Kinder- und Jugendbuchautorin Mina Teichert: „Ich liebe es, dass alles möglich ist und man mit Geschichten so viel schenken kann“

Kinder- und Jugendbuchautorin Mina Teichert: „Ich liebe es, dass alles möglich ist und man mit Geschichten so viel schenken kann“

Vor über einem Jahr entdeckten wir Kinder- und Jugendbuchautorin Mina Teichert in der WDR-Talkshow ‚Kölner Treff‘ und waren entzückt von ihr. Ganz munter erzählte die 40-jährige aus Niedersachsen zwischen Constantin Wecker und Schauspieler Thomas Heinze mit einer guten Portion Humor über ihr Leben mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung). Gerade war ihr Buch ‚Neben der Spur, aber auf dem Weg‘ erschienen, das es in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Auch SCHWABEN-MOM erzählte sie in einem Interview von ihrem Leben als Mama mit ADS.

Die großen Fernsehsender und Verlage standen Schlange nach dem Talkshowbesuch. Die große Erfolgswelle begann. Auch der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger wurde auf die Autorin aufmerksam. Einige Monate später, im Januar dieses Jahres, erschien dort ihr erstes Buch ‚Ich wollt, ich wär ein Kaktus‘. Eine wunderbare, lustige Geschichte für angehende Teenager. Es geht um Trennung, Verliebtsein, Neuanfang und Begegnungen mit fremden Menschen. Beim Lesen ihres Buches spürt man, wie vertraut ihr als Mama einer Teenager-Tochter diese Lebenswelten sind.

In unserem Interview erzählt uns Mina von ihren vielen, tollen Buchprojekten, ihrer Liebe zum Schreiben und ihrem Alltag als Kinderbuchautorin.

SCHWABEN-MOM: In Deinem Buch ‚Neben der Spur, aber auf dem Weg‘ hast Du sehr offen über Dein Leben mit ADHS geschrieben. Du hast darüber eine riesige mediale Aufmerksamkeit bekommen. Hast Du damit gerechnet? Hat sich dadurch etwas in Deinem Leben verändert?

Mina: Nein, definitiv nicht. Dass es einige Menschen geben muss, die die gleichen Probleme haben, das wusste ich.  Schließlich ist ADS und ADHS gerade bei Kindern in aller Munde. Und diese Störung wächst sich ja nicht einfach aus, also bleibt sie im Erwachsenenalter ebenso bestehen und nervt. Aber dass es so viele sind, die einen echten Leidensdruck haben oder sich mit mir identifizieren können, hätte ich nicht erwartet. Mich haben so viele Schicksale erreicht, die an mir gezerrt und mich aufgewühlt haben, da kam mir mein Weg auf einmal vor wie ein Spaziergang. Und der war zeitweise schon echt steinig und nahe an Abgründen.

Jedenfalls wurde ich nach erscheinen des Buches ‚Neben der Spur, aber auf dem Weg‘ zu vielen Interwies eingeladen und durfte auf meine persönliche Geschichte aufmerksam machen. Was übrigens eine mega Erfahrung für mich war, war der Kölner Treff mit Bettina Böttinger. Ich hatte zuerst so viel Angst –  fremde Leute, überall Kameras und noch schlimmer: Promis! Die für den Otto Normalverbraucher Übermenschen schlechthin –  hihihi. Aber ich hatte Glück. Sie waren alle super nett und auch gerade Frau Böttinger hat mich gekonnt und souverän durch ihre Show gebracht. Danach musste der Verlag jedenfalls sehr eilig nachdrucken lassen, weil er auch nicht unbedingt mit so super viel Interesse gerechnet hat. Und die Freude war groß, als ich es sogar auf die Spiegel-Bestellerliste schaffen konnte.

SCHWABEN-MOM: In der Talkshow wurdest Du von dem Stuttgarter Kinderbuchverlag Thienemann-Esslinger entdeckt. Anfang des Jahres ist Dein erstes Buch mit dem Titel ‚Ich wollt, ich wär ein Kaktus‘ bei ihnen erschienen. Worum geht es in Deinem Buch?

Mina: Nach eben dieser Erfahrung kam es dazu, dass meine Wunschverlage sich ein Herz nahmen und sich meine Kinder- und Jugendbuchprojekte ansahen. Und was soll ich sagen: Es begann wie ein Märchen und endet hoffentlich lange nicht. Denn ich liebe nichts mehr, als Geschichten zu schreiben und zu erzählen. Vor allem erfundene …

In ‚Ich wollt ich wär ein Kaktus‘ geht es um die zwölfjährige Lu, die mit ihrer Mutter zu Oma Käthe ziehen muss, weil die Eltern sich trennen. Ich finde, es ist nun mal ein Thema, dass immer mal wieder präsent ist und viele Kids betrifft. Ich habe versucht eine Geschichte rund ums Thema Neuanfang und Konfrontationen mit fremden Menschen behutsam und mit Witz anzugehen, ohne die Ernsthaftigkeit der Sache zu schmälern. Mir war wichtig, dass die Handlung nicht überlagert wird von zu viel konstruierten Abenteuer oder Aktion, sondern bei der Protagonistin bleibt, die immerhin mit den ersten Schmetterlingen zu kämpfen hat, während sie noch darüber nachdenkt, ob Omas Keller vielleicht ein Portal zur Unterwelt beherbergen könnte.

Im September wird bei Planet! (Thienemann-Esslinger Verlag) dann auch schon die nächste Geschichte für Kinder ab zehn Jahre erscheinen. In ‚Pechsträhnen färbt man pink‘ geht es um die besondere Freundschaft zwischen Winni, einem quirligen Inselmädchen, das unbedingt Tänzerin werden will und Fiete, dem etwas übergewichtigen Jungen aus der Stadt, der eigentlich nur zur Kur auf Amrum ist. Doch wie das Schicksal so will, findet ausgerechnet der Junge mit dem Coolnesfaktor einer Wassermelone die lang vermisste zahme Möwe Chickenwing und bringt sie Winni zurück.

Mina_Teichert_2

SCHWABEN-MOM: Du bist eine wahnsinnig fleißige Autorin. Aktuell schreibst Du an einem Jugendfantasy-Roman und danach ein drittes Buch für Thienemann-Esslinger. Wie schaffst Du das alles – auch in Hinblick auf Dein ADHS?

Mina: Gute Frage! Ich glaube zum einen ist es Glück, dass ich mich aufs Geschichtenerzählen hyperfokussieren kann. Es klappt auch mal mehr und mal weniger gut, aber wenn, dann schaffe ich an meine zwanzig Seiten in drei Stunden. Und dann mal wieder nur drei. 😊

Ich habe dieses Jahr einen mega schönen Fantasyroman für den Verlag Ueberreuter beendet, der im Herbst 2019 erscheinen soll und einen Romantasy für ein tolles neues Label bei Thienemann, das sich LoomLight nennt für diesen September. Voraussichtlich werden diese Titel unter meinem Pseudonym Mina Kamp erscheinen.

SCHWABEN-MOM: Wie können wir uns einen Tag bei Mina Teichert vorstellen?

Mina: Das ist immer unterschiedlich, je nachdem ob ich nachts schlafe oder mal wieder nicht. Meist stehe ich gegen acht Uhr auf, versorge unsere Katzen und Ponys, koche Kaffee, frühstücke und versuche etwas aufzuräumen. Dann schlurfe ich zum Laptop und beginne meistens mit dem Schreiben. Morgens klappt es am besten. Mein Tag ist immer gleich und auch wieder nicht. Vieles ergibt sich, weil ich mit engen Plänen überfordert bin.

SCHWABEN-MOM: Woher kommen all Deine tollen Geschichten? Was inspiriert Dich?

Mina: Keine Ahnung. In der Regel kommen die nachts, einfach so. Das Problem ist oft, dass sie mich anschreien, wenn ich mitten in einem Projekt feststecke. Und sie dann auf später zu vertrösten ist oft schwer. Inspirieren tut mich natürlich auch das Leben, alles was um mich herum geschieht, meine Tochter und ihre Teenegerzeit – Bombenentschärfung ist nichts dagegen –  aber auch Netflix und Co.

SCHWABEN-MOM:  Wenn Du 100 Prozent zu vergeben hast. Wie viel ist beim Schreiben Kreativität, wie viel Handwerk und Disziplin?

Mina: Oh je, wenn ich jetzt behaupte ich hätte keine Disziplin, wäre das wohl fatal … Mein Glück ist, dass ich mich beim Schreiben selten disziplinieren muss, weil ich es lieber tue, als rauszugehen. Hmm, es fällt mir schwer diese Dinge aufzuteilen, weil sie mir wie eine Einheit vorkommen. Ich würde sogar dazu tendieren, sie als gleichwertig zu sehen.

Und außerdem mag ich keine Zahlen …

SCHWABEN-MOM: Viele träumen davon, ein Kinderbuch zu schreiben. Was ist das Schönste daran?

Mina: Sich immer wieder neu zu erfinden. Ich liebe es, dass alles möglich ist und man mit Geschichten so viel schenken kann. Das Schönste ist, wenn man dann von einem jungen Leser Fan-Art in der Post hat, oder eine Nachricht, wie viel Spaß ein Buch gemacht hat. Das ist unbezahlbar.

Mehr Infos zu Mina:

https://minateichert.jimdo.com/

Infos zum Buch:

Buchcover_Mina_Teichert

Ich wollt, ich wär ein Kaktus
Mina Teichert
Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Alter: ab 10 Jahre
Seiten: 192
Format: 148 x 210 mm
ISBN: 978-3-522-50592-5
Preis: 11,00€
Erscheinungstermin: 16.01.2018

Cover: Thienemann-Esslinger Verlag

Fotos: Vanessa Rosenbrock / Your-GREAT-Moments