Gastkolumne: Meisterin Proper

Gastkolumne: Meisterin Proper

Ich denke, die Frage, was genau mich eines schönen Tages ins Irrenhaus befördern wird (oder, wenn ich Glück und Geld habe, hinter die schicken Mauern einer Promi-Entzugsklinik), habe ich nach nunmehr eineinhalb Jahren Hausfrauendaseins für mich beantwortet. Es ist, tataaa: der Haushalt. Hört sich vielleicht an wie ein Witz, aber die Wahrheit ist: Es ist nicht zu schaffen. Für niemanden. Und das sage ich, die ich auch schon über andere Mütter übelst gelästert habe, wenn in der dortigen Küche noch das dreckige Geschirr von vorgestern stand.

Ich versuche nun schon im zweiten Jahr das Chaos wenigstens halbwegs einzudämmen, bislang: ohne Erfolg. Beziehungsweise, und das ist das Fatale: Der Erfolg, ach, er ist flüchtig und währet nur kurz. Bitte, erkläre mir doch einer: Was genau bringt es denn, wenn ich abends, nach neun Uhr, wenn die Kinder endlich schlafen und zumindest die klebrigen Saftgläser (Hunderte! Sammeln sich über den Tag an, gefühlt. Und dabei trinkt der Jüngste noch gar keinen Saft, wo soll das enden?) in die Spülmaschine geräumt sind, alle eintausend winzigen einzelnen, nicht etwa thematisch oder sinngemäß zusammengehörenden Spielsachen aufsammle und aufräume, die zwischen meinem Schlafzimmer und der Terrassentür liegen?

Ich habe neulich mal die Zeit gestoppt, so verzweifelt bin ich inzwischen schon. Ergebnis: Für das Aufräumen des Fußbodens ausschließlich im Wohnzimmer benötige ich 14 Minuten. Das ist dann nur ein Zimmer, aber das, das ich die letzten Stunden des Tages sehe. Ich bin ja schon nicht so vermessen und versuche, tagsüber Ordnung zu schaffen. Bei uns wird zwischendurch eigentlich nur aufgeräumt wenn Besuch kommt und ich den herrlichen Muttisatz durch die Gegend skandieren darf: “Räum endlich dein Zimmer auf, bevor der Luca kommt, sonst habt ihr ja nicht mal Platz zum Sitzen!“ Also, 14 Minuten für den Wohnzimmerboden.

Ja, ich weiß, der Große ist so groß, der müsste eigentlich abends alleine und selbständig seine Spielsachen wegräumen. Macht er aber nicht, weil er nämlich nach Spielplatz und Abendessen so fertig ist, dass er freiwillig in seinen Schlafanzug steigt und danach ins Bett. Ich bin ja schon froh, wenn wir noch das Zähneputzen hinkriegen. Und außerdem höre ich von ihm immer öfter: “Sind ja die Spielsachen vom Mini.“ Und da hat er Recht. Der Einjährige macht sich mittlerweile auch schon echt sehr breit in der Bude. Und Aufräumen, da tut er getrost noch ein, zwei Jährchen, als ob er das Wort nicht kennen würde, wenn er klug ist.

Aber mit dem Spielzeugchaos kann man sich ja auch noch ganz gut arrangieren. Was man nicht liegen lassen kann: die Wäsche. Ich habe es probiert. Es gab neulich eine Woche, in der bin ich einfach nicht zum Waschen gekommen. Ich war dauernd unterwegs und abends zu platt. Ich dachte ungelogen von Montag bis Freitag: Mach ich morgen, die Wäsche. Am Samstag dann hat man die Tür zum Kinderzimmer, in dem der Wäschesack steht, nicht mehr aufbekommen. Ich habe das ganze Wochenende durchgewaschen. Keiner hatte mehr frische Socken oder T-Shirts. Wir konnten praktisch nicht rausgehen. Es war furchtbar. Von Samstagnachmittag an legte ich nur noch Wäsche zusammen. Bügeln habe ich vor Jahren schon abgeschafft, wenn ich doch mal bügeln muss aus irgendwelchen Gründen (Besuch im Büro, Einladung zur Konfirmation), dann klemmt mein Bügelbrett inzwischen, weil ich es so selten ausklappe.

Und dann das Putzen. Ich putze eigentlich gern. Damit bin ich früher immer hausieren gegangen. Freitagnachmittags habe ich manchmal früher Schluss gemacht im Büro, bin heimgefahren, habe den nicht vorhandenen Dreck von zwei Erwachsenen, die die ganze Woche über nicht da waren, weggemacht und mich dann zur Belohnung in die Badewanne gelegt. Heute baden bei uns nur noch die Kinder. Und ich könnte rund um die Uhr nur saugen, wischen, abstauben.

Wenn man mit einem Zimmer so halbwegs durch ist – zum Beispiel: Bett im Elternzimmer frisch bezogen, alte Bettwäsche in der Waschmaschine, Nachtkästchen abgestaubt, unterm Bett gesaugt – dann kommen die Kinder zur Terrassentür rein und leeren mit fröhlichem Hallo die Sandschuhe ins Wohnzimmer.

Was also ist die Lösung? Die Optionen sind ja, siehe oben: Wahnsinnig werden, weil auch das Schuften und Rumbrüllen nichts hilft und die Kinder einfach immer weiter Dreck produzieren. Oder Schuften, ohne Ergebnis und ohne Ende, und sich zwischendurch immer wieder einen Schluck vom Fensterreiniger gönnen. Oder aber Möglichkeit C: Man guckt, wie es die anderen machen, die halbwegs ausgeglichenen und glücklich wirken. Ich habe mich für C entschieden und kopiere nunmehr, was den Haushalt angeht, die Mutter einer Kindergartenfreundin meines Sohnes. Sie hat drei Kinder, ein Haus, einen Selbständigenjob und einen Mann, der keinen Finger rührt. Bei ihr herrscht das unverblümte Chaos. Sie sagte mir mal: “Seit ich weniger putze bin ich viel glücklicher.“ Ich probiere es aus.

Susanne

Susanne hat uns diese Gastkolumne geschickt. Sie ist 37 Jahre und lebt mit ihrer Familie in Stuttgart. Sie arbeitet als Medienreferentin und ist nach der Geburt ihres zweiten Sohnes gerade in Elternzeit.