Drei-???-Autor Christoph Dittert zwischen Horror-Romanen und Hausaufgaben

Drei-???-Autor Christoph Dittert zwischen Horror-Romanen und Hausaufgaben

Wie sieht das Leben eines Autors zwischen Science-Fiction, Horror-Romanen und einem ganz normalen Familienleben aus? SCHWABEN-MOM hat mit Christoph Dittert über sein Leben als dreifacher Vater und Schriftsteller gesprochen. Neben Science-Fiction (Perry Rhodan), Fantasy- und Horror-Literatur schreibt Christoph regelmäßig Bücher der Kultreihe die „drei ???“, die im Stuttgarter Kosmos Verlag erscheinen. Der 43-jährige Germanist, der auch unter dem Pseudonym Christian Montillon bekannt ist, lebt mit seinen drei Söhnen (acht, 13 und 16 Jahre) und seiner Frau auf dem Land zwischen Kaiserslautern und Ludwigshafen. Das Schöne an seinem Job als freischaffender Künstler: Er kann jeden Tag mit seiner Familie zusammen Mittagessen. Wie er sich selber beschreibt? Das Hinterfragende hat er von Bob, die Mischung aus Mut und Ängstlichkeit von Peter und ein bisschen Klugscheißerei von Justus. Im März kommt ein neuer „drei ???-Band“ von ihm heraus: ‚Die Legende der Gaukler‘. Wir warten voller Spannung und freuen uns, dass uns Christoph aus seinem ganz besonderen Alltag erzählt.

SCHWABEN-MOM: Du schreibst Science-Fiction, Fantasy- und Horror-Romane. Wie kommt das Gruselige in Deine Bücher? Wo holst Du Dir die Inspiration?

Christoph: Meine Inspiration stammt meistens aus meinem Leben, aus meinem Alltag, aus Details, die meine Phantasie anschubsen. Das klingt jetzt seltsam, wenn du nach dem ‚Grusligen‘ fragst und so eine Antwort bekommst – mein Alltag ist nicht besonders gruslig, wenn man davon absieht, dass ich manchmal gruslig viel zu erledigen habe.

Am meisten interessiert mich beim Geschichtenerzählen das Faszinierende an genau dieser Geschichte: Was macht sie besonders, einzigartig, ungewöhnlich? Wie kann man sie erzählen, aus welchem Blickwinkel, und welche Figur ist diejenige, die für den Leser am interessantesten rüberkommt? Ich versuche dann auf die eine oder andere Weise, das Spannende daran herauszukitzeln. Ob es mir auch gelingt? Ha, vielleicht und hoffentlich manchmal.

Auf die eine oder andere Art heißt dabei: Für ein Kinderbuch (Die drei ???) liegt das Spannende natürlich an einer ganz anderen Stelle als bei einem Science Fiction-Roman, der sich eher an Erwachsene richtet (Perry Rhodan) oder bei einem Fantasyroman, den man neumodisch als All-Ager bezeichnen könnte (Splitterwelten).

Dabei erzähle ich das, was mich persönlich interessiert beziehungsweise auf die Art, die mich persönlich interessiert. Und da sind wir wieder bei meinem Alltag, meinem Leben.

SCHWABEN-MOM: Und wie genau entwickelst Du die Geschichten?

Christoph: Am Schreibtisch. Das heißt: Wenn ich eine Grundidee habe, trage ich sie oft lange mit mir herum – Wochen oder Monate. In dieser Zeit beschäftige ich mich natürlich nur nebenbei mit dieser Geschichte … Wenn die Gedanken mal schweifen, beim Spaziergang, oder wann immer eine Idee dazu kommt. Eine Situation, ein Satz, eine Formulierung in einem gelesenen Roman, eine Stimmung in einem Film, ein Anblick in der Natur. Irgendetwas kommt dazu und fügt sich wie ein Puzzlesteinchen in die Gedankengänge.

Dann ist die Zeit reif, ich setze mich an den Schreibtisch, mit einem Stift in der Hand, und kritzele ein Papier voll. Mit Ideen, Figuren, Handlungsverläufen. Das sieht sehr chaotisch aus, und anschließend versuche ich, es in einer ordentlichen Computerdatei zu, naja, zu ordnen, eben. Das wandert dann zu Freunden, die es lesen und kommentieren. Wenn ich anfange, einen Roman tatsächlich zu schreiben, ist der schwierigste Teil oft schon gelaufen; ich weiß eigentlich von der ersten getippten Zeile an genau, was alles passieren wird in der Geschichte. Wobei sich das natürlich manchmal beim Schreiben verschiebt.

Gestern zum Beispiel war ich im Kino – mit meinen beiden älteren Jungs – und der Film an sich hatte gar nichts damit zu tun, was mir dabei einfiel – sondern die Struktur der gesamten Trilogie, zu der der Film gehörte. Am Ende von Teil drei war klar, welche Geschichte da eigentlich erzählt worden – was man bei Teil eins noch gar nicht erahnen konnte. Das brachte mich bei einem aktuellen Projekt auf die Frage: Wo fange ich an? Nämlich in diesem Fall nicht am Anfang der Story. Hier kam es drauf an, dass ich mir die richtige Frage stellen konnte, und alles wurde viel klarer.

PS: ‚An Schreibtisch‘ kann auch mal ganz woanders sein, wo ich dann Papier und Stift schwinge, etwa in einem Saunaparadies hier in der Nähe – dann sag ich zu meiner Frau: ‚Ich muss mal arbeiten gehen‘ und verziehe mich dorthin, schwitze und denke nach und komme im Idealfall mit dem oben skizzierten vollgekritzelten Papier nach Hause, aus dem denn ein kompletter Roman wird.

SCHWABEN-MOM: Du bist einer der Autoren der Kultserie ‚Die drei ???‘. Wie kamst Du zu Justus, Bob und Peter?

Christoph: Ich kenne die drei Jungs sozusagen schon ewig, habe selbst als Kind die Geschichten gelesen und – vor allem – gehört. Die ersten Hörspiele habe ich wohl hundertmal gehört und kann Teile sicher auswendig mitsprechen.

Sprich: Ich bin damit aufgewachsen.

Auf die Idee, tatsächlich zu versuchen, einen ‚???-Band‘ selbst zu schreiben, kam ich allerdings erst spät. Ich war zu der Zeit schon lange Autor, hatte viele Bücher veröffentlicht und wollte mit meinem ältesten Sohn – der damals so etwa sieben gewesen sein dürfte – auf eine Lesung der ‚??? Kids‘ gehen. Doch die ist ausgefallen, weil der Autor krank wurde – woraufhin der Kosmos-Verlag so nett war, für alle Kinder, die nun lange Gesichter machten, ein Buch zu spendieren. Das las ich meinem Ältesten vor und dachte dabei: Das kann ich auch! Das klingt so hochmütig, aber so ist das nicht gemeint. Es war nur irgendwie ein Klick in meinem Kopf: Ich kenne die drei Jungs doch schon ewig, und ich schreibe viele Bücher – jetzt versuche ich das mal! Und siehe da – es hat geklappt.

SCHWABEN-MOM: Welcher der drei Jungs ist Dir am ähnlichsten?

Christoph: Justus, weil ich auch ein wenig ein Klugscheißer bin.

Bob, weil ich auch gern Sachen hinterfrage und recherchiere.

Peter, weil ich eine Mischung zwischen Ängstlichkeit und Mut an den Tag lege.

Oh. Was war das denn für eine Antwort?!

SCHWABEN-MOM: Das nächste Buch der ‚??? Fragezeichen‘ erscheint im März. Es heißt ‚Die Legende der Gaukler‘. Auf welches spannende Abenteuer können wir uns freuen?

Christoph: Auf eines, das in einer Art Zirkus spielt und das für die ‚drei ???‘ einige sehr undurchschaubare und absonderliche Leute bereithält. Die erste Idee zu dem Buch kam mir, als ich die Figur eines Spielers vor Augen hatte – aber kein Glücksspieler, kein Süchtiger oder so etwas. Und dieser Mann kommt zum Schrottplatz und sagt zu den ‚drei ???‘: ‚Ich spiele, und ihr sollt mir helfen zu gewinnen!‘ Ein seltsamer Auftrag, der aber nach und nach so einige Abgründe aufzeigt.

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SCHWABEN-MOM:Wie sieht bei Dir ein normaler Familienalltag zwischen Fantasy und Realität aus?

Christoph: Ganz unterschiedlich. Früher habe ich oft spät abends und nachts geschrieben, das entsprach recht gut meinem Biorhythmus. Das habe ich aber völlig dem Familienleben angepasst – ich schreibe nun meistens ‚zu Bürozeiten‘, beginne, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, esse mit allen, die gerade da sind, zu Mittag – wer wie ich drei Kinder zwischen acht und sechzehn hat, weiß, dass die zu sehr unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen – ziehe mich am Nachmittag wieder zum Schreiben zurück und ende vor dem Abendessen.

Das ist so ein ‚Muster‘, das mal klappt, mal nicht, und immer angepasst wird. So beginne ich den Arbeitstag oft damit, dass ich nicht etwa an den Schreibtisch gehe – sondern für fünfzehn oder dreißig Minuten nach draußen, in den Wald oder aufs Feld. Oder ich muss einen Roman abgeben und schreibe eben doch wie wild. Oder ich halte Lesungen und fahre hier in der Gegend in nahegelegene Schulen oder auch mal durch ganz Deutschland.

Vorhin zum Beispiel habe ich Deine Fragen hier beantwortet, ging dann zum Mittagessen, blieb unten und machte mit dem Jüngsten Hausaufgaben. Jetzt geht’s weiter.

SCHWABEN-MOM: Sind Deine Kinder eine Inspirationsquelle für Deine Bücher? Liest Du ihnen Deine Bücher vor?

Christoph: Teilweise dienen sie natürlich zur Inspiration – wenn sie lustige Dinge sagen. Oder auch insofern, dass ich über sie mitbekomme, was die Kinder im jeweiligen Alter so interessiert. Einige erfundene Wörter von ihnen habe ich bereits in meine Romane eingebaut (‚ich bin drandenklich‘) oder mein Ältester hatte vor Jahren mal kapiert, wie man einen Titel für die „drei ???“ erfindet und schlug mir vor: Die drei ??? und der saftige Apfel. Das habe ich gleich zu einem Witzchen in meinem damals aktuellen Manuskript gemacht, als Justus in einen Apfel beißt und Peter vorschlägt, Bob solle die aktuelle Akte doch deshalb ‚Die drei ??? und der saftige Apfel‘ nennen. So halte ich mich auch selbst bei Laune. (lacht)

Vorlesen: Das gehört für mich absolut dazu. Kein Tag ohne Vorlesen – aktuell eben nur noch dem Jüngsten, aber auch den Älteren habe ich sehr lange vorgelesen, beziehungsweise haben wir, denn meine Frau sieht das genauso. Wir lesen uns auch gegenseitig vor, übrigens. Da wird man nie zu alt dafür. Aber zu Deiner Frage: Viele meiner ‚???-Bücher‘ habe ich den Jungs vorgelesen, nicht alle, natürlich. Aber so gut wie immer erst die fertigen, gedruckten Bücher, keine Manuskripte.

SCHWABEN-MOM: Was ist für Dich das Schönste am ‚Vatersein‘?

Christoph: Meine Kinder aufwachsen zu sehen und zu versuchen, gute Dinge in sie hineinzulegen. Die Vorstellung, Vorbild für sie zu sein, ist schön und beängstigend und begeisternd. Ich halte es so: Sie sind mir und uns nur für kurze Zeit von Gott geliehen.

Foto: privat

Cover: Kosmos Verlag