Einfach nur Kind sein

Einfach nur Kind sein

Es gibt diese Kinder, die montags zum Ballett gehen, dienstags zum Klavierunterricht, donnerstags zum Tennis – und am Wochenende noch an einem Workshop an irgendeiner Kinderkunstakademie teilnehmen – und das ohne zu nölen. Und es gibt diese Kinder, wie meines, das all das gar nicht möchte. Es möchte keine Termine nach der Schule, keine festen Planungen. Es möchte einfach nur seine uneingeschränkte Freiheit. Den ganzen Tag draußen sein, Freunde treffen (wenn sie nicht gerade Termine haben), herumstromern oder an Regentagen den ganzen Tag Hörspielen lauschen oder Bücher lesen. Ganz selbstbestimmt und ohne jeden Zwang.

All unsere überambitionierten Angebote von Klavier über Chor bis Basketball sind vergeblich. Mittlerweile habe ich das akzeptiert. Und glaube einfach an das, was viele Psychologen sagen. Dass Kinder beim Spielen am allermeisten Lernen und dass es nichts Besseres für ihre Seele gibt. Auch der erfolgreiche dänische Familientherapeut Jesper Juul ist überzeugt, dass die Animationsangebote der Eltern Langeweile bei den Kindern verhindern. Und Langeweile sei sehr wichtig für die innere Balance.

Das beruhigt mich. Dann machen wir ja doch alles richtig. Aber ich muss zugeben, so ganz kann ich mich manchmal nicht freimachen – von dem Förderwahn anderer Eltern. Die Sorge, dass das Kind abgehängt wird in Sachen Musikerziehung oder Sportförderung wechselt sich ab mit dem Bedauern der gestressten Eltern, die mit ihren Kindern genervt Instrumente lernen oder samstags um acht Uhr morgens Fahrdienst zum Fußballturnier übernehmen. Da drehe ich mich doch lieber noch einmal im Bett herum.

Neulich holte eine Mutter ihre Tochter bei uns Zuhause ab. Als ich sie fragte, was ihre Tochter denn so in ihrer Freizeit mache, antwortete sie: „Gar nichts. Sie ist einfach nur Kind.“. Was für eine schöne Antwort. Und so wahr. Danke für diesen Satz! Den werde ich sicherlich noch häufiger gebrauchen.

SCHWABEN-MOM-Bloggerin Annika schreibt unter Pseudonym über ihre Gedanken, Sorgen, Freuden und ihren Ärger im alltäglichen Mutter-Dasein in der SCHWABEN-MOM-Kolumne. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Stuttgart.

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