint als er sie im Arm hielt. Nach allen Sorgen um sie, endlich ein gesundes Baby im Arm zu halten. Er wollte sie mir gar nicht mehr zurückgeben. Und ich konnte mich kaum sattsehen an diesem Anblick. Endlich Familie. Der Wahnsinn. Dass viele Nächte hoppelnd auf dem Gymnastikball folgen würden wussten wir zum Glück noch nicht.

SCHWABEN-MOM: Was rätst Du anderen, werdenden Müttern und Vätern?

Isabella: Entspannt an die Sache rangehen. Vertrauen haben in Euch, Euren Körper und Eure Partner. Und im Kopf frei machen. Von allen Gedanken, die man als werdende Eltern hat. Und die meisten Gedanken einer Erstgebärenden drehen sich um Körperflüssigkeiten, die einem im Moment der Geburt wirklich egal sein dürfen. Das Abenteuer Eltern beginnt mit der Geburt und so anstrengend das alles ist, es ist wirklich das Beste was einem im Leben wiederfahren kann. Und wenn man die Geburt hinter sich hat, war sie halb so schlimm wie erwartet und doch ganz anders als geplant. Ich habe mein Mantra immer und immer wieder aufgesagt: Jede Wehe hilft dir und dem Baby da raus, und jede die du geschafft hast, bringt dich näher ans Ziel. Für mich ist es, wie schon gesagt, so viel Kopfsache. Je positiver man rangeht, desto einfacher wird es. Das klappt dann auch später, wenn die Kinder da sind. Außer sie kriegen Zähne – dann ist alles anders.

Foto: privat