Gastkolumne: Hallo, liebe Gesellschaft! Ich habe keinen Bock auf Deine Kritik

Gastkolumne: Hallo, liebe Gesellschaft! Ich habe keinen Bock auf Deine Kritik

Liebe berufstätige Mama,

ich schreibe Dir heute einen Brief. Nicht, um mich mit Dir zu vergleichen, denn du bist so oder so ein anderer Mensch als ich. Sondern um Dir etwas zu sagen. Respekt. Respekt dafür, wie Du zwei Welten in ein Leben presst. Respekt dafür, dass Du morgens manchmal schnelle Entscheidungen treffen und im Laufe des Tages auch mal alles über den Haufen werfen musst. Für Dein Kind. In erster Linie sind wir – trotz verschiedener Lebensmodelle – doch eins: Mamas. Wir müssen uns beide dem selben Druck aussetzen – der Gesellschaft. Du kümmerst Dich zu wenig um Dein Kind? Ich bin zu faul, arbeiten zu gehen. Du schiebst Dein Kind ab? Ich bin eine Glucke und kann es nicht ziehen lassen. Du machst alles falsch – genau wie ich. Aber weißt du was? Ich bewundere Dich ziemlich oft.

Manchmal beneide ich Dich sogar. Und ich wette, dass Du genau das Gleiche empfindest. Wieso können wir einander denn nicht einfach öfter anlächeln? Wieso können wir einander nicht einfach mal auf die Schulter klopfen? Ich habe beschlossen genau das zu tun – Dir zu sagen, dass Du das echt toll machst. Und ich freue mich, dass Du gerade lächelst, weil ein von Herzen kommendes Kompliment von einer anderen Mama manchmal mehr wert ist als alles andere.

Und nun zu Dir, liebe Gesellschaft. Hallo! Ich habe keinen Bock auf Deine Kritik. Deine Erwartungen. Deine Vorhaltungen und Deinen Fingerzeig. Ich bin zu Hause und mein Haushalt ist nicht perfekt? Tja, vermutlich weil ich Zuhause bin, und wir hier leben statt nur zu wohnen. Meine Kinder sind nicht perfekt, obwohl ich doch den ganzen Tag nur allein dafür verantwortlich bin, sie „ordentlich hinzubekommen“? Naja, vielleicht halte ich nicht viel von Perfektion und finde sie sollten in erster Linie mal glücklich sein. Mein armer Mann muss für unsere Familie alleine aufkommen? Wie kann ich ihm das antun? Naja, er mag seinen Job total gerne und er kann ihn so ausüben, weil ich ihm in allem anderen den Rücken freihalte. Weil wir ein tolles Team sind, und es einfach passt. Ach ja, und obwohl ich Zuhause bin, hasse ich es Kuchen zu backen. Also bitte: Hör auf mich automatisch auf diese Kuchenlisten im Kindergarten oder der Schule einzutragen. Überhaupt: Hör auf mich ständig anzuschauen, zu bewerten und über mich zu schimpfen. Du kennst mich nicht.

Liebe Väter,

an Euch habe ich nur eine Bitte: Sagt uns Müttern einfach ab und an mal, dass wir unsere großen und kleinen Jobs echt gut machen. Nehmt uns nicht für selbstverständlich. Egal, ob Hausfrau oder Working-Mom. Wir sind neben diesen Rollen vor allem auch noch eins: Eure Frauen. Und es lässt jede Frau aufblühen, wenn sie für ihre Leistungen Euren Respekt bekommt. Ihr habt meinen genauso. Denn ich glaube, dass Ihr es auch nicht immer leicht habt mit uns. Als Entschuldigung nenne ich neben der üblichen PMS allerdings drei Gründe, die mich manchmal doof und völlig daneben sein lassen. Drei Gründe die mich aber erst zu dem machen, was ich bin. Die beste Mutter für meine Kinder. Wie jede andere Mama auch.

Grüße, eine daheimgebliebene Mama

Isabella Meyer hat uns diese Gastkolumne geschickt. Im Januar schrieb sie bereits in einer Kolumne über ihre Geburt. Die 32-Jährige Mama von drei Kindern wohnt in Essingen bei Aalen. Isabella begann ein Lehramtsstudium, das sie in der Schwangerschaft ihrer ersten Tochter auf Eis legen musste. Ihre Zukunftspläne: ein Fernstudium in Psychologie.

Foto: privat